Die Stadt ist gut aufgestellt

Ära von Beilsteins Bürgermeister Günter Henzler geht zu Ende

Die Stadt ist gut aufgestellt

"Beilstein war die am stärksten verschuldete Stadt Deutschlands mit 3700 Mark pro Kopf."

Die - Mit einer Legende räumt Günter Henzler auf. Nicht Landrat Otto Widmaier hat ihn 1987 als Amtsverweser nach Beilstein geschickt. Er habe sich freiwillig gemeldet, sagt der Stadtchef im Gespräch mit Redakteur Joachim Kinzinger. Der 62-Jährige wird am 31. Januar in der Stadthalle als Bürgermeister verabschiedet.

Nur noch wenige Tage sitzen Sie hier am Schreibtisch. Fällt ihnen der Abschied nach fast 25 Jahren als Stadtchef schwer?

Günter Henzler: Ich verspüre zunächst eine große Erleichterung, dass ich die Verantwortung nach 25 Jahren in jüngere Hände abgeben kann. Aber es geht einem auch durch den Kopf, dass ich Abschied nehmen muss, von der Aufgabe, die so lange mein Leben bestimmt hat und von den Menschen, die mir zur Seite standen. Das bewegt mich und macht mir auch bewusst, wie viel sie mir bedeutet haben.

Blenden wir zurück ins Jahr 1987. Sie waren Umweltdezernent im Landratsamt. Landrat Otto Widmaier hat Sie als Feuerwehrmann nach der Amtsenthebung von Bürgermeister Paul Stadel als Amtsverweser nach Beilstein geschickt. Weshalb haben Sie Ja gesagt?

Henzler: Dies ist eine Gelegenheit, um mit einer Legende aufzuräumen. Otto Widmaier hat mich nicht geschickt, ich habe mich freiwillig gemeldet. Und der Gemeinderat der Stadt Beilstein hat mich einstimmig zum Amtsverweser gewählt.

War dies die schwerste Zeit? Oder die größte Herausforderung?

Henzler: Es war zu diesem Zeitpunkt eine außerordentlich schwierige Aufgabe und eine große Herausforderung. Es ging nicht nur um die dramatische Verschuldung der Stadt. Ich hatte auch mit der Misswirtschaft meines Vorgängers aufzuräumen. Beilstein war 1987 die am stärksten verschuldete Stadt Deutschlands mit 3700 Mark pro Kopf, insgesamt waren es 20 Millionen Mark.

Wie steht die Stadt heute da?

Henzler: Die Verschuldung wurde um acht Millionen Euro zurückgeführt. Gleichzeitig sind mehr als 40 Millionen Euro investiert worden. Wir sind gut aufgestellt. Unsere Stadt kann sich sehen lassen.

Nennen Sie kurz die wichtigsten Investitionen.

Henzler: Dies ist eine ganz lange Liste mit Schulbauten, Neubau von Kläranlagen, Kindergarten, Ausbau der Wasserversorgung, Friedhoferweiterung, Busbahnhof und zuletzt das Feuerwehrhaus.

Was hätten Sie noch gerne verwirklicht?

Henzler: Die Pflichtaufgaben sind in Beilstein alle erledigt. Wünsche und Forderungen gibt es noch genug. Eine Stadt ist nie fertig. Mein Nachfolger wird noch genug zu tun haben.

Warum sind Sie der Stadt treu geblieben? In der Region Heilbronn-Franken gab es doch Anfragen zu OB-Kandidaturen.

Henzler: Konkrete Anfragen hatte ich zwei. Ich habe mich entschieden, weiterhin im schönen Beilstein mit überwiegend liebenswerten Menschen zu arbeiten. In der Perle des Bottwartals lässt es sich gut leben.

Der Bürgerentscheid 2009 um Aldi/Edeka, die erbitterten Auseinandersetzungen um die geplante Biogasanlage 2010/2011. Da gerieten Sie als Stadtchef unter Beschuss.

Henzler: Das ist unausweichlich. Wer dem Gemeinwohl dient, kann es unmöglich allen recht machen. Übrigens gehören Konflikte im Alltag eines Bürgermeisters dazu. Ein englisches Sprichwort sagt dazu: Wer die Hitze nicht aushält, sollte nicht in die Küche gehen.

Würden Sie heute bei diesen brisanten Themen etwas anders machen?

Henzler: Kurz und bündig Nein.

Über Pro Beilstein wollen Sie nicht sprechen. Warum?

Henzler: Diese Frage bleibt unbeantwortet.

Sehr intensiv haben Sie mit ihrem Nachfolger Patrick Holl Themen besprochen, er war auch bei den Personalentscheidungen zum neuen Bauamtsleiter dabei. Wird es ein nahtloser Übergang?

Henzler: Es wird ein geordneter Übergang. Mein junger Nachfolger hat sich mit großem Engagement und Fleiß um alle anstehenden Aufgaben gekümmert. Ich bin überzeugt, dass er seine Sache gut machen wird.

Was wünschen Sie sich für ihr Abschiedsfest am 31. Januar?

Henzler: Einen netten Abend und viele gute Gespräche. Und dass ich mich von denjenigen verabschieden kann, die meine Arbeit in den letzten Jahren begleitet haben.

Was machen Sie ab 1. Februar?

Henzler: Ich lasse alles auf mich zukommen, für diese Woche habe ich noch keine konkreten Pläne.

Welche Ziele verfolgt der Ruheständler Henzler?

Henzler: Gar keine. Ich will mein Pensionärsdasein genießen bei hoffentlich guter Gesundheit.

Sind Sie nur noch Privatmann?

Henzler: Ja, ich will nicht ausschließen, in weiterer Zukunft eine ehrenamtliche Aufgabe zu übernehmen. Aber in nächster Zeit brauche ich etwas Abstand vom öffentlichen Leben.

Was machen Sie in ihrer Freizeit?

Henzler: Ich lese gerne und will viel reisen. Ich bin mir sicher, dass es mir im Ruhestand nicht langweilig wird.