Die Pflege bestimmt seinen Alltag

Eugen und Irmgard Maier sind seit 60 Jahren verheiratet

Von unserer Mitarbeiterin Simone Möndel

Die Pflege bestimmt seinen Alltag
Seit mehr als 20 Jahren pflegt Eugen Maier seine kranke Frau Irmgard zu Hause, die im Rollstuhl liegt und künstlich ernährt werden muss.Foto: Simone Möndel

Untergruppenbach - Es wäre übertrieben zu sagen, Eugen Maier habe sich auf diesen Donnerstag, den Festtag seiner diamantenen Hochzeit, sehr gefreut. Dafür hat er in den vergangenen 20 Ehejahren − man sollte besser Pflegejahre sagen − zu sehr nur an seine kranke Frau gedacht. An die Medikamente, die Pflegegriffe und die richtige Fürsorge für sie. Nie an sich selbst. Aber glücklich und stolz ist der 80-Jährige doch, dass er diesen Tag gemeinsam mit seiner Frau erleben kann.

Herausforderungen Seit 60 Jahren sind sie verheiratet. Dass sie vom Leben vor solche Herausforderungen gestellt werden würden, hatten sie niemals gedacht. Eugen Maier stammt aus dem Schwarzwald. Als junger Mann kam er nach Bieringen an die Jagst, in den landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern seiner Frau. Dort packte er mit an und wurde selbst von der Liebe gepackt. Das Paar heiratete am 23. Februar 1952 und bekam eine Tochter. "Ja, wir haben uns sehr gemocht. Die Liebe zu meiner Frau ist aber in all den Jahren noch viel stärker geworden", sagt Eugen Maier heute. Die Familie kam nach Heilbronn, dort war Eugen Maier zuerst als Vorarbeiter bei einer Firma beschäftigt. Später viele Jahre bis zur Frührente als Hausmeister an der Grünewald-Schule in Böckingen.

Und dann erlitt seine Frau einen Oberschenkelhalsbruch, der das ganze Leben auf den Kopf stellte. Irmgard Maier kam ins Krankenhaus. "Es war ein Behandlungsfehler. Bei der Narkose ist etwas schief gelaufen", davon ist Eugen Maier überzeugt. "Meine Hausärzte haben mir das bestätigt, aber schriftlich will das natürlich keiner geben. Sehen Sie meine Frau an: Seit diesem Tag ist sie krank. Kann nicht mehr gehen, nicht mehr schlucken, nicht mehr sprechen." Irmgard Maier ist ein Pflegefall geworden.

Unterkriegen lässt sich Eugen Maier deshalb nicht. "Ich bin ein positiver Mensch und vergleiche mich nicht mit anderen", sagt er und kontrolliert die Plastikschläuche, die seine Frau mit künstlicher Nahrung versorgen. Nie wollte er, dass seine Frau in ein Pflegeheim kommt. Und wenn ihn die Menschen fragen, wie er das alles macht, erklärt er immer: "Ich habe kein Patentrezept. Zuallererst muss man bei sich selber Abstriche machen. Wer das nicht will, braucht mit der häuslichen Pflege nicht anfangen."

Balkon "Die meisten verwechseln Sympathie mit Liebe", meint Maier, dessen eigene Welt klein geworden ist. "Ich verlasse nicht mehr gern die Wohnung. Dann habe ich immer ein ungutes Gefühl und denke, es könnte was passieren. Meine Welt ist jetzt mein Balkon. Auf der einen Seite ist er schattig, auf der anderen scheint die Sonne." Wie im Leben.