Auf den Spuren der Wohltäter

Heimatgeschichtlicher Arbeitskreis erforscht Leben der Auswanderer Zoller

Von Barbara Barth

Auf den Spuren der Wohltäter

„Man darf nicht vergessen, dass im 19. Jahrhundert bei uns in der Schule kein Englisch unterrichtet wurde.“

Dietrich Gaa

Talheim - Geschichte muss immer wieder erzählt werden, weil neue Generationen neue Fragen stellen. Davon ist Dietrich Gaa überzeugt. Deshalb ruft der Heimatgeschichtliche Arbeitskreis Talheim unermüdlich Vergessenes in Erinnerung. So wie jetzt die Geschichte der Familie Zoller, die nach Amerika auswanderte, ihren Heimatort nie vergessen und mit großzügigen Spenden unterstützt hat.

Im evangelischen Gemeindehaus sind 40 Zuhörer neugierig darauf, was Gaa über die Wohltäter herausgefunden hat. An Wandtafeln und mit einer Power-Point-Präsentation zeigt der Heimatforscher die Ergebnisse seiner Recherchen.

Die Wurzeln der Zollers führen ins 17. Jahrhundert zurück. Mindestens sechs Generationen sind in Talheim nachweisbar. Es waren kleinbäuerliche, kinderreiche Familien. Bis die Brüder Ludwig (1869 - 1955), Albert (1877-1951) und ihre Schwester Karoline(1870 - 1955) in die weite Welt zogen. Der ältere Bruder und die Schwester zog es zuerst nach Südafrika. Karoline blieb in Johannesburg, Ludwig aber traf 1894 in New York ein, wohin ihm 1899 dann auch Bruder Albert mit zehn Dollar in der Tasche folgte. „Man darf nicht vergessen“, so Gaa, „dass im 19. Jahrhundert bei uns in der Schule kein Englisch unterrichtet wurde.“

Bäcker 20 Jahre lang arbeiteten sie in Brooklyn als Bäcker, ehe sie ins Immobiliengeschäft einstiegen und damit zu beträchtlichem Reichtum gelangten: Bäckereien errichten und verkaufen, alte Häuser erwerben, sanieren, veräußern und Geld verleihen. So erfolgreich die Brüder beruflich waren, so wenig Glück hatten sie im Privatleben.

Beide heirateten deutsche Frauen. Ludwig wurde früh Witwer und lebte seitdem bei seinem Bruder Albert. Auch dieser verlor seine Frau und musste ein halbes Jahr später noch den Verlust seines kleinen Sohnes beklagen. Das Blatt wendete sich erst, als er in zweiter Ehe Katharina Kessler heiratete. Das Paar hatte drei Kinder: Philipp (geboren 1909), Albert (1911), Louise (1913). Der Reichtum ermöglichte es der fünfköpfigen Familie, im Jahre 1922 Talheim zu besuchen.

Die geschäftstüchtigen Brüder erinnerten sich in Amerika stets genauso ihres Geburtsdorfes wie ihre Schwester Karoline in Südafrika. „Sie hielt mit den Brüdern enge Verbindung und war an allen Stiftungen beteiligt“, hat Dietrich Gaa herausgefunden. 1921 gelangten 50 000 Mark nach Talheim für eine im Ersten Weltkrieg verlustig gegangene Kirchenglocke. 1925 bedachten die Geschwister das Kriegerdenkmal mit 200 Mark. 1948 schickten sie 7500 für Friedhof und Leichenhaus. Auf Anregung von Pfarrer Mayer, der schrieb, „dass ein evangelischer Kindergarten noch wichtiger in Talheim“ wäre, spendeten sie 1945 generös 45 000 Mark für „Zollers Kindergarten“, der 1951 mit 43 Kindern eingeweiht wurde. Im gleichen Jahr starb Albert Zoller mit 74 Jahren. Ludwig wurde 86 Jahre alt.

Stolz „Zollers, die heute in Talheim leben, haben mit Albert und Ludwig nichts tun“, weiß Gaa. Wohl aber die Zuhörer Hermann Gustav Baier und Christa Müller. Die Großmutter der Geschwister hieß Friederike Baier, geborene Zoller. Deren Vater war der Bruder von Alberts und Ludwigs Vater. „Wir wissen, dass die Oma sehr stolz auf die Verwandten in Amerika war“, so Christa Müller.