Die fehlenden Schilder von Vorhof

Untergruppenbach  Einem Anwohner fällt auf, dass sämtliche Wanderschilder im Wald bei Untergruppenbach fehlen. Das Fürstenhaus Hohenlohe-Oehringen hat sie dem Naturschutz zuliebe entfernt - die Bürger sind verärgert.

Ärger wegen Schildern
Die Nägel künden von der Stelle, wo sich ein Schild befunden hat.Foto: privat

Klaus Junker lebt im Untergruppenbacher Teilort Vorhof und geht viel mit seinem Hund im Wald spazieren. Es ist der Wald, der seit zehn Jahren dem Fürstenhaus Hohenlohe-Oehringen gehört. Bei einem dieser Spaziergänge bemerkte Junker, dass "auf einmal Wanderschilder" weg waren. Unter anderem ein großes markantes des Schwäbischen Albvereins.

Beim nächsten Spaziergang schaute er gezielt nach den Hinweistafeln − und stellte fest, es fehlen auch noch andere Sorten von Schildern. Dann nahm der Vorhofer Kontakt mit dem "Heilbronner Land" auf. Von der Tourismusorganisation stammen die Vorschläge für die Schnuppertouren. Wanderer bekommen Faltblätter und können die Touren nach den Hinweistafeln laufen. Beim Heilbronner Land reagierte man irritiert auf die Nachricht der fehlenden Schilder und händigte den Bürgern aus Vorhof das Kataster aus, in dem der Standort für jedes einzelne Schild vermerkt ist.

Das Ergebnis der Recherche: 90 Prozent der Schilder fehlen

Junker ging der Sache systematisch auf den Grund. Mit seiner Frau Angelika und Karin Bochonow, einer Nachbarin, ging Junker den SB6, der zu Teilen auf dem HW8 und von Untergruppenbach nach Löwenstein verläuft, ab. Die drei Wanderer stellten fest, dass 90 Prozent der Schilder, 22 Stück, auf dem SB6 fehlen. "Ich konnte das nicht glauben", sagt Klaus Junker. "Ich laufe jeden Tag drei bis vier Kilometer durch den Wald, so etwas ärgert mich", sagt Klemens Bochonow. Wenn Wanderer ohne ausreichendes Kartenmaterial unterwegs seien, seien diese aufgeschmissen.

Mit der Vermutung, dass das Fürstenhaus Hohenlohe-Oehringen die Schilder alle entfernt hat, lagen die beiden richtig. Zwar gehören die Bäume dem Geschäftsführer der fürstlichen Betriebe, Erbprinz Kraft zu Hohenlohe-Oehringen, nicht aber die Schilder. Deshalb ist mittlerweile das Landratsamt Heilbronn involviert. "Wir sind mit dem Waldbesitzer im Gespräch", teilt Hubert Waldenberger, der Pressesprecher des Landratsamts, mit. Genaueres gibt es mit Verweis auf ein schwebendes Verfahren allerdings nicht.

Das Fürstenhaus will keine Nägel in den Bäumen

Auch die Gemeinde Untergruppenbach hat Kontakt zum Fürstenhaus gesucht. "Wir sind immer gesprächsbereit, das kann man uns nicht vorwerfen", sagt Betriebsleiterin Gräfin Verena von Zeppelin. Seit vielen Jahren würden in den Wäldern der Fürstlichen Verwaltung Wander-, Radwege und andere Erholungseinrichtungen "mit zahlreichen Schildern dauerhaft markiert − meist mit Nägeln oder Schrauben an den Bäumen fixiert".

Nägel in Bäumen − etwas, das dem Fürstenhaus nicht gefällt. Seit 20 Jahren sei man deshalb mit "verschiedenen Vereinen" im Gespräch, es gebe viele Briefwechsel zu diesem Thema. Der Geschäftsführer der fürstlichen Betriebe wolle jetzt eine grundlegende Änderung der Beschilderung einführen. "Wir suchen das Gespräch mit den entsprechenden Organisationen, um neue Beschilderungen in unseren Wäldern in Zukunft so anzubringen, ohne dass unsere Bäume dabei Schäden nehmen", teilt Kraft zu Hohenlohe-Oehringen in einer Pressemitteilung an die Stimme mit. Die Bäume würden durch die Schilder verletzt und nähmen Schäden.

"Wir wollen, dass man die Schilderparks wegmacht", sagt Verena von Zeppelin. Es könne nicht sein, dass man Bäume beschädige, um Wanderern die Richtung zu weisen. Auch in Beton betonierte Rohre aus Eisen oder Stahl hätten im Lebensraum Wald nichts zu suchen.

Die Alternative: Gemalte Markierungen oder Holzpfosten

Gegen eine Markierung mit Pinsel und Farbe sei nichts einzuwenden, oder Schilder an abgestorbenen Bäume anzubringen, auch an Holzpfosten, wenn sie die Waldbewirtschaftung nicht behinderten. Man habe nichts gegen Spaziergänger, die den Wald in Ruhe genießen wollten. Der Untergruppenbacher Bürgermeister Joachim Weller hätte die Schilder gerne wieder im Wald. "Wir müssen eine Lösung finden", sagt er. Die verschiedenen Interessen − wirtschaftliche und die Erholungs- und Schutzfunktion des Waldes − müssten zusammengebracht werden.

Auf eine gemeinsame Lösung hofft nach Gesprächen auch Tatjana Scheerle, neue Ordnungsamtsleiterin der Gemeinde Untergruppenbach. Dem Fürstenhaus seien es "zu viele Schilder an zu vielen Orten" gewesen. Ob und wie sich das Fürstenhaus mit dem Heilbronner Land oder den Gemeinden einigen kann, wird sich zeigen.

 

Streitpunkt Windräder

Auch ein anderes Thema bleibt spannend: Wie verträglich sind Windräder im Wald? Wie berichtet, hat das Fürstenhaus mit Abowind einen Vertrag geschlossen. Seit ein paar Monaten sammelt ein Windmessmast Daten. Bürger aus Vorhof, die sich in der Initiative Gegenwind engagieren, können sich Windräder in zu großer Nähe nur sehr schwer vorstellen.