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Über 50 Keller laufen auch mit Schlamm voll

Beilstein und die Naturgewalten im Jahr 2005: Burgmauer fällt ein, Sturzbach in der Altstadt, schwacher Tornado

Von Joachim Kinzinger
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Lesezeit 2 Min
Über 50 Keller laufen auch mit Schlamm voll
Sturzbach: Dieser Beilsteiner zeigt, wie hoch das Wasser am Haus stand.

Es sind für Bürgermeister Günter Henzler zwei „unliebsame Überraschungen“. Besonders auf Burg Hohenbeilstein. Anfang Mai poltern große Steinquader der östlichen Mauer südlich des alten Torhauses in die Tiefe. Das Ausmaß der Schäden kommt erst später ans Licht. Eingestürzte Mauern, marode Türme, Risse im Steinwerk, instabile Mauerkronen summieren sich auf der Burg laut Gutachter auf 764 800 Euro.

Beilstein muss sofort handeln, da Türme einsturzgefährdet sind. Für 217 000 Euro sanieren Fachleute den Ausgangsturm und den östlichen und westlichen Halbturm. Im Oktober trägt die Hohenbeilstein grüne Rucksäcke. Diese Außenhaut wird über die Gerüste gespannt. Auch 2006 bleibt die Burgsanierung ein Schwerpunkt.

Alarmstufe Rot Ende Juli: Peitschender Regen stürzt nach dem Gewitter die Weinberge hinab, nimmt eine schmutzige Schlammfracht mit, die sich in die Altstadt und über den Kelterplatz ergießt. Über 50 Keller muss die Feuerwehr in dieser Nacht auspumpen. Im Wald knicken die Bäume nach dem Sturm wie Streichhölzer. „Das war die größte Naturkatastrophe in den letzten 50 Jahren“, sagt Henzler. Ende August wütet ein schwacher Tornado, wälzt 30 Rebzeilen auf dem Beilsteiner Amalienhof platt.

Kommunalpolitisch ist es ein eher ruhiges Jahr, auch wenn weit reichende Beschlüsse im Gemeinderat fallen. So stellt Beilstein im März das Signal für die Bottwartalbahn wie andere Kommunen auf Rot und lehnt weitere Kosten für die standardisierte Bewertung ab.

Im Juni schafft das Gremium die Unechte Teilortswahl ab. Die Konsequenz: Beilsteins Weiler haben ab 2009 keine eigenen Vertreter mehr. Ende Juli nimmt die Langhansstadt Abschied von der Wunschumgehung und stimmt der vom Land favorisierten Trasse 2 B zu. Allerdings darf die Gärtnerei Bayer in ihrer Existenz nicht bedroht werden.

Eingehend beschäftigt sich Beilstein mit einem Großprojekt auf der „Harthöhe“. Dort soll das gemeinsame Feuerwehrmagazin für Beilstein und Schmidhausen für rund 2,1 Millionen Euro gebaut werden. Der architektonische Pfiff: schräg gestellte Wände an der Außenseite und ein Bau mit „gegeneinander gearbeiteten Wänden“.

Nach der Badesaison beginnen im September die umfangreichen Sanierungsarbeiten im Mineralfreibad Oberes Bottwartal. Für insgesamt drei Millionen Euro werten Beilstein und Oberstenfeld das Bad mit Edelstahlwannen und Erlebnisbecken auf. Die Stadtsanierung macht Fortschritte. Spiel- und Ruheplatz ist der Entenplatz. 2005 wird auch die Friedhofserweiterung mit Urnenwänden fertig.

Was hat sich sonst noch getan? Beilstein hat nun auch einen Historischen Rundweg für die Stadtteile mit 19 Stationen. Waldarbeiter haben den Trimm-dich-Pfad am Fohlenberg mit neuen Gymnastikgeräten wieder auf Vordermann gebracht. Nicht zu vergessen die neue Weinprinzessin: Seit dem Weinbergfest trägt Leonie Schopfer das silberne Diadem.

Über 50 Keller laufen auch mit Schlamm voll
Anfang Mai stürzt ein Teil der Hohenbeilsteiner Burgmauer in die Tiefe. Die Stadt muss aber auch einsturzgefährdete Türme sanieren. (Fotos: Archiv)
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