Signal für die Bottwartal-Bahn steht auf Rot

Beilsteiner Gemeinderat lehnt weitere Kosten für die standardisierte Bewertung ab - Trasse wird weiter frei gehalten

Von Joachim Kinzinger

Signal für die Bottwartal-Bahn steht auf Rot

Der Entenmörder auf seiner letzten Fahrt in Beilstein. (Foto: Archiv)

Fast euphorisch begannen die Kommunen und der Landkreis Ludwigsburg 1992 mit der Verkehrsuntersuchung für die Gesamtkonzeption Schienenverkehr im Oberen Bottwartal. 1997 folgte die Detailuntersuchung für den Schienenkorridor. Nach diesen Plänen sollte die Bahnstrecke auf Beilsteiner Markung entlang des Gewerbegebiets "Kleinfeldle" bis zum Feuerwehrmagazin geführt werden. Als Endstation war sogar das Gymnasium vorgesehen. Der Gutachter schätzte die Baukosten auf 153 Millionen Mark. Danach gaben die Kommunen im Jahr 2002 grünes Licht für die standardisierte Bewertung. "Es ist eine Kosten-Nutzen-Analyse", wie es Beilsteins Bürgermeister Günter Henzler formuliert.

Das Resultat der trassentechnischen Untersuchung war ernüchternd. Im elektrischen Betrieb verfehlt die 15 Kilometer lange Bottwartal-Bahn mit einem Wert von 0,89 den wichtigen Index von 1,0, der erreicht werden muss, um nach dem Gemeindeverkehrs-Finanzierungsgesetz Zuschüsse zu erhalten. Mit Dieselfahrzeugen würde der Faktor von 1,03 erreicht, also knapp über dem Schwellenwert. Nachdem das Land aber die Förderung von 85 auf 75 Prozent gekürzt hatten, müssen die Kommunen 15 bis 20 Millionen Euro aufbringen. In dieser Analyse sind von Baukosten in Höhe von 62,7 Millionen Euro die Rede. Hinzu kommen 5,6 Millionen Euro für betriebsnotwendige Projekte wie Abstellanlage oder Abstellhalle.

Bereits im Vorfeld der Gemeinderatssitzungen hatte sich die Arbeitsgruppe von Bürgermeistern und Landrat Rainer Haas darauf verständigt, das Projekt angesichts dieser Vorzeichen auf Eis zu legen und die "standardisierte Bewertung" nicht mehr in Auftrag zu geben.

Bürgermeister Günter Henzler sagte im Gemeinderat: "In den nächsten 10 bis 15 Jahren kann aus realistischer Sicht nicht an den Bau gedacht werden." Auch finanziell sei es völlig unrealistisch: "Wir können die Kosten nicht schultern." Es mache wenig Sinn, zu diesem Zeitpunkt 56 000 Euro für die nächste Analyse auszugeben. Der Anteil Beilsteins liege bei rund 6000 Euro. Dies heißt für den Stadtchef aber nicht, dass die Bahn für alle Zeit begraben ist. Die vorgesehene Trasse werde von der Bebauung freigehalten.

Stadtrat Guido Ochs (CDU) fand es vernünftig, jetzt nicht weitere Gelder für Stadtbahn-Untersuchungen auszugeben. Wolfgang Seybold (FDP) forderte, lieber das Schnellbus-System besser auszubauen. Der Gemeinderat sollte sich auch eher auf die Umgehungsstraße konzentrieren. Für Rolf Büttner (SPD) war wichtig, dass die vorgesehene Bahntrasse nicht bebaut wird. Einstimmig schloss sich das Gremium der Verwaltung an, weitere Untersuchungen nicht weiterzuverfolgen.