Infiziert vom Fähnle-Virus

Flein  Flein - Für Bürgermeister Alexander Krüger ist es der "Schlusshöhepunkt" im Festjahr 825 Jahre Flein. Da drückt er sich bescheiden aus, Superlative wären nicht übertrieben. Denn was da in der Gemeinde geplant ist, wird weit über die Region strahlen.

Von unserer Redakteurin Sabine Friedrich

Infiziert vom Fähnle-Virus

Bürgermeister Alexander Krüger, Volker Caesar, Thomas Knubben und Uli Braun (von links) mit einem der privaten Leihgaben eines früheren Fleiners. Hans Fähnle hat seinen Vater Paul, seine Mutter Luise und seine Schwester Ruth im Schulhausgarten, gemalt. Das Werk dürfte Mitte der 1920er Jahre entstanden sein.

Fotos: Veigel

 

Flein - Für Bürgermeister Alexander Krüger ist es der "Schlusshöhepunkt" im Festjahr 825 Jahre Flein. Da drückt er sich bescheiden aus, Superlative wären nicht übertrieben. Was da in der Gemeinde geplant ist, wird weit über die Region strahlen, Aufmerksamkeit in der Kunstwelt erregen. "Hans Fähnle. Ein Maler aus Flein", so ist die Ausstellung vom 24. Oktober bis 15. Dezember überschrieben. "Eine derart große Zahl von Werken - etwa 80 - ist noch nie gezeigt worden", ordnet Dr. Thomas Knubben, einer der drei Macher, diese Retrospektive ein.

Die zweite herausragende Leistung ist ein 160-seitiger Ausstellungskatalog, der über den Buchhandel vertrieben wird. "Es entsteht ein plastisches Bild, wo bisher nur ein dürres Zahlengerüst war", bewertet Knubben die Erforschung der Biografie des Künstlers, der 1903 als Sohn des Schulmeisters Paul Fähnle - Ehrenbürger Fleins - geboren wurde und 1968, gepeinigt von Schmerz und Dauerschlaflosigkeit, starb.

Tagtäglich hat Bürgermeister Krüger Fähnle im Blick. Über seinem Schreibtisch hängt eine Ortsansicht, im Besprechungsraum eine impressionistische Bodensee-Landschaft. Fähnles "stapeln" sich derzeit im Rathaus. Denn es treffen nach und nach Exponate aus Privatbesitz ein.

Infiziert vom Fähnle-Virus

Knubben, sein Professoren-Kollege Uli Braun aus Würzburg - ein Fleinermer - und Fähnle-Kenner Volker Caesar aus Rottenburg - sie kennen sich teilweise von anderen Projekten und Publikationen - sind infiziert vom Fähnle-Virus. "Je mehr man eintaucht, desto spannender wird es, weil Zusammenhänge deutlich werden, die dieses faszinierende Werk zustande brachten", sagt Caesar. Was ihn besonders an dieser "Best-of-Schau" freut: Dass er frühe Bilder Fähnles für Verwandte und Freunde kennenlernt. Denn der Großteil der Exponate aus der Überlinger Fähnle-Galerie stammt aus der Nachkriegszeit.

Für den Katalog hat Caesar mit seiner Frau fast 400 Fähnle-Briefe ausgewertet und transkribiert. Mit Hilfe der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart ist der Bestand, auch der grafische, von rund 1000 Werken inventarisiert und begutachtet worden.

Wandlung über 50 Jahre

Die Biografie, die Herkunft, die Vielfalt, die Qualität - das "überbordende Werk", fasziniert Braun an Hans Fähnle. Knubben verweist auf das klassische Themenfeld der Malerei mit Stillleben, Landschaften, Menschendarstellungen und Porträts. In den 50 Jahren seines künstlerischen Schaffens habe er eine Wandlung durchlebt: vom Spätimpressionismus über die expressive Entwicklung hin zu symbolistischen und abstrakten Tendenzen.

"Ich kann das als Laie gar nicht hoch genug schätzen", ist Krüger beeindruckt vom Einsatz des Trios - das unentgeltlich diese eineinhalbjährige Vorbereitung stemmt. Das Konzept ist aufwendig, eine Ausstellungs-Architektur ist notwendig, "um die Bilder zum Strahlen zu bringen", wie Knubben sagt. Dazu gibt es ein Modell, wie der Sitzungssaal des Rathauses und das Foyer mit Stellwänden zur Galerie werden. Für den Gemeinderat ist es keine Frage gewesen, das Rund für drei Monate zu räumen und 40 000 Euro für das Projekt im Jubiläumsjahr bereit zu stellen.

Infiziert vom Fähnle-Virus

Sitzungssaal (rechts der Eingang) und Foyer werden zur Galerie. Dazu gibt es dieses Modell. Die Stätte soll die Gemälde zum Strahlen bringen, so das Ziel.