Großwildjäger mit Großstadtrevier

Intensive Nutzung der Naherholungsgebiete fordert besondere Achtsamkeit ab

Von Manfred Stockburger

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Freiluftsportgelände ist die Heilbronner Waldheide für die einen, Jagdrevier für die anderen. Die Jäger müssen Obacht geben.Foto: Archiv/Kugler

Heilbronn - Schweinsbergwald, Waldheide und Gaffenberg sind beliebte Naherholungsgebiete. Aber nicht nur Jogger und Spaziergänger tummeln sich dort, sondern auch Jäger. "Die vielfältige Nutzung ist eine Herausforderung für uns", sagt Dieter Bürkle. Zusammen mit Alt-OB Manfred Weinmann und dem früheren Förster Norbert Rapp hat er den Jagdbogen 3 gepachtet, zu dem diese Gebiete zählen.

Selbst die Nacht birgt viele Überraschungen für die Waidmänner: "Wenn man hinter Schwarzwild her ist, kommt es vor, dass plötzlich solche Gesellen auftauchen, die Geocaching machen", sagt Bürkle. Bei dieser modernen Form der Schnitzeljagd suchen mit GPS-Empfängern ausgestattete Menschen nach kleinen Schatzkisten, die oft mitten im Wald versteckt sind. "Da muss man schon sehr achtgeben", sagt der Jäger. "Aber das tun wir auch."

Auch der Waldlehrpfad, ein Bikerzentrum und der Steinbruch liegen in seinem Revier - und das Übungsgelände der Rettungshundestaffel. "Samstags und sonntags können wir oft gar nicht auf die Jagd gehen." So ist das in einem Revier am Rande einer Großstadt. Bürkle, dessen Familie den Jagdbogen Heilbronn-Südost schon seit 55 Jahren pachtet, beklagt sich deswegen aber nicht - und lässt sich von seiner Leidenschaft nicht abbringen. Die meisten Trophäen in seinem Wohnzimmer stammen von Großwildjagden, die der Unternehmer in den vergangenen Jahrzehnten unternommen hat. "Die Jagd ist nicht nur Hobby, sie ist auch Aufgabe", betont der 72-Jährige: Um den Wald zu schonen, müssen er und seine Pächterkollegen vor allem das Rehwild und die Wildschweine im Griff behalten. An Metzgereien, aber auch an Privatleute, Großhändler und an Gaststätten verkauft Bürkle die von ihm erlegten Tiere - und beklagt den "Absatzengpass", der die Preise drücke. Die Hasen, die von den Jagdpächtern auch dieses Jahr für das Hasenmahl gestiftet wurden, stammen aber nicht von hier. "Hasen sind so selten geworden, dass wir sie normalerweise nicht schießen", sagt Bürkle. "Die Feldhasen haben durch die intensive Landwirtschaft keine Deckung mehr." Neben Bussard und Habicht würden ihnen auch freilaufende Hunde nachstellen. Fürs Hasenmahl kaufen die Jäger das Fleisch ein - in Bayern. Die Spende der Jagdpächter ist für Bürkle auch ein Dankeschön für die gute Zusammenarbeit mit der Stadt.