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Abrechnung mit S 21 im Eilzugtempo

Heilbronn/Stutgart - Grünen-Politiker Boris Palmer erklärt, warum er nichts von dem Bahnprojekt hält. Am Montagabend machte er seine Thesen im Eilzugtempo vor rund 100 Zuhörern in der Harmonie-Gaststätte deutlich.

Von unserem Redakteur Siegfried Lambert
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Lesezeit 2 Min
Abrechnung mit S 21 im Eilzugtempo

Heilbronn/Stuttgart - Eigentlich scheinen alle Argumente für oder gegen Stuttgart 21 ausgetauscht. Befürworter wie SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel sehen "Gottes Segen" auf dem Verkehrsprojekt ruhen, während die Gegner es für die dümmste Idee seit dem Turmbau zu Babel halten. Boris Palmer (Grüne) gehört zweifellos zur zweiten Fraktion, und das machte der Oberbürgermeister von Tübingen am Montagabend vor rund 100 Zuhörern in der Harmonie-Gaststätte deutlich. Zuvor hatte bereits Hans-Martin Sauter vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) den "katastrophalen Vertrag des Landes mit der Bahn" und die vereinbarten hohen Vergütungen von 8,60 Euro pro gefahrenem Kilometer kritisiert: Bayern zahle nur 4,50 Euro. Für den ehemaligen Eisenbahner ist das der Grund dafür, "dass bei uns nur noch nur so wenig Züge fahren".

Weil am selben Abend noch ein weiter S 21-Termin anstand, präsentierte Palmer seine Thesen im Eilzugtempo. Die Kernpunkte:

Alternative Kopfbahnhof: Der Grüne hält die K 21-Lösung für eine "reale Alternative", die wesentlich kostengünstiger umzusetzen sei. Sie biete übersichtliche Bahnsteige und barrierefreies Ein- und Umsteigen. Notwendig seien zwei neue Gleise zwischen Cannstatt und Hauptbahnhof. Palmer zitierte die Stiftung Warentest, die den Stuttgarter Bahnhof als zweitpünktlichsten in Deutschland aufführt. Für alle Verbindungen, mit Ausnahme der zum Flughafen, seien mit K 21 von Heilbronn aus kürzere Fahrzeiten als bei S 21 möglich. Und Kopfbahnhöfe seien keinesfalls überholt. "Paris hat vier Kopfbahnhöfe − und keinen Durchgangsbahnhof."

Stresstest-Kritik: Für Palmer enthielt der Test eine Reihe von Fehlern: Abfertigungszeiten wurden nicht berücksichtigt, gleich drei Fernzüge müssten in der Spitzenstunde entfallen. Im Modell fuhren "Phantomzüge", weil Mindestabstände unterschritten wurden. "Für die Fahrgäste bleibt keine Zeit zum Einsteigen", sagte Palmer. Sein Fazit: "Bestanden hat der Stresstest nur in einer parallelen Realität." Stuttgart 21 sei mit den im Test verwendeten Zahlen "unfahrbar".

Kosten: Auch hier präsentierte der Grüne eine Gegenrechnung. Er führte zahlreiche Posten auf, die von der Bahn ausgeklammert worden seien: Von der doppelten Signaltechnik (80 Millionen) bis zu unberücksichtigten Planungskosten (176 Millionen). Für das Geißler-Modell S 21 plus kommt Palmer auf 5,5 Milliarden Gesamtaufwand. Die Ausstiegskosten der Bahn von rund 2,8 Milliarden Euro bezweifelte Palmer. Als "echte verlorene Kosten nur für S 21" ließ er lediglich 500 Millionen Euro gelten (Das Referat im Internet: www.gruene-heilbronn.de).

Palmer schloss mit einer Art Trost für die Heilbronner: "Sind Sie froh, dass Sie mit Ihrer Stadtbahn schon durch sind. Nach S 21 gibt’s für solche Projekte kein Geld mehr."

Am Donnerstag, 10. November, 19 Uhr, findet im Heilbronner Messezentrum Redblue ein Streitgespräch zwischen Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) und S-21-Sprecher Wolfgang Dietrich statt, moderiert von Chefredakteur Uwe Ralf Heer.

 
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