Zwickls Drogenfahrten bleiben ein Rätsel

Heilbronn - Andreas Zwickl hat gestern als freier Mann den Gerichtssaal verlassen. Das Heilbronner Amtsgericht verurteilte den Ersatzkandidaten für die Europawahl und ehemaligen CDU-Gemeinderatskandidaten in Neckarsulm zu einer Haftstrafe von zwei Jahren zur Bewährung. Der 40-Jährige saß sechs Monate in U-Haft, nachdem die Polizei in seiner Wohnung 73 Gramm Heroingemisch und 5400 Euro fand, die aus Rauschgiftgeschäften stammen.

Von Helmut Buchholz

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Anwältin Esther Kunz (li.), Familie und Freunde standen Andreas Zwickl bei. Von den prominenten Weggefährten aus der Partei war niemand im Gerichtssaal.Foto: Sawatzki

Heilbronn - Andreas Zwickl hat gestern als freier Mann den Gerichtssaal verlassen. Das Heilbronner Amtsgericht verurteilte den ehemaligen CDU-Gemeinderatskandidaten in Neckarsulm und Ersatzkandidaten für die Europawahl zu einer Haftstrafe von zwei Jahren zur Bewährung.

Er muss außerdem 160 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Der 40-Jährige saß sechs Monate in U-Haft, nachdem die Polizei in seiner Wohnung 73 Gramm Heroingemisch und 5400 Euro fand, die aus Rauschgiftgeschäften stammen. Der gelernte Friseur gab zu, den Stoff für einen drogenabhängigen Freund in der Dunstabzugshaube seiner Küche versteckt zu haben. Er hat diesen Mann auch bei mindestens zehn Einkaufsfahrten nach Holland begleitet.

Trotz dieses Geständnisses blieb unklar, warum der völlig unbescholtene und nicht drogenabhängige Zwickl seine bürgerliche Welt gegen das Rauschgiftmilieu eintauschte. „Ich wollte meinem Freund helfen, von der Sucht loszukommen“, sagte der Christdemokrat, der in der Zwischenzeit alle Parteiämter niedergelegt hat. Staatsanwältin Johanna Paul nannte diesen Grund „dubios“, Verteidigerin Esther Kunz konnte ihn „nicht nachvollziehen“. Geschweige denn Richter Friedrich Hiller, der nicht verstand, warum der „Helfer zum Gehilfen“ wurde.

Schüchtern, blass

Der Angeklagte gab als Motiv das „freundschaftliche Verhältnis“ zu Jens D. an, den er als Tramper vor zehn Jahren in seinem Auto mitnahm und zu dem sich eine enge Beziehung entwickelte. „Eine homoerotische?“, wollte Hiller wissen. Zwickls Antwort: „So etwas hat nie stattgefunden.“

Der schüchterne, blasse Mann auf der Anklagebank, dessen Augen beim Reden irgendwo im Saal Halt zu suchen scheinen, um keinem Blick zu begegnen, hatte es schwer, sich zu erklären. Er versuchte es trotzdem: Nachdem er erkannt hatte, dass Jens D. aus Angst vor dem Entzug nicht von den Drogen wegkam, habe er beschlossen, ihn zu schützen. Vor „Abzocke“ zum Beispiel. „Man weiß ja, wie man in seinen Kreisen mit so jemandem umgeht.“ Ob er denn nicht Angst davor hatte, entdeckt zu werden, auch als Vertreter einer Partei, die für Recht und Ordnung eintritt, fragte Richter Hiller. Die Antwort: „Das Helfersyndrom war größer als die Angst.“ Dass er nicht auf Parteilinie war, sei ihm klar gewesen.

Warnschuss

Der regionale CDU-Politiker und der Heroinjunkie: Das brachte auch der ermittelnde Drogenfahnder vor Gericht nicht zusammen. „Zwickl war unbedarft. Er wurde wahrscheinlich auch von Jens D. ausgenutzt.“ Tatsächlich soll Andreas Zwickl nie an Rauschgiftgeschäften verdient haben.

Dafür hat er mit seinem äußerst umfangreichen Geständnis in der ersten Vernehmung nicht nur sich selbst belastet, sondern maßgeblich zur Aufklärung des Falls beigetragen. Das hat ihm wohl weitere Haft erspart. Dennoch ist die Bewährungsstrafe ein „absoluter Warnschuss“, so Richter Hiller. „Wenn Sie in Zukunft jemandem helfen wollen, dann bitte auf legalem Weg. Jens D. hatte es nicht verdient.“

Hintergrund: Extrem reiner Stoff

Die 73 Gramm Heroingemisch in Zwickels Wohnung hatten einen Reinheitsgrad von mehr als 50 Prozent – ein Extremwert. Auf den Markt kommt sonst auf zehn Prozent gestreckter Stoff. Die 73 Gramm hätten für 3833 sogenannte Konsumeinheiten gereicht. mut

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