Zölibat treibt Pfarrer aus dem Amt

Cleebronn - Für die katholische Seelsorgeeinheit Zabergäu kam die Mitteilung überraschend: Jugendpfarrer Xaver Steidle hat Bischof Gebhard Fürst zum 31. August um die Entlassung aus dem kirchlichen Dienst der Diözese Rottenburg-Stuttgart gebeten, da er "das bei der Priesterweihe gegebene Versprechen zum Zölibat auf Dauer nicht halten“ könne.

Von Thomas Dorn

Zölibat treibt Pfarrer aus dem Amt

„Er hat sich für ein anderes Lebenskonzept entschieden.“

Pressesprecher Thomas Broch

Cleebronn - Für die katholische Seelsorgeeinheit Zabergäu kam die Mitteilung überraschend: Jugendpfarrer Xaver Steidle, der Leiter des Jugend- und Tagungshauses Michaelsberg bei Cleebronn, hat Bischof Gebhard Fürst zum 31. August um die Entlassung aus dem kirchlichen Dienst der Diözese Rottenburg-Stuttgart gebeten (wir berichteten). Er will nicht länger Priester bleiben.

Brief verlesen

Genaue Angaben zu den Hintergründen seiner Entscheidung hat Steidle, der Jugendseelsorger im Dekanat Heilbronn-Neckarsulm war, nicht gemacht. Auch für die Heilbronner Stimme war er gestern nicht erreichbar. In einem persönlichen Brief, den der ehemalige Pfarrer der Seelsorgeeinheit Zabergäu, Hermann Rupp, am Sonntag im Gottesdienst auf dem Michaelsberg verlesen hat, spricht der 44-jährige Steidle davon, dass er „das bei der Priesterweihe gegebene Versprechen zum Zölibat auf Dauer nicht halten“ könne. Am Donnerstag, 10. September, ab 19 Uhr will er auf dem Michaelsberg Gelegenheit zu Begegnung und Abschied geben.

Steidle habe sich „für ein anderes Lebenskonzept entschieden“, formuliert Dr. Thomas Broch, der Pressesprecher der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Er spricht von einem „vollkommen ehrenwerten Hintergrund“. Bischof Fürst bedaure den Schritt, habe Steidles Bitte aber entsprochen und ihm für die geleisteten Dienste gedankt. In der Übergangszeit zu einem neuen Beruf werde der Pfarrer von der Diözese Unterstützung erhalten. Steidle war 1990 zum Diakon 1992 zum Priester geweiht worden. Nach Vikarsjahren in Göppingen und Nürtingen wurde er 1996 als Jugendseelsorger im Dekanat Heilbronn berufen.

Freie Stelle

Der Seelsorgeeinheit Zabergäu, in der Steidle als Pfarrvikar mitgearbeitet hat, gehen indes die Geistlichen aus. Denn der langjährige Pfarrer Hermann Rupp wurde im Mai in den Ruhestand verabschiedet. Angesichts des generellen Priestermangels sind „die Aussichten, dass die Stelle schnell wieder besetzt wird, nicht gut“, weiß der Lauffener Pfarrer Michael Donnerbauer. Er ist seit Juni als sogenannter Administrator auch für die benachbarte Seelsorgeeinheit zuständig und hat damit ein Bündel zusätzlicher Aufgaben bekommen. Er sieht die Diözese in der Pflicht zum Handeln: „Ich erwarte, dass sie ihrer Verantwortung gerecht wird.“