„Wir hätten uns vom Land natürlich ein anderes Vorgehen gewünscht“

Region - Der schlechte Zustand der Bahnstrecke Heilbronn-Würzburg ist der Region ein Dorn im Auge. Die IHK betont die Bedeutung für die Wirtschaft und fordert Verbesserungen bei der Frankenbahn, dabei soll ein selbst finanziertes Gutachten als Argumentationshilfe dienen. Mit Hauptgeschäftsführer Heinrich Metzger sprach Reto Bosch.

Die Fahrgäste sind mit der Frankenbahn nicht zufrieden.Foto:Archiv/Seidel  

Region  - Der schlechte Zustand der Bahnstrecke Heilbronn-Würzburg ist der Region ein Dorn im Auge.  Die IHK betont die Bedeutung für die Wirtschaft  und fordert Verbesserungen bei der Frankenbahn, dabei soll ein selbst finanziertes Gutachten als Argumentationshilfe dienen. Mit Hauptgeschäftsführer Heinrich Metzger sprach Reto Bosch.

Herr Metzger, wieder gibt es Hiobsbotschaften für die Frankenbahn. Der Würzburger Hauptbahnhof ist derart überlastet, dass zusätzliche Verbindungen kaum möglich sind. Haben Sie diese Nachricht schon verdaut?

Heinrich Metzger: Diese Nachricht zeigt, dass wir noch viel dickere Bretter bohren müssen als gedacht. Ursprünglich hatten wir das Problem im einspurigen Bereich bei Möckmühl-Züttlingen gesehen. Jetzt muss Würzburg ausgebaut werden. Dazu bedarf es wohl eines Gutachtens.

Allein diese Studie soll vier Jahre dauern.

Metzger: Ja. Das bringt uns weiter in zeitlichen Verzug. Die Ausbaukosten in Würzburg sollen im hohen dreistelligen Millionenbereich liegen. Wir müssen jetzt prüfen, ob die Aussagen der Bahn belastungsfähig sind, oder ob es noch andere Möglichkeiten gibt.

Die Pläne zur Verbesserung der Frankenbahn kommen nur schleppend voran. Wer ist dafür verantwortlich?

Heinrich Metzger

Metzger: Hauptverantwortlich sind die Umstände. Wenn es so ist, dass in Würzburg ein hoher dreistelliger Millionenbetrag investiert werden muss, ist das schwierig durchzusetzen. Bahn und Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg nehmen uns gegenüber natürlich ihre Interessen war. Deshalb ist es gut, dass wir mit einem von uns mitfinanzierten Gutachten Argumente in die Hand bekommen.

Ziel ist nun, in Würzburg Lücken zu finden, um ein paar zusätzliche Verbindungen zu ermöglichen. Dann müsste das Land aber mehr Zugkilometer bezahlen. Glauben Sie, dass die Bereitschaft wirklich da ist?

Metzger: Wir müssen dem Land eben auf die Pelle rücken und es dazu bringen, zusätzliche Kilometer zu bestellen.

Sind sie damit zufrieden, wie das Land agiert? Immerhin wurden Kürzungen der Regionalisierungsmittel durch Fahrplanstreichungen weitergegeben. In anderen Bundesländern lief das deutlich anders.

Metzger: Wir hätten uns natürlich ein anderes Vorgehen gewünscht. Es ist auch teilweise der Eindruck entstanden, dass sich Stuttgart 21 negativ für die Region auswirkt. Jammern hilft nichts. Wir gehen mit unserem Gutachten den richtigen Weg, sind dann nicht mehr auf das Spiel zwischen Bahn und Land angewiesen, sondern können unsere Vorstellungen dann klar artikulieren – und hoffentlich durchsetzen.

Welche Rolle spielt die Frankenbahn für die Wirtschaft?

Metzger: Eine große. Die Verbindung nach Berlin von Würzburg aus wird immer wichtiger. Wenn man in Würzburg ankommt und in die Region Heilbronn fahren will, sitzt man in miserablem Wagenmaterial. Die Vertaktung passt nicht. Wir brauchen leistungsstarke Gateway-Verbindungen zu den Hauptknotenpunkten. Wenn ein Auswärtiger mit Ziel Heilbronn in Würzburg in den Zug steigt und den Eindruck gewinnt, in der Drittklassigkeit gelandet zu sein, ist das keine gute Werbung für uns. Nach Stuttgart und Mannheim klappt es einigermaßen. Jetzt ist Würzburg dran.

Kleinere Maßnahmen sollen die Züge schneller und pünktlicher machen. Dazu wurde ein Gutachten bestellt, das die IHK als Mitglied des Pakts Zukunft mit 100 000 Euro zur Hälfte finanziert. Hohe Ausgaben, regelmäßig schlechte Nachrichten: Wann beginnen Ihre Mitglieder zu murren?

Metzger: Wir sind für die schlechten Nachrichten nicht verantwortlich. Verantwortlich sind wir dafür, dass wir an der Zukunft, an der Infrastruktur unserer Region arbeiten.