Weingärtner planen Fünf-Millionen-Bau

Region Heilbronn - Mit 99 Prozent der Stimmen haben die Mitglieder der Heilbronner Genossenschaftskellerei den Weg zur Fusion mit den Weingärtnern Flein-Talheim perfekt gemacht. Die größte Ortsgenossenschaft Württembergs plant nun einen Erweiterungsbau.

Von Kilian Krauth

Väter der Fusion lassen Korken knallen
In Feierlaune: (von links) Fleins Ex-Vorstandschef Martin Göttle, Geschäftsführer Karl Seiter, Kellermeister Arne Maier und Vorstandschef Justin Kircher.Foto: Dittmar Dirks
Region - Bei solchen Ergebnissen darf man eigentlich nur noch Schampus trinken", meint Kellermeister Arne Maier, während Vorstandsvorsitzender Justin Kircher die Korken zweier Sektflaschen knallen lässt und daraus kurzerhand eine Schaumwein-Cuvée kreiert: zwei Viertel Heilbronner und ein Viertel Fleiner Riesling.

Ausgesprochen gut gelaunt stießen die Verantwortlichen der Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg und der Weingärtner Flein-Talheim am Mittwochfrüh auf die geglückte Fusion an. Wie berichtet hatten die Mitglieder am Montagabend in Flein und am Dienstagabend in Heilbronn mit 87,8 und mit 99,1 Prozent der Stimmen ihren Segen zu der WG-Ehe gegeben. Sie wird rückwirkend zum 1. Januar 2010 vollzogen.

Traubengeld

Das "harte Jahr der Vorbereitung" mit insgesamt 30 Sitzungen habe sich ausbezahlt, meinte Geschäftsführer Karl Seiter. Weil beide Partner "gut da stehen", habe sich die Überzeugungsarbeit gegenüber den Mitgliedern in Grenzen gehalten. Mit vereinten Kräften will man nun in Produktion und Vermarktung Synergien erzielen: durch Kosteneinsparungen, aber auch durch die Ausdehnung der Vermarktung auf ganz Deutschland. Hauptziel: "die dauerhafte Sicherung der Existenzen im Weinbau", so Seiter.

Der Heilbronner Seite war daran gelegen, das Traubengeld mit dem landesweiten Spitzenwert von rund 15 000 Euro pro Hektar stabil zu halten. Vielen Fleinern war es wichtig, ihre Trauben auch künftig an der bisherigen Kellerei abliefern zu können, "und nicht mit dem Schlepper durch Heilbronn fahren zu müssen", wie Vorstand Martin Göttle erklärte. Flein behält neben Kelter und Keller auch seinen Verkauf und seinen Veranstaltungsbereich. Während Abfüllung, Logistik und Buchhaltung auf Heilbronn konzentriert werden. Die Zahl der Mitarbeiter werde "durch natürliche Fluktuation" um zehn Prozent auf 80 reduziert. Fleins Geschäftsführer Reinhold Fritz wechselt im Juni zu den Heuchelberg Weingärtnern.

Gleichzeitig gibt es für den Heilbronner Standort an der Binswanger Straße Erweiterungspläne: für ein Flaschenlager und für ein Verkaufsgebäude, zu "maximal fünf Millionen Euro, also kein Schloss", so Kircher. Im Herbst wird ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, 2013 ist Spatenstich. Hier werde unter Federführung von Sandra Weber auch der Tourismus verstärkt.

Eine Änderung des Firmennamens stehe derzeit nicht zur Debatte. Abgesehen von den hohen Kosten einer Neueinführung habe die Marke Genossenschaftskellerei Heilbronn einen zu guten Klang, um sie leichtfertig aufzugeben. Neben 120 Heilbronner Etiketten und 25 Neckarsulmern wird es weiterhin 80 Flein-Talheimer geben, wobei Doppelungen bald ausgedünnt werden.

Jungwinzer

Aus der Taufe gehoben wird ein Jungwinzer-Projekt, über das bei der Qualität der weißen Parade-Sorte Riesling "noch eine Schippe draufgelegt werden soll". Neu ist auch ein Beirat mit Verbindungsmännern in zwei Dutzend Ortschaften, in denen die 1108 Mitglieder Weinberge bewirtschaften: zwischen Gundelsheim, Lauffen und Möglingen im Hohenlohekreis. Die mit 1056 Hektar größte Einzel-WG im Lande habe noch Kapazitäten für weitere 200 Hektar, hieß es.