Wanderweg durchs GKN-Gelände

Neckarwestheim - Der alte Leinpfad entlang des Neckars ist kein Allerwelts-Weg: Er führt über das Gelände des Atomkraftwerks Neckarwestheim. Wer hier wandert, muss an der Pforte klingeln und wird bis zum Ausgang am anderen Ende eskortiert.

Von Andreas Tschürtz

Wanderweg durchs GKN-Gelände
Wanderer müssen an der Pforte klingeln und werden dann vom Wachdienst über das Gelände des Kernkraftwerks eskortiert.Fotos: Andreas Tschürtz

Neckarwestheim - Die Schnaken an der Kernkraftwerks-Pforte kennen keine Gnade. Gierig stechen sie in Arme und Beine, während der Wachdienst auf sich warten lässt. Ohne den geht es nicht weiter. Der alte Leinpfad entlang des Neckars ist schließlich kein Allerwelts-Weg: Er führt über das Gelände des Atomkraftwerks Neckarwestheim. Wer hier wandert, muss an der Pforte klingeln und wird bis zum Ausgang am anderen Ende eskortiert.

Führung

Als sich das schwere Metalltor öffnet, grüßen zwei Männer vom Wachdienst. Keine unnötige Freundlichkeit. Kein Misstrauen. Ich muss mich nicht ausweisen, meinen Rucksack nicht öffnen. Sehr gesprächig sind die Herren nicht. Selbst den Namen ihres Hundes verraten sie nicht. Ob er gefährlich ist? „Das weiß man bei Hunden nie.“ Also höre ich auf zu fragen und wir gehen schweigend weiter. Vorbei an Kühltürmen, aus denen es dampft. Immer in Nähe des Neckars, am Rand des Geländes. Nach fünf Minuten Fußmarsch wünschen wir uns einen schönen Tag. Das war's. Ein schweres Tor fällt hinter mir zu.

Es war ein Erlebnis. Und auch ein bisschen kurios, so einfach auf das von Mauern und Stacheldraht abgeschirmte GKN-Gelände zu gelangen. Ist der Wanderweg aber auch ein Sicherheitsrisiko?

Mario Dürr, Bürgermeister von Neckarwestheim, hat keine Bedenken. Der Schultes ist den Leinpfad zuletzt vor sechs Wochen gewandert. „Man wird ja im ganz äußeren Bereich geführt. Da kommen noch einige Zäune bis zum eigentlichen Reaktorbereich.“ Überhaupt sei der Weg für Neckarwestheimer nichts Besonderes. „Der alte Treidelpfad wurde schon immer als Wanderweg benutzt“, sagt Dürr. Gemmrigheims Bürgermeister Helmut Klass (1954 bis 1986) habe seinerzeit beim Bau des AKW dafür gekämpft, dass die Wanderung am Neckarufer weiterhin möglich bleibt.

Wanderweg durchs GKN-Gelände
Der Gemmrigheimer Wanderweg führt zum alten Leinpfad und der durchs GKN.

Ursprünglich sollte auch der letztes Jahr eingeweihte Gemmrigheimer Rundwanderweg des Schwäbischen Albvereins übers GKN-Gelände führen. „Aber nach den Anschlägen vom 11. September sperrte die EnBW den Durchgang lange komplett“, sagt der Gemmrigheimer Ortsgruppenvorsitzende Gerhard Reisinger. Darum plante man um. Jetzt biegt der gut ausgeschilderte Wanderweg rund 300 Meter vor der Pforte, zu der der Leinpfad führt, ab.

Verpflichtung

Einerseits habe man Verständnis für Wanderer, die den Weg übers Gelände nutzen, um sich einen Umweg zu ersparen, erklärt Konzernsprecher Ulrich Schröder die Situation für den Kraftwerksbetreiber EnBW. Andererseits würde man die Gefälligkeit ohne Verpflichtung dazu sicher nicht erweisen. „Wir haben nun mal dieses alte Wegerecht. Und wir betreiben dafür einen hohen Aufwand.“ Selbst große Wandergesellschaften schleuse man pflichtschuldig übers Gelände, aufgeteilt in kleine Gruppen.

Wanderer sollten zwei Dinge mitbringen: Geduld, um an der Pforte auch mal länger auf die Eskorte zu warten. Und Insektenschutzmittel.