Walpurgisnacht, Hochzeitszug und Ritterturniere auf Burg Stettenfels

Untergruppenbach - Ritter Roland prescht auf seinem weißen Ross über den Platz, Sand spritzt auf von den mächtigen Huftritten des Pferdes. "Legt die Lanze an", ruft der Herold im rotgelben Wams.

Von Clemens Flach

Email

Untergruppenbach - Ritter Roland prescht auf seinem weißen Ross über den Platz, Sand spritzt auf von den mächtigen Huftritten des Pferdes. "Legt die Lanze an", ruft der Herold im rotgelben Wams. Und schon hat der Recke einen Feuerring aufgespießt, danach gleich den zweiten. Auf Burg Stettenfels misst sich Roland mit anderen Rittern vor mehreren hundert Zuschauern im adligen Geschicklichkeitswettbewerb.

Im Burghof, im Graben und auf dem Gelände neben den alten Gemäuern hat der Verein "Kulturschock" aus Murrhardt zum sechsten Mal sein großes Mittelalterfest veranstaltet. Drei Tage lang bot sich Besuchern in Untergruppenbach ein Markttreiben mit Gauklern, Barden und Märchenerzählern.

Käse-Pommes

"Kartoffeln gab es im Mittelalter noch nicht, aber wir haben ein anderes Rezept mit Milch, Mehl, Eiern und Käse", sagt Steffi von Haithabu. Die junge Frau dreht gerade in der großen Pfanne die Teigstäbchen, die aussehen wie Pommes frites. Sie trägt das historische Gewand einer Magd, der Rauch der Feuerstelle hüllt sie ein. Ob sie das gerne macht? Die Frau mit dem malerischen Künstlernamen bejaht: "Na klar, das ist wie in ein anderes Leben eintauchen. Das macht es zu einem tollen Hobby, besonders in der Gruppe!"

Zusammen mit den 13 anderen Darstellern der Löwenritter bleibt sie die ganzen drei Tage im Lager vor der Burg. Obwohl alle aus der Umgebung sind, haben sie fünf historische Zelte aufgebaut. Die Waffenknechte halten Torwache und helfen bei den Turnieren, die Mägde versorgen die Gruppe, die Edelfräulein wohnen den Veranstaltungen bei.

Zur Eröffnung des Fests am Freitag veranstalteten die Ritter im Feuerschein der Walpurgisnacht ein Turnier − und zeigten ihr Können zu Pferde.Fotos: Andreas Veigel
Auf dem Feld sind Dutzende Marktstände aufgebaut, es riecht nach gebratenem Fleisch, Knoblauchbrot und süßem Met. Über den Zelten wehen bunte Fahnen, Darsteller und auch viele Besucher tragen ein Wams, Mäntel oder andere mittelalterliche Kleider. Vom Festplatz hört man Flöten, Tröten und Trommeln. Ein Schmied hämmert auf seinen Amboss, Holzschuhe klappern geschäftig über das Kopfsteinpflaster.

Eine Gruppe junger Leute in T-Shirts und Pullovern steht Stockbrot kauend im Burghof. Gerade haben sie den Dämonenzug gesehen. "Die sahen furchterregend aus mit ihren Fratzen aus Pappmaschee", sagt Juri und nippt am Trinkhorn.

Nicht immer Raketen

Die sechs Studenten aus Stuttgart genießen die Atmosphäre des Fests. Im wirklichen Leben studiert Juri Luft- und Raumfahrttechnik. "Aber es müssen ja nicht immer Raketen sein", sagt der junge Mann. Nun müssen sie aber weiter. Vor der Burg ruft der Herold zur nächsten Turnierrunde. Ob Ritter Roland wieder trifft?

Ein Wochenende im Mittelalter
Sophia von Wimpfen bruzzelt das Essen für die hungrigen Knechte im Feldlager.