Vom Navi bis zum Mobilfunkgespräch

Berlin/Hardthausen - Welchen Nutzen bringt die Raumfahrt? Welche Rolle spielt der Standort Lampoldshausen bei der Erkundung des Weltalls? Mit diesen Themen befasste sich das europäische Raumfahrt-Transfer-Forum in Berlin. Deutlich wurde in der baden-württembergischen Landesvertretung, dass der Standort des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Hardthäuser Wald mit seinen Raketenprüfständen einen entscheidenden Beitrag leistet.

Von Reto Bosch

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Berlin/Hardthausen - Welchen Nutzen bringt die Raumfahrt? Welche Rolle spielt der Standort Lampoldshausen bei der Erkundung des Weltalls? Mit diesen Themen befasste sich das europäische Raumfahrt-Transfer-Forum in Berlin. Deutlich wurde in der baden-württembergischen Landesvertretung, dass der Standort des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Hardthäuser Wald mit seinen Raketenprüfständen einen entscheidenden Beitrag leistet - vor allem in Kombination mit EADS/Astrium. Peter Hintze (CDU), Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, nannte ein Beispiel: „Bei jedem Mobilfunkgespräch kommt in Lampoldshausen getestete oder produzierte Technik zum Einsatz.“

Die Tests an den Vinci-Triebwerken in Lampoldshausen erfordern umfangreiche Vorbereitungen.Foto: Archiv/Sawatzki
120 Gäste

„Der Nutzen und die Bedeutung der Raumfahrt werden in der Öffentlichkeit nicht immer ausreichend gewürdigt“, nannte Harry Brunnet einen weiteren Grund für die Veranstaltung, zu der 120 Entscheidungsträger aus Forschung, Politik und Wirtschaft gekommen waren. Der Bürgermeister Hardthausens ist amtierender Präsident des Ariane-Städtebundes (CVA) und Mitorganisator des Raumfahrt-Forums. Die hochrangigen Redner wie zum Beispiel Astronaut Thomas Reiter oder die Professoren Walter Peeters und Ernst Messerschmid gaben Aufschluss darüber, welche vielfältigen Aufgaben die Raumfahrt hat.

Ohne Trägerraketen und Satelliten gäbe es nicht die Möglichkeit, die Erde zu beobachten und Phänomenen wie dem Klimawandel auf die Spur zu kommen. Raumfahrt ermöglicht Kommunikation und Navigation, lässt Forscher unter Weltraumbedingungen arbeiten. Und deren Ergebnisse wirken sich im Alltag der Menschen aus: Vom Wetterbericht bis zur Abfüllanlage für Kartoffelchips, von der Vibrationsplatte gegen Osteoporose bis zu moderner Funktionsnahrung.

Frank M. Salzgeber von der European Space Agency (ESA) machte auf die Verflechtungen von Raumfahrt und Wirtschaft aufmerksam. Um genau diesen Austausch in Gang zu setzen, gibt es in Lampoldshausen das Technologie-Transfer-Zentrum. Eine Einrichtung, die in Berlin viel Lob einheimste. Ist die Region doch damit Deutschland voraus, denn eine bundesweite Organisation dieser Art gibt es nicht.

Vom Navi bis zum Mobilfunkgespräch
Einsatz für die Raumfahrt (von links): Holger Wentscher (EADS/Astrium), Harry Brunnet sowie Klaus Schäfer und Stefan Schlechtriem (beide DLR).Foto: Reto Bosch
School-Lab

Und Lampoldshausen kümmert sich auch um den Nachwuchs. Dr. Oskar Haidn, Abteilungsleiter Technologie bei DLR, stellte den Forumsgästen das School-Lab vor. Kinder und Jugendliche werden in Theorie und Praxis mit dem Thema Raumfahrt konfrontiert. „Wir müssen die Faszination dieses Themas nutzen.“ Raumfahrt ist teuer - aber sinnvoll. Darin waren sich die Teilnehmer aus Politik und Wirtschaft einig. Peter Hintze appellierte an den Haushaltsausschuss: „Gerade in Krisenzeiten sind Investitionen in Schlüsseltechnologien Investitionen in die Zukunft.“ Ähnlich argumentiert DLR-Vorstandsmitglied Thomas Reiter: „Im nächsten Konjunkturzyklus profitieren die Länder, die vorbereitet sind.“ Laut Hintze stehen im Bundesetat 2009 rund 1,4 Milliarden Euro für die Raumfahrt zur Verfügung. Ulrike Flach (FDP), stellvertretende Vorsitzende der Parlamentariergruppe Luft- und Raumfahrt, ist mit dem Engagement der Regierung unzufrieden. „Ich befürchte, dass es keinen weitern Schub geben wird.“