Vom Hochgefühl, anderen helfen zu können

Heilbronn - Einsätze hatten Jana Strigel (16) und Artemissia Vadokas (15) schon so einige. Nicht immer ging es dabei nur um aufgeschürfte Knie, berichten die Schülerinnen des Heilbronner Theodor-Heuss-Gymnasiums (THG). Seit einem Jahr sind die beiden ausgebildete Schulsanitäterinnen.

Von unserer Redakteurin Stefanie Sapara

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Wichtiger Teil der Ausbildung: die Herz-Lungen-Wiederbelebung.Foto: Sapara

Heilbronn - Einsätze hatten Jana Strigel (16) und Artemissia Vadokas (15) schon so einige. Nicht immer ging es dabei nur um aufgeschürfte Knie, berichten die Schülerinnen des Heilbronner Theodor-Heuss-Gymnasiums (THG). Seit einem Jahr sind die beiden ausgebildete Schulsanitäterinnen − und hatten es dabei durchaus auch schon mit ohnmächtigen Mitschülern oder einer Platzwunde nach dem Sturz eines Schülers von einem Baum zu tun. Das Gefühl, "dass man weiß, wie man einem Menschen dann helfen kann", hat Jana Strigel motiviert, die freiwillige Ausbildung zu machen.

Dienstplan

Mittlerweile gibt es an der Schule einen richtigen Dienstplan, in den pro Woche drei bis vier Schüler eingetragen sind, die in Notfällen vom Sekretariat alarmiert werden. Bis der Plan stand und alles organisiert war, bis Funkgeräte angeschafft waren und der Sanitätsraum der Schule auf Vordermann gebracht war, seien viel Kraft und Zeit auf der Strecke geblieben, erzählt Merryn Jordan. "Aber es hat sich gelohnt." Die 18-Jährige hat bereits in der sechsten Klasse, damals noch an einer Schule in Offenburg, die Ausbildung zur Schulsanitäterin gemacht. Als sie vor zwei Jahren ans THG wechselte, wurde die Schulleitung auf den Vermerk des Ehrenamts in ihrem Zeugnis aufmerksam und befand: Das ist eine gute Sache.

Ein Schulsanitätsdienst "bringt ein Stück weit Sicherheit an die Schulen", erklärt Michael Beier, Jugendreferent des Malteser-Hilfsdiensts und Leiter der Ausbildung. Obwohl es sich bei den meisten Einsätzen um Schürfwunden handele: "Was, wenn man da schon an seine Grenzen stößt? Was ist erst dann, wenn wirklich etwas passiert?"

Also schrieb die Schule einen Kurs aus − mit Erfolg. Rund 50 Jugendliche ab der achten Klasse meldeten sich an, das Los musste über die 20 Kursteilnehmer entscheiden. Seit Frühjahr 2011 sind sie nun Schulsanitäter. Das Interesse an der Ausbildung ist beständig, derzeit läuft bereits der zweite Kurs. 42 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten umfasst er. Schule fällt dafür keine aus: An freien Tagen und Wochenenden kommen die Jugendlichen zusammen. Es ist Zeit, die sie gerne aufbringen. "Man bekommt Selbstvertrauen", sagt Jana Strigel. Nicht immer würden Erwachsene einem zutrauen, dass man als junger Mensch helfen kann. "Also muss man sich durchsetzen und sagen: Ich habe eine Ausbildung, ich kann das."

Notruf

Teil des Kurses sind neben der erweiterten Ersten Hilfe auch die medizinische Erstversorgung eines Patienten sowie spezielle Aufgaben des Schulsanitätsdienstes, erklärt Beier. "Das Wichtigste ist, auf den Menschen zuzugehen."

In vielen Situationen sei einfach nur Zuhören gefragt. Zum Beispiel, wenn einen Schüler Bauchweh plagt, weil die Angst vor der Mathe-Klausur groß ist. "Den Schülern fällt es oft leichter, uns als Mitschüler etwas anzuvertrauen, als sich an einen Lehrer zu wenden", weiß Merryn Jordan. Die Abiturientin hat mittlerweile sogar so viel Gefallen an der Aufgabe gefunden, dass sie Medizin studieren möchte. "Weil ich gemerkt habe, dass mir das liegt."