Viele Steine für ein neues Energie-Mosaik

Region - Das ein Jahr alte Aktionsbündnis Energiewende Heilbronn startet Filmprojekt und gründet Genossenschaft

Von Reto Bosch

Viele Steine für ein neues Energie-Mosaik
Ein Dokumentarfilm soll über die Energierevolution informieren.

Region - Das  Symbolische Evakuierungsübungen, Podiumsdiskussionen, Konzerte: Das Aktionsbündnis Energiewende Heilbronn gibt es nun seit einem Jahr. Auch in der Zukunft haben die Streiter gegen Kernkraft und für Erneuerbare Energien einiges vor. Am 6. März wollen sie eine Bürger-Energie-Genossenschaft gründen. Damit soll jeder Interessierte die Möglichkeit bekommen, Anteile an alternativen Stromproduktionsanlagen zu kaufen. Ein weiteres Großprojekt startet am 15. April. Über einen längeren Zeitraum hinweg will das Bündnis im Arthaus-Kino den Streifen "Die vierte Revolution" zeigen.

Die Geschichte des Aktionsbündnisses begann mit einem Film. Um die örtliche Anti-Atomkraft-Bewegung mit neuem Leben zu erfüllen, zeigten die Initiatoren 2009 "Uranium − Is it a Country?". Ein gutes Jahr später sollen sich die Säle des Arthaus-Kinos erneut füllen. Etwa zwei Wochen lang wird "Die vierte Revolution" auf dem Spielplan stehen. Gemeint sind die Umwälzungen im Bereich der Energieproduktion. "Wir wollen zeigen, dass viele einzelne Mosaiksteine das Bild einer zukunftsfähigen Energieversorgung ergeben", sagt Christoph Schulz. Für die Region Heilbronn nennt er einige Beispiele: Biogasanlagen von Landwirten, moderne Technik von Kaco in Neckarsulm, die vielen Solardächer.

Der Film transportiert eine Vision: Eine Welt, deren Energieversorgung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen gespeist ist − nicht produziert von einigen wenigen Konzernen, sondern von vielen kleinen Anlagen. Das Werk von Carl-A. Fechner zeigt viele beispielhafte Projekte. Und die Aktivisten der Heilbronner Energiewende wollen diesen Dokumentarfilm möglichst vielen Menschen präsentieren. Geplant sind auch Themenabende, sagt Gudrun Frank, Kreisvorsitzende des BUND. Monika Knoll verweist auf die Möglichkeit für Firmen, Parteien, Vereine oder andere Gruppen, ganze Abende zu buchen. Im Arthaus-Kino gebe es Säle mit Kapazitäten von 131 bis 389 Plätzen.

Viele Steine für ein neues Energie-Mosaik
Der Anteil an Strom, der von Photovoltaik-Anlagen produziert wird, ist stark gewachsen. Dieser Trend soll sich noch verstärken.Foto: dpa

Genau in das Konzept einer dezentralen Stromproduktion passen die Pläne des Aktionsbündnisses, eine Bürger-Energie-Genossenschaft zu gründen. Vergleichbares gibt es beispielsweise in Neuenstadt, wo die Resonanz auf das Angebot sehr gut war. "Wir arbeiten aber ohne Beteiligung der EnBW", betont Monika Knoll. Das neue Konstrukt soll sich an Projekten zur Erzeugung, Speicherung und Verteilung grüner Energien beteiligen. Das Kapital stammt als Kredit von Banken, vor allem aber von Bürgern, die Anteile an dieser Genossenschaft kaufen. Über die Laufzeit von 25 Jahren geht das Aktionsbündnis von einer Rendite von sechs Prozent aus.

Im ersten Schritt nimmt die Genossenschaft Photovoltaikanlagen ins Visier. Zusätzlich würden auch die Potenziale von Biogas- und Windkraftprojekten untersucht. Das alles könnten Steinchen für die große Zukunftsvision sein. Christoph Schulz ist zuversichtlich: "Das Mosaik ist keine Illusion."