Umstrukturierung soll SLK-Standort sichern

Brackenheim - Die Stadt-Landkreis-Kliniken haben eine Reihe von Umstrukturierungen beschlossen, um den Krankenhaus-Standort Brackenheim langfristig zu sichern. Die Chirurgie wird medizinisch und personell an den Gesundbrunnen angebunden.

Von Reto Bosch

Brackenheim - Die Zahl der Patienten im Krankenhaus Brackenheim soll um 300 bis 500 pro Jahr steigen. Mit diesen Zusatzerlösen wollen die Stadt-Landkreis-Kliniken (SLK) die wirtschaftliche Basis des defizitären Hauses verbessern und den Standort langfristig sichern. Um dieses Ziel zu erreichen, erhält zum Beispiel die Chirurgie eine neue Struktur. Außerdem geplant: Die Intensivstation wird umorganisiert, Patientenzimmer erhalten Nasszellen. "Aufsichtsrat und Geschäftsführung bemühen sich intensiv, den Standort Brackenheim zu stärken", würdigt Brackenheims Bürgermeister Rolf Kieser die Pläne. Er ist Vorsitzender des Krankenhaus-Fördervereins.

Angebot

Das Haus in Brackenheim erwirtschaftete im Jahr 2010 ein Defizit von knapp 2,5 Millionen Euro. Die SLK-Geschäftsführung setzt deshalb einerseits auf Einsparungen, zu denen etwa die Küchenschließung zählt. Andererseits startete am 1. April mit der Konservativen Orthopädie ein neues Angebot. Geschäftsführer Dr. Thomas Jendges will bis 2012 den Verlust auf unter eine Million Euro drücken. Er rechnet damit, dass die Umstrukturierungen insgesamt 1,5 Millionen Euro pro Jahr an Zusatzerlösen bringen könnten. Am Montagabend informierte er Belegschaft, Förderverein und niedergelassene Ärzte über folgene Veränderungen:

Chirurgie:

Chefarzt Dr. Wolfgang Papke geht Mitte 2011 in den Ruhestand. "Derart breit aufgestellte Chirurgen wie ihn gibt es heute nicht mehr", sagt Jendges. Deshalb wird die bisherige chirurgische Klinik in zwei fachlich spezialisierte Sektionen aufgeteilt. Professor Wolfgang Linhart leitet künftig die Unfallchirurgie in Brackenheim. Professor Egbert Hagmüller übernimmt die Verantwortung für die Allgemeinchirurgie. Medizinisch und personell wird die Chirurgie an den Gesundbrunnen angebunden. Von diesem standortübergreifenden Modell verspricht sich Jendges, dass sich mehr Patienten aus der Region für Brackenheim entscheiden. "Mit diesem Konzept ist zu jeder Zeit eine Besetzung mit hoch qualifizierten Ärzten gewährleistet." Brackenheim biete also dieselbe Kompetenz wie der Gesundbrunnen, gleichzeitig aber die Vorzüge eines kleinen Hauses. Beide Chefärzte, verspricht Jendges, seien in der Heuss-Stadt zeitweise vor Ort.

Intensivstation:

In Brackenheim wird es künftig keine Langzeitbeatmungsplätze (vier Betten) mehr geben. Diese Veränderung soll zum 1. Juli greifen. Der Akutbereich mit Intensivüberwachung, Kurzzeitbeatmung und Notfallbetreuung bleibe aber voll abgedeckt. Im Jahr 2009 seien in Brackenheim insgesamt nur fünf Patienten über eine längere Zeit beatmet worden.

Patientenzimmer:

Knapp eine Million Euro investiert SLK in 14 Patientenzimmer. Sie sollen Nasszellen erhalten. Teilweise müssen deshalb Drei- in Zweibettzimmer verwandelt werden.

Rolf Kieser hofft, dass die SLK-Pläne aufgehen und in Brackenheim mehr Operationen angesetzt werden können. "Jetzt sind alle gefordert, diesen Weg mitzugehen." Die Entwicklung lasse − nach einer Durststrecke − nun wieder hoffen.

Hintergrund: Zahlen und Fakten

Professor Wolfgang Linhart ist Direktor der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Handchirurgie am Gesundbrunnen. Professor Egbert Hagmüller arbeitet als Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie ebenfalls am Gesundbrunnen. In Brackenheim wurden im vergangenen Jahr 4179 Patienten behandelt, davon 1605 in der Chirurgie. red