Stolz der Stadt künftig Ort für Bürger

400 Jahre altes Greckenschloss für rund 5,5 Millionen Euro saniert

Von Wolfgang Müller

Stolz der Stadt künftig Ort für Bürger
Auch der Aufgang zum Schlosshof wurde erneuert.

Bad friedrichshall - Peter Dolderer strahlt. Aus jedem Knopfloch, wie er zugibt. Dazu hat der Bad Friedrichshaller Bürgermeister allen Grund. Denn nach sechsjähriger Bauzeit funkelt das Wahrzeichen der Stadt in neuem Glanz. Rund 5,5 Millionen Euro hat die Salzstadt in die Sanierung des Greckenschlosses im Ortskern von Kochendorf investiert. Am Freitag weiht der Bürgermeister vor 100 geladenen Ehrengästen das gut 400 Jahre alte Gemäuer wieder ein.

Der Geruch der frischen Farbe kündigt den Festakt schon seit Tagen an. Rotes Fachwerk verleiht den strahlend weißen Innenwänden im ersten Obergeschoss filigrane Struktur. Im nagelneuen Parkett spiegeln sich die Oberlichter. Nichts erinnert mehr daran, dass Besucher hier einst ins Erdgeschoss durchzubrechen drohten und sich die Decke bedrohlich nach unten wölbte.

Nistende Vögel Wahrmut Stehle kennt das Schloss inzwischen wie kein anderer. Noch nie hat sich der Architekt länger so intensiv mit einem Gebäude auseinandergesetzt. Als er vor rund zehn Jahren das Gemäuer genauer unter die Lupe genommen hat, bot sich ihm ein Bild des Schreckens. An der Westseite drohte das Schloss langsam den Lindenberg abzurutschen. Im Dachgeschoss sickerte das eindringende Regenwasser in Mörtel und Holz. Das 400 Jahre alte Gebälk war morsch und löchrig. Vögel hatten sich hier eingenistet. "Das Schloss drohte einzustürzen", sagt Stehle.

Viele Jahre hatte der Gemeinderat die Sanierung des Schlosses wegen klammer Kassen vor sich hergeschoben. 2002 machten Bürgervertreter und Verwaltungsspitze dann Nägel mit Köpfen. Obwohl sich die Stadt damals in der größten Finanzkrise ihrer Nachkriegsgeschichte befand. "Die Schäden drohten immer größer zu werden", erinnert sich Bürgermeister Dolderer. Vier Bauabschnitte streckten die Kosten und machten Sanierung nach Kassenlage möglich. Der fünfte Bauabschnitt steht noch aus. Der Gewölbekeller soll künftig der Kleinkunst eine Bühne bieten.

Das kulturelle Erbe der Stadt soll jetzt ein Ort für die Bürger sein. Am Montag nimmt die Grundschule Kochendorf im Obergeschoss ihren Betrieb wieder auf. "Die Möbel werden rechtzeitig geliefert", versichert Stadtbaumeister Enno Loose. Im Erdgeschoss wird die Musikschule Unterer Neckar eine Heimat finden. Eine private Malschule ist bereits eingezogen. Und ein Team um Archivar Simon Haag arbeitet an einer historischen Dauerausstellung im Flur des Erdgeschosses. Darüber hinaus können Bürger einen Raum mit benachbarter Küche für Feiern mit bis zu 40 Personen anmieten.

"Natürlich gibt es auch kritische Stimmen", sagt Loose. Aber die Mehrheit der Friedrichshaller stehe hinter dem Projekt. Eine Spendenaktion, bei der die Bürger Bausteine à 50 Euro erwerben konnten, brachten rund 45 000 Euro. Dazu gab es Zuschüsse von insgesamt 2,1 Millionen Euro, überwiegend vom Land Baden-Württemberg.

Stolz der Stadt künftig Ort für Bürger
Enno Loose, Peter Dolderer und Wahrmut Stehle im Obergeschoss.Foto: Müller
Stolz der Stadt künftig Ort für Bürger
Hoch über dem alten Ortskern von Kochendorf grüßt das Wahrzeichen der Salzstadt in neuem Glanz weit über die Grenzen der Stadt hinaus. Nach sechsjähriger Bauzeit sehen Innenräume und Außenfassade aus wie neu.Fotos: Dittmar Dirks