Stadtbahn-Nord: Premierenfahrt gibt Vorgeschmack

Region - Die Bedeutung des Ereignisses führt Landrat Detlef Piepenburg vor Augen: "Das ist eine echte Premiere." Auf Gleis 1 des Heilbronner Hauptbahnhofs fährt am Samstag um 9.28 Uhr erstmals eine Stadtbahn nach Sinsheim ab - drei Jahre vor der geplanten Einweihung der Nord-Linie.

Premierenfahrt gibt Vorgeschmack
Blick in die Zukunft der Stadtbahn Nord: Claus-Jürgen Renelt, Detlef Piepenburg, Bad Friedrichshalls Bürgermeister Peter Dolderer und Kreisrat Johannes Müllerschön (von links) testen den Haltepunkt Grombach.

Region - Die Bedeutung des Ereignisses führt Landrat Detlef Piepenburg vor Augen: "Das ist eine echte Premiere." Auf Gleis 1 des Heilbronner Hauptbahnhofs fährt am Samstag um 9.28 Uhr erstmals eine Stadtbahn nach Sinsheim ab - drei Jahre vor der geplanten Einweihung der Nord-Linie. Der Sonderzug wird einmalig bleiben. Aber die Tour gibt einen Vorgeschmack auf das Schienenangebot, das ab Ende des Jahres 2012 im Neckartal und in den Kurstädten Standard sein wird.

Tempo 90

Seit 20 Jahren arbeitet Markus Schnapp als Lokführer bei der Deutschen Bahn. Mit Tempo 90 steuert er den gelb-roten Wagen durch das Heilbronner Industriegebiet dem Landkreis entgegen. "Das ist schon etwas Besonderes", freut sich der Bitzfelder auf seinen Tagesjob. Der sei deutlich entspannter als das Fahren eines Regelzugs.

Während die Bahn nach Norden rollt, erklärt Kreisplaner Claus-Jürgen Renelt, wie die Strecke stadtbahntauglich gemacht werden soll. Zusätzliche Haltepunkte wie beim Kaufland oder dem neuen Audi-Parkhaus, hier ein Mittelbahnsteig, da ein Steg - der Mann aus dem Landratsamt hat jedes Detail im Kopf. "Und alle Bahnhöfe werden behindertengerecht ausgebaut", betont er.

Links ab

Jagstfeld empfängt den Sonderzug mit einer Fahrtanzeige, die auf das besondere Ereignis aufmerksam macht. "Ist auch die Weiche richtig gestellt?", erkundigt sich Renelt mit einem Schmunzeln. Ins Jagsttal abbiegen soll die Stadtbahn an diesem Tag trotz aller Forderungen der dortigen Kommunen nämlich nicht. Der Kreisplaner: "Das wäre das falsche Signal."

Es geht - wie vorgesehen - nach links, über den Neckar, auf der neu elektrifizierten Strecke den Türmen Bad Wimpfens entgegen. Das Fahrt hoch über dem Fluss gefällt Kreisrätin Jutta Layher aus Brackenheim: "Das ist ein tolles Panorama."

In Bad Rappenau fotografiert ÖDP-Stadtrat Klaus Ries-Müller die Jungfernfahrt ausgiebig. In Grombach, wo bereits die Bahnsteige für das künftige Schienenzeitalter hergerichtet sind, kommt es zu einem ersten Test. Die Trittstufe der Stadtbahn und das Pflaster liegen exakt auf demselben Niveau. "Da kannst du mit Inlinern hineinfahren", konstatiert Detlef Piepenburg.

Ruhig

Als sehr angenehm empfindet er die Tour: "Die Strecke ist relativ ruhig zu fahren." Mit der Elektrifizierung sind Verbesserungen am Gleisbett einhergegangen. Und doch ist noch eine Menge zu tun, bevor die Stadtbahn-Nord ihren Regelbetrieb aufnehmen kann. 2011/12 wird der Um- und Ausbau über die Bühne gehen und wahrscheinlich zu einer siebenmonatigen Vollsperrung zwischen Jagstfeld und Bad Wimpfen führen. Nach Auskunft von Kreisplaner Renelt auch eine Kostenfrage: "Unter dem rollenden Rad bauen Sie wesentlich teurer."

Premierenfahrt gibt Vorgeschmack
Vier junge Gäste zeigen in Eppingen stolz ihre Souvenirs zum Start der S 5.

Bahnbrechend - das ist nach Ansicht von Landrat Piepenburg inzwischen ein Synonym für Eppingen. Nach der Eröffnungsfahrt der S 5 im Elsenztal bescheinigt er: "Wir schlagen ein neues Kapitel im Öffentlichen Personennahverkehr auf."

Oberbürgermeister Klaus Holaschke freut sich, dass die Fachwerkstadt als Endstation der S-Bahn Rhein-Neckar jetzt eine richtiger Schienenknotenpunkt ist. Vor zwölfeinhalb Jahren hat hier mit dem Anschluss an das Karlsruher Netz die Stadtbahn-Ära in der Region Heilbronn und Hohenlohe begonnen.

 
Premierenfahrt gibt Vorgeschmack
Eppingen als Schienenknotenpunkt, das wird gefeiert.Fotos: Peter Boxheimer
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