Stadtansichten: Zusammenwachsen und integrieren

Ist also in Heilbronn längst alles zusammengewachsen, was zusammen gehört? Jedenfalls gibt es in der Regionsmetropole trotz seiner Vor-Wende-Beziehungen zur Grenzstadt Frankfurt/Oder keine offizielle Veranstaltung zum Tag der deutschen Einheit. Das bleibt dem Brackenheimer Bürgermeister Rolf Kieser überlassen.

Von Iris Baars-Werner

Zusammengewachsen

Ist also in Heilbronn längst alles zusammengewachsen, was zusammen gehört? Jedenfalls gibt es in der Regionsmetropole trotz seiner Vor-Wende-Beziehungen zur Grenzstadt Frankfurt/Oder keine offizielle Veranstaltung zum Tag der deutschen Einheit. Das bleibt dem Brackenheimer Bürgermeister Rolf Kieser überlassen. Der lud in diesem Jahr den früheren Regierenden Bürgermeister von Berlin, Eberhard Diepgen, ins Zabergäu ein. Diepgen? Tja, da muss der Heilbronner kurz nachdenken und dann fällt ihm ein: Der Halbbruder des ehemaligen Berliner Politikers ist nicht nur Chef der hiesigen Arbeitsagentur. Nein, Martin Diepgen steht im nächsten Jahr auch auf der Liste der Rathaus-CDU zur Gemeinderatswahl. Wie sehr zusammengewachsen Deutsche West und Deutsche Ost inzwischen sind, dafür legte das aufgeklärte Heilbronner Theaterpublikum in den vergangenen Tagen selbstbewusst Zeugnis ab: Mit stehendem Applaus stellte sich das Premierenpublikum zum Auftakt der ersten Spielzeit unter der neuen Intendanz hinter den Theaterchef und seinen Schauspieldirektor. Man darf dies sehr wohl auch als Unterstützung dafür deuten, dass die Stadtverwaltung bei der Aufarbeitung der Stasi-Vorwürfe mit Augenmaß und ohne Vorverurteilung ans Werk geht.

Arbeitsteilung

Ein Schelm wer Böses dabei denkt: Bei den viel gefragten Erklärungen zur DDR-Vergangenheit des Theatermannes Alejandro Quintana ließ Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach seinem Bürgermeister Harry Mergel den Vortritt. Recht so, schließlich ist der für die Kultur zuständig. Aber vielleicht wollte der OB sich hier auch auf keinen Fall die Finger verbrennen – man weiß nie, wie so eine Diskussion, die auch Teile der Presse eifrig befeuern, ausgeht. Ansonsten nimmt Himmelsbach bei wichtigen Themen selbstbewusst die Stelle ein, die ihm als erstem Mann der Stadtpolitik zusteht. Zum Beispiel beim Besuch der Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen im Mehrgenerationenhaus. Wie stolz und freudig Helmut Himmelsbach dort die Gebührenfreiheit für alle Kindergarten- und Hortkinder im Stadtgebiet verkündete, das zeugt entweder davon, dass der OB eben solidarisch ist, und Mehrheitsentscheidungen im Rathaus akzeptiert, auch wenn er sie einst mit großer Energie bekämpfte. Oder aber dies: Er ist inzwischen davon überzeugt, dass die Ratsfraktionen parteiübergreifend das Richtige taten, als sie Heilbronn bundesweit zur Speerspitze der Bewegung für kostenfreie Kinderbetreuung machten.

Miteinander

Vielleicht gelingt das ja auch beim Thema Integration. Schließlich ist Heilbronn eine Stadt, in der etwa die Hälfte der Bürger einen sogenannten Migrationshintergrund hat. Das nicht aufzunehmen und – bei allen Problemen, die das Mit- und Nebeneinander von so vielen Kulturen, Religionen und Lebensauffassungen hat – positiv zu befördern, wäre ein großer Fehler. Da ist man doch erleichtert, dass die Republikaner-Stadträte als unverbesserliche Spalter und Populisten erst gar nicht im neuen Integrationsausschuss sitzen.