Stadtansichten: Die zwei Seiten der Geschichten

Das Parlament der regionalen Wirtschaft nennt sich die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer vollmundig. Nun hat dieses Parlament beschlossen, dass in diesem Gremium gesprochen, aber bitte auf keinen Fall von einem größeren Kreis zugehört werden darf.

Von Iris Baars-Werner

Die zwei Seiten der Geschichten

Schweigen

Das Parlament der regionalen Wirtschaft nennt sich die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer vollmundig. Nun hat dieses Parlament beschlossen, dass in diesem Gremium gesprochen, aber bitte auf keinen Fall von einem größeren Kreis zugehört werden darf. Nur wer drin sitzt, darf auch wissen, was die Wirtschaft umtreibt.

Die Öffentlichkeit, bisher über die Presse vertreten, ist fortan außen vor und wird nur nach Belieben zugezogen. Wenn’s passt. Wenn man Kritik befürchtet, dann nicht.

Wir hatten uns, ehrlicherweise, mehr erhofft von der neuen, jungen Hauptgeschäftsführerin. Jedenfalls nicht, dass sie hinter das Gutsherrengebaren der alten Herren zurückfällt. Vielleicht sollten die sogenannten Pressesprecher in Diensten der IHK ja mal eines dieser Inhouse-Seminare anbieten. Das Thema: Die zwei Seiten der Öffentlichkeitsarbeit. Zum Beispiel die, dass man die Öffentlichkeit braucht, um Ziele umzusetzen und verständlich zu machen. Die Haltung zu Stuttgart 21. Die finanzielle Beteiligung der Region an den Hochschulinvestitionen. Die Stauproblematik und Verkehrsanbindung. Ach so ja, da ist die Presse weiter willkommen, auf dass sie mit gezücktem Blöckchen notiert, was sie hören soll − und darf.

Verlierer

"Es gibt in diesem Spiel nur Verlierer": Zu dieser Einsicht ist CDU-Stadtrat Thomas Aurich gekommen. Diese Woche wurde im Heilbronner Rathaus der Vorgang behandelt, zu dem der umtriebige Gastronom selbst viel beigetragen hat. Vor allem, in dem er im Interview mit unserer Zeitung erklärt hatte, es habe einen Deal zwischen ihm und der Verwaltung gegeben. Er wurde nicht überrumpelt, er autorisierte jede Zeile. Jetzt macht er geltend, die Gespräche im Rathaus falsch interpretiert zu haben.

Noch ist die Angelegenheit nicht beendet: Am Montag werden die Stadträte sehr wahrscheinlich den Bebauungsplan in den Reißwolf werfen. Keine Spielhallen an der Urbanstraße. Der Investor prüft Schadensersatzforderungen. Tatsächlich: Es wird bei diesem Streit Verlierer geben. Die Frage ist, wer es sein wird.

Aufklärung

Der Mord an der Heilbronner Polizistin im April 2007 war schon ohne die neuesten Spuren eine verworrene und undurchsichtige Sache. Die Übernahme durch den Generalbundesanwalt lässt eine erschreckende Dimension des mysteriösen Kriminalfalls ahnen. Michéle Kiesewetter (wir schreiben den Vornamen so, wie die junge Polizistin ihn selbst schrieb) ist ganz offensichtlich Opfer einer Bande politisch motivierter Schwerkrimineller geworden, die vor keinem noch so brutalen Mord zurückschreckten.