Spitzensportler im Arztkittel

Bad Rappenau - Vulpius-Mediziner bringen stressigen Job und hartes Training unter einen Hut

Von Steffan Maurhoff

Spitzensportler im Arztkittel
Als Sportler und Mediziner top (von links): Felix Schumann, Mignon Vatlach und Gunnar Pfingsten.Foto: Maurhoff

Bad Rappenau - Mal eben ganz früh morgens oder nach Feierabend eine oder zwei Stunden trainieren, und das auch noch mehrfach wöchentlich − das können nur ehrgeizige Sportler. Einen stressigen Klinikalltag bewältigen − das können nur ambitionierte Ärzte. Beides zusammen scheint unmöglich. Ist es aber nicht. Jedenfalls nicht für einige Ärzte der Bad Rappenauer Vulpius Klinik. "Wir wollen, dass das Bild des Arztes, der vor lauter Arbeit kaum zu irgendetwas anderem kommt, ein Stück weit der Vergangenheit angehört", sagt Prokurist Klaus Harder.

Top-Athleten

Beispiele dafür, dass das gelingen kann sind die Orthopädie-Assistenzärzte Felix Schumann (29), Mignon Vatlach (28) und Gunnar Pfingsten (36). Über sie sagt Chefarzt Michael Clarius: "Das sind absolute Top-Athleten." Und die versuchen im Bad Rappenauer Kompetenzzentrum, ihren Beruf und ihren Sport unter einen Hut zu bringen.

60 Prozent

Bei Felix Schumann sieht das so aus: Er ist seit seinem 15. Lebensjahr Triathlet, war am Olympiastützpunkt Heidelberg und hat Medizin studiert. Irgendwann stand er vor der Frage, ob er mit dem Sport oder als Arzt seine Brötchen verdienen will. Er entschied sich für die Medizin, hat in der Vulpius Klinik eine 60-Prozent-Stelle.

Seine Spezialität: Ironman, also 3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, 42,1 Kilometer Lauf. Sein jüngster Erfolg: Er wurde vierter beim Triathlon in Roth, nach dem Ironman auf Hawaii eine der bekanntesten Sportveranstaltungen dieser Art: "Das ist eine Leistung, die man gar nicht hoch genug einschätzen kann", findet Michael Clarius, der selbst einmal Leistungssportler war.

Ebenfalls Triathletin ist Mignon Vatlach, die im EJOT-Team TV Buschhütten über die olympische Distanz startet − mit Aussicht auf Aufstieg in die Bundesliga und deutsche Meisterschaft. Sie hat eine 75-Prozent-Stelle, trainiert im Schnitt zwölf bis 15 Stunden die Woche. Oft schlüpft sie nach der Arbeit in der Vulpius Klinik in ihre Lauf-Klamotten, dreht ihre Runden im angrenzenden Stadtwald und im nahen Waldstadion. "Solche Trainingsmöglichkeiten sind schon weltklasse", findet auch Felix Schumann.

Einen 100-Prozent-Job hat Gunnar Pfingsten. Als Vater zweier kleiner Kinder betreibt er nicht mehr seinen früheren Leistungssport. Doch bei Highland-Games mit Steinstoßen und Baumstamm-Werfen kommt ihm seine sportliche Vorgeschichte − er schaffte beim Kugelstoßen Distanzen über 20 Meter − durchaus zupass. Jedenfalls ist er zurzeit der amtierende Deutsche Meister in Highland-Games, fährt demnächst nach Schottland, um es mit dem amtierenden Weltmeister aufzunehmen.

Auf Gegenseitigkeit

Dass die Vulpius Klinik als Arbeitgeber versucht, ihren Ärzten Freiräume für deren Sport-Ambitionen zu geben, zahlt sich nach Ansicht von Chefarzt Clarius aus. "Wir merken, dass Leistungssportler sehr fokussiert vorgehen, mit einer zielgerichteten Struktur. Man merkt das auch bei der Arbeit." Dass diese Ärzte teils nur 60 bis 70 Prozent arbeiten, findet Clarius, "bekommen wir auf andere Weise zurück". Das erscheint dem Chefarzt der richtige Ansatz für das Bad Rappenauer Traditionshaus als Arbeitgeber: "Wir müssen uns darauf einstellen, attraktiv für junge Ärzte zu sein." Auch im Hinblick auf in Zukunft immer mehr weibliche Kräfte seien flexiblere Modelle einfach nötig: "Das ist der Weg der Zukunft."