Sonnenstrom vom Militärgelände

Nach Jahren erfolgloser Suche will die Firma PV Strom aus Kirchheim am Neckar im Militärgelände bei Siegelsbach auf einer Fläche von 3,8 Hektar einen Solarpark realisieren, mit dem der Strombedarf von über 150 Haushalten gedeckt werden kann

Von Steffan Maurhoff



Bad Rappenau-Siegelsbach - Nach Aktenlage hätte das Projekt schon längst verwirklicht sein können. Aber die Suche nach einem Investor war mühsamer als erwartet. Nach Jahren erfolgloser Suche will die Firma PV Strom aus Kirchheim am Neckar im Militärgelände bei Siegelsbach auf einer Fläche von 3,8 Hektar einen Solarpark realisieren, mit dem der Strombedarf von über 150 Haushalten gedeckt werden kann.

Pershing-Sprengköpfe Obwohl das Gelände zum insgesamt rund 180 Hektar großen Militärdepot bei Siegelsbach gehört, liegt das geplante Solarkraftwerk genau genommen auf Gemarkung von Obergimpern, gehört also zu Bad Rappenau. Wo einst die US-Militärs die Pershing-Sprengköpfe von der Waldheide wie ihren Augapfel hüteten, soll künftig friedlich Sonnenenergie gewonnen werden.

Gestern stellten Projektentwickler und Betreiber die Pläne für das Kraftwerk vor. Diese Woche haben demnach die Erd- und Kabelarbeiten begonnen, so Kamis Ebrahimi, kaufmännischer Geschäftsführer der PV Strom GmbH. Ab der ersten Märzwoche sollen die sogenannten Tracker geliefert werden: bereits vormontierte Nachführsysteme mit 5760 Solarmodulen.

Im Zentrum des ehemaligen US-Depots, wo früher Pershing-Sprengköpfe für die Waldheide gelagert wurden, soll der Solarpark entstehen.Foto: Archiv/Landauer

Jedes der 120 Solarsysteme ist etwa neun Meter hoch, der Abstand beträgt zwölf Meter. Die etwa 30 Quadratmeter großen Solarpanele sind jeweils an schwenkbaren dreibeinigen Rohrstützen befestigt. Die Gesamtanlage erzeugt jährlich rund 517 000 Kilowattstunden Strom, so die Firma PV Strom. Anfang April soll das Kraftwerk in Betrieb gehen. Die Investitionssumme für den Solarpark beläuft sich auf etwa 1,9 Millionen Euro.

Betreiber ist die „Schwerter zu Solarscharen GmbH & Co. KG“ . Sie wird nach Angaben ihres Geschäftsführers Georg Hille keine Mitarbeiter in dem neuen Kraftwerk beschäftigen. Die Standortgemeinden begrüßen es, dass das Vorhaben nun realisiert wird. Bad Rappenau habe mit dem Bebauungsplan die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen, so Oberbürgermeister Hans Heribert Blättgen. Siegelsbachs Bürgermeister Uli Kremsler nannte es einen Vorteil, dass das bewaldete Gelände von außen nicht einsehbar ist.

Geschützte Lage Mit dem Solarpark wird eine zivile Nutzung des ehemaligen Militärgeländes verwirklicht, die sich die Anrainerkommunen und der Landkreis Heilbronn schon vor Jahren gewünscht hätten. Damals wurden Pläne für ein großes interkommunales Gewerbegebiet im umgewandelten Depot geschmiedet, das zwar nicht unmittelbar an der Autobahn liegt, aber ohne Ortsdurchfahrten binnen fünf Minuten von der Ausfahrt Bad Rappenau erreichbar ist. Mangels Interesse an Gewerbeflächen wurden diese Pläne nie realisiert. Die Gemeinde Siegelsbach verfolgt sie gleichwohl weiter: Auf ihrer Markung liegt der Teil des Geländes, in dem die Bundeswehr ein Verwahrlager für ausgemustertes Gerät betreibt.

Ende des Zweiten Weltkriegs war das Depot als damaliger Produktionsstandort für V2-Raketentriebwerke von den Alliierten bombardiert worden. Stößt die Firma PV Strom bei den Bauarbeiten womöglich auf Blindgänger? „Wir rechnen nicht mit einem Gefahrenpotenzial“, so Geschäftsführer Ebrahimi.