Sonnenfinsternis: Stummes Staunen und ein bisschen Schadenfreude

Heilbronn - Zwei Sorgen waren es, die viele Unterländer vor zehn Jahren umtrieben. Sorge Nummer eins: keine der Pappbrillen mehr zu ergattern, die man sich zwingend auf die Nase setzen musste, um die Augen vor den hellen Strahlen der Sonne zu schützen. Sorge Nummer zwei: ein ganz und gar bedeckter Himmel. Wolken, die die Sicht auf das Jahrhundertereignis am Himmel versperrt hätten, wenn sich der Mond langsam vor die Sonne schiebt und diese schließlich total verfinstert. Am 11. August 1999.

Von Bärbel Kistner

Heilbronn - Zwei Sorgen waren es, die viele Unterländer vor zehn Jahren umtrieben. Sorge Nummer eins: keine der Pappbrillen mehr zu ergattern, die man sich zwingend auf die Nase setzen musste, um die Augen vor den hellen Strahlen der Sonne zu schützen. Sie waren nämlich Tage vor dem Ereignis restlos ausverkauft. In Ludwigshafen gingen sogar Schaufensterscheiben zu Bruch, nachdem ein Brillenhändler eine kostenlose Verteilaktion angekündigt hatte. Einer Ilsfelderin war die Brille im Büro gestohlen worden. Hysterie war allerorten.

Sorge Nummer zwei wog noch bedeutend schwerer, denn hätte sich eingestellt, was viele befürchteten, wäre sogar die Brillen-Sorge überflüssig gewesen: ein ganz und gar bedeckter Himmel. Wolken, die die Sicht auf das Jahrhundertereignis am Himmel versperrt hätten, wenn sich der Mond langsam vor die Sonne schiebt und diese schließlich total verfinstert. Am 11. August 1999.

Schlechtwetter

Hatte man sich auf Grund von Schlechtwetterprognosen von vorneherein in den Schatten von Stuttgart gestellt? Das Heilbronner Programm kam nämlich reichlich bieder daher. Hier waren die Landwirte mit der Gläsernen Produktion auf dem Kiliansplatz, eine Dixieland-Band spielte, die Sternwarte hatte einen Infostand. Die Stuttgarter hatten dagegen mächtig die Werbetrommel gerührt, ein Sonnenfestival sollte eine halbe Million Gäste in die Landeshauptstadt locken. Pforzheim hatte eine Gastromeile geplant, Göppingen machte aus dem kosmischen Ereignis ein Maskenspektakel .

Heilbronn gab sich bescheiden. Man lag zwar in dem 100 Kilometer breiten Streifen, in dem es stockdunkel wurde, aber eben am nördlichen Rand. Das hieß: Unsere totale Sofi, wie sie von vielen liebevoll genannt wurde, dauerte nur eine Minute und 29 Sekunden und war 48 Sekunden kürzer als die, die man in Stuttgart zu sehen bekommen hätte. Die Party fiel ins Wasser, zu Beginn des Höhepunkts um 12.33 Uhr regnete es dort in Strömen.

Staus

Die Region hatte in Sachen Wetter dagegen den Hauptgewinn gezogen. Um zwölf Uhr riss der Himmel auf, die dicken Wolken zogen davon. Die Region fiel kollektiv ins Sofi-Fieber. 3000 Menschen waren auf den Kiliansplatz gekommen. Ob auf dem Wartberg, vom Flachdach des Heilbronner Polizeipräsidiums oder allein in freier Natur. Wer konnte, starrte andächtig gen Himmel, vergaß die Schadenfreude und staunte stumm. Der Verkehr auf der Allee kam minutenlang zum Stehen, auf den Autobahnen gab es kilometerlange Staus, Parkplätze wurden gesperrt. Viele hatten sich in letzter Minute auf den Weg gemacht.

So war Sofi. Wer sie erlebt hat, wird sie nicht vergessen. Wer sie verpasst hat, muss damit leben. 2081 ist es im Süden Deutschlands wieder so weit. Vorausgesetzt, das Wetter spielt mit.