Sind Heilbronner Entenklemmer?

Heilbronn - Einen verhaltenen Auftakt erlebte am Samstag das erste „Gourmet-Festival der Genüsse“ auf den Böllinger Höfen in Heilbronn. Ob's an der Fastenzeit lag? Wohl eher am Nightshopping, wie viele der 40 Aussteller im Messezentrum Redblue meinten. Am Sonntag fanden dann knapp 2000 Gäste den Weg. Mit insgesamt 2700 zeigte sich Veranstalter Frank Hartmann zufrieden. „Die Fortsetzung folgt.“ Genuss, Kochen und bewusste Ernährung seien schließlich in.

Von Kilian Krauth

Sind Heilbronner Entenklemmer?
In Württemberg und Baden wächst der beste Weißwein nördlich der Alpen, sagt Jean Pütz. Der witzige Wissensvermittler lud zur „Pütz-munter-Show“.Fotos: Ralf Seidel

Heilbronn - Einen verhaltenen Auftakt erlebte am Samstag das erste „Gourmet-Festival der Genüsse“ auf den Böllinger Höfen in Heilbronn. Ob's an der Fastenzeit lag? Wohl eher am Nightshopping, wie viele der 40 Aussteller im Messezentrum Redblue meinten. Am Sonntag fanden dann knapp 2000 Gäste den Weg. Mit insgesamt 2700 zeigte sich Veranstalter Frank Hartmann zufrieden. „Die Fortsetzung folgt.“ Genuss, Kochen und bewusste Ernährung seien schließlich in.

Kochen, so betonte etwa Christian Henze, gelte inzwischen gar als „der Deutschen liebstes Hobby“. Der Sterne- und TV-Koch zauberte am Samstag vor gut gefüllten Tischreihen. Am Sonntag trat der eigentliche Stargast auf die Bühne, Jean Pütz. Der durch die WDR-Hobbythek bekannte Luxemburger ließ auf der Bühne nichts anbrennen - und animierte bei seiner „Pütz-munter-Kochshow“ nebenbei zum bewussten Umgang mit Energie.

Sind Heilbronner Entenklemmer?
Käse machte seinen Kunden Thomas Lang aus Obereisesheim schmackhaft.
An einem Stehtisch verfolgte Heilbronns ungekrönter Küchenmeister Umberto Scuccia mit süßsaurer Miene das Treiben. Warum es ausgerechnet in der Württemberger Weinmetropole keinen Sternekoch gibt? „Das liegt weniger an den Restaurants als an den Kritikern“, meinte der Italiener „auch im Namen meines Kollegen Uwe Straub“. Die Kundschaft sei sehr wohl vorhanden. Und tatsächlich: Der Lothar-Eiermann-These „Heilbronner sind Entenklemmer“ widersprachen etliche Messebesucher.

So trugen Gerda und Rosemarie Dorsch aus Ellhofen drei mit lauter feinen Sachen gefüllte Taschen zum Auto. „Normal kaufen wir auf dem Markt ein oder bei Edeka und Rewe, die haben heimische Sachen.“ Gerne schauen die Geschwister auch in die feine Stuttgarter Markthalle. „Ob so etwas auch in Heilbronn laufen würde?“

Sind Heilbronner Entenklemmer?
Etwas für Augen und Gaumen boten Umberto Scuccia und Chefkoch Bekim.
Bioland-Erzeuger Thomas Lang aus Obereisesheim freute sich über „das gezielte Interesse der Besucher“, auch wenn er wegen der Finanzkrise eine gewisse Verunsicherung beobachte. Längerfristig sieht Lang aber Chancen, dass die Wertschätzung für Lebensmittel steigt: „Weil sie weltweit knapp werden.“ Nach seinem Sensorikseminar brach der in Degmarn aufgewachsene und im Ratskeller ausgebildete Sommelier Alexander Vogt eine Lanze fürs Ländle. „Winzer mit Ambitionen können international mithalten.“ Davon war Jean Pütz nicht erst nach Proben aus dem Weingut des Schauspielers Gérard Depardieu überzeugt.