Schulbetrieb untersagt

Neuenstadt - Die Gemeinde Gottes darf in Neuenstadt-Stein keine Privatschule unterhalten. Das Regierungspräsidium in Stuttgart (RP) hat ihren Antrag jetzt abgelehnt. Nach den Ferien müssen die 23 Kinder staatliche Schulen oder genehmigte Privatschulen besuchen.

Von Gertrud Schubert

Schulbetrieb untersagt
Das Bild zeigt Schüler der Gemeinde Gottes und im Hintergrund ihre Lehrerinnen bei einem Singspiel während der täglichen Morgenandacht.Fotos: Archiv/Seidel

Neuenstadt - Die Gemeinde Gottes darf in Neuenstadt-Stein keine Privatschule unterhalten. Das Regierungspräsidium in Stuttgart (RP) hat ihren Antrag jetzt abgelehnt. Nach den Ferien müssen die 23 Kinder staatliche Schulen oder genehmigte Privatschulen besuchen. Das Schulaufsichtsamt Heilbronn bietet den Eltern Beratungsgespräche an. Gegen den Bescheid kann die Gemeinde Gottes beim Verwaltungsgericht Klage einreichen.

Im Jahr 2000 schufen die frommen Verweigerer des öffentlichen Schulwesens in einer ehemaligen Wäscherei in Stein vollendete Tatsachen: Sie richteten Schulräume ein. Seitdem unterrichten Schwestern genannte Lehrkräfte Kinder von Mitgliedern der Gemeinde Gottes aus Neudenau, Stein, Kochertürn, Bad Friedrichshall und Oedheim in kleinen, jahrgangsgemischten Klassen. Bis zuletzt duldeten die Behörden den illegalen Schulbetrieb stillschweigend (wir berichteten). Erst die Anerkennung einer Bekenntnisschule von Baptisten 2008 in Öhringen brachte Bewegung in das Neuenstadter Verfahren.

Keine Lehrer Nach einem ganztägigen Besuch in Stein stellt das RP im März einen Forderungskatalog auf, was zu erfüllen sei, um Privatschule zu werden. Dem ist die Gemeinde Gottes in wesentlichen Punkten nicht nachgekommen. So ist es ihr trotz Stellenanzeige in „Kultus und Unterricht“, dem offiziellen Organ des Kultusministeriums, nicht gelungen, qualifizierte Lehrkräfte zu finden. Die zuletzt präsentierte „halbe Tageskraft“, eine Lehrerin mit zweiter Staatsprüfung, reiche nicht aus, erklärt RP-Pressesprecher David Bösinger. Auch wurde nicht nachgewiesen, wie die Lehrkräfte bezahlt werden, ob sie „wirtschaftlich und rechtlich“ abgesichert sind.

Schulbetrieb untersagt
Für Schüler sollen die Rollläden im Gemeindezentrum geschlossen bleiben.

In der Wäscherei fehlen, ein weiterer Mangel, Räume für Sportunterricht und Labore für die naturwissenschaftlichen Fächer. Schwerwiegend ist zudem, dass die Ziele des Bildungsplans von 2004 nicht eingehalten werden. Das RP bemängelt stark gelenkten Frontalunterricht. Die Gemeinde Gottes stelle die reine Stoffvermittlung in den Vordergrund. Von „Ablösung der Belehrung“ und „Anstiftung zu selbstständigem Erwerb von Fähigkeiten“ könne keine Rede sein. Für die Klasse 1 und 3 gibt es keinen Sport. Und die oberen Klassenstufen werden nach der Stundentafel der Realschule unterrichtet; das entspricht nicht dem Antrag auf Anerkennung als Grund- und Hauptschule. Im Ganzen sieht das Regierungspräsidium „keine Gleichwertigkeit mit der öffentlichen Schule“, sagt Bösinger.

Diese Woche wurde die Gemeinde Gottes benachrichtigt. Schulamtsdirektor Wolfgang Seibold hat die Eltern angeschrieben und für Anfang August zu Einzelgesprächen ins Amt gebeten. Da soll insbesondere geklärt werden, welche weiterführende Schulart für die Kinder die passende ist. Er wird einen Test bei der schulpsychologischen Beratungsstelle vorschlagen, das setzt jedoch das Einverständnis der Eltern voraus. Seibold rechnet mit Zuwachs für Real- und Grundschulen in den Wohnorten der Kinder: „Das wird keine Klasse sprengen.“

Rechtslage

Nach dem ablehnenden Bescheid gelten die Eltern wieder als Schulverweigerer, wenn sie ihre Kinder nicht in die Schule schicken, erklärt David Bösinger die Rechtslage. Das Regierungspräsidium kann wiederholt Zwangsgeld bis zu mehreren tausend Euro anordnen. Unmittelbarer Zwang, Zuführung in die Schule durch die Polizei oder gar Sorgerechtsentzug sollen vermieden werden. Bösinger: „Wir hoffen auf eine einvernehmliche Lösung zum Wohle der Kinder.“

Hintergrund: Gemeinde Gottes

Träger der Einrichtung in Stein ist ein Verein „Die Evangeliums Posaune“, hinter dem die Gemeinde Gottes steht. Sie gehört zu der amerikanischen Sekte Church of God. Die Wäscherei in Stein ist auch Gemeindezentrum der frommen, 150 Mitglieder starken Gruppierung. ger