Salzwerke in Feierlaune

Heilbronn - Am Wochenende feiert die Südwestdeutsche Salzwerke AG den 125. Geburtstag des Heilbronner Bergwerks. Manfred Stockburger hat sich mit Vorstandschef Ekkehard Schneider über das Unternehmen und seine Aussichten unterhalten.

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"Wir sitzen in Heilbronn am richtigen Fleck"
Noch werden 220 Meter unter Heilbronn zum Salzabbau Löcher gebohrt, die dann mit Sprengstoff gefüllt werden. Diese Technik soll bald abgelöst werden.Foto: Veigel

Heilbronn - Am Wochenende feiert die Südwestdeutsche Salzwerke AG den 125. Geburtstag des Heilbronner Bergwerks. Manfred Stockburger hat sich mit Vorstandschef Ekkehard Schneider über das Unternehmen und seine Aussichten unterhalten.

Glückauf, Herr Schneider. Weißes Gold hat man Salz früher genannt. Würden Sie lieber echtes Gold aus der Erde holen?

Ekkehard Schneider: In Heilbronn mit Salz zu leben und zu arbeiten ist goldrichtig, die nicht-spekulative Wertschöpfung unseres Salzes ist Gold wert.

Mit Salz lässt sich offenbar doch Staat machen, wenn man sich Ihre Dividendenempfänger ansieht.

Schneider: Mit unseren großen Aktionären lässt sich wahrlich Staat machen, jedoch mit einigen Wenigen weniger...

Streusalz, Industriesalz, Speisesalz welcher Bereich macht Ihnen am meisten Freude?

Schneider: Die Mischung macht"s!

Sie haben vor einigen Jahren in Heilbronn einen neuen Schacht gegraben. So unrentabel kann das Geschäft also nicht sein...

Schneider: Wir arbeiten mindestens so rentabel, dass wir unsere drei Hauptziele aus eigener Kraft erreichen: Die Finanzierung unserer Zukunftsinvestitionen, die Sicherung der Arbeitsplätze und die Dividende.

Damals hieß es, dass es wohl der letzte Bergwerksschacht sein würde, der in Europa gegraben wird. Wann wird sich diese Investition rentieren?

Schneider: Unser neuer Schacht Konradsberg war der letzte, auch heute noch und wird es wohl auf lange Zeit auch bleiben. In seiner Funktion als Wetter- und Versorgungsschacht rentierte er sich gestern, er rentiert sich heute und wird uns auch weiterhin Nutzen bringen.

Wie beurteilen Sie die Wettbewerbssituation des Unternehmens? An anderen Flecken der Erde gibt es Salz auch im Tagebau...

Schneider: Wir sitzen in Heilbronn am richtigen Fleck, Tagebauqualitäten aus Afrika und Südamerika sind zumal bei steigenden Frachtkosten keine dauerhafte Alternative.

Wie lange reicht das Salz unter Heilbronn noch? Weitere 125 Jahre?

Schneider: Auch die Urenkel dereinst im Neckarbogen wohnender Heilbronner können sich bei uns bewerben.

Und wann wird es die letzten Sprengungen geben? Schließlich stellen Sie den Abbau auf den Continuous Miner um.

Schneider: In wenigen Jahren wird nur noch in Randbereichen für Kapazitätsspitzen gesprengt.

Wenn wir es einmal chemisch betrachten, dreht sich alles um NaCl. Kann man sich da überhaupt vom Wettbewerb absetzen?

Schneider: Ja, durch Qualität, Logistik und kundenspezifische Anwendungsberatung.

Sie sind also nicht umsonst nicht nur der größte Salzproduzent, sondern auch der größte Reeder im Binnenländle?

Schneider: In unserer Sechserflotte ist die "Stadt Heilbronn" das schnellste Binnenschiff auf Neckar und Rhein − den Kapitän und die Kunden freut"s.

Sie holen nicht nur Material unter der Erde hervor und bringen"s zum Kunden, Sie schaffen auch jede Menge Material aus der Welt − jedenfalls aus der sichtbaren...

Schneider:... und leisten damit einen sehr hohen Beitrag zum Umweltschutz, zumal bei unseren hohen Sicherheitsstandards und der Qualifikation und Sorgfalt unserer Mitarbeiter.

Wird die Bedeutung der Entsorgungssparte künftig zunehmen?

Schneider: In Zeitgeistfloskel: wir sind gut aufgestellt, noch besser unterwegs, haben Perspektive und Potenzial.

Sie lagern natürlich keinen Atommüll ein, aber was denken Sie, wenn Sie das Wort Asse hören? Da muss es einem Salzmann doch kalt den Rücken runterlaufen?

Schneider: Hier haben Betreiber und Behörden unglaublich fahrlässig und verantwortungslos versagt. Branchen- und Behördenkollegen erfassen kalte und heiße Schauer.

In Bad Friedrichshall müssen Sie das Bergwerk aus Sicherheitsgründen verfüllen. Sind im Heilbronner Stollen ähnliche Probleme denkbar?

Schneider: Der behördlich-wissenschaftliche Langzeitsicherheitsnachweis für das Bergwerk Heilbronn spricht eine sichere und beruhigende Sprache.

Zurück in die Gegenwart: Haben Sie überhaupt Zeit zum Feiern? Die Konjunktur läuft ja sehr gut, und der Winter war nicht von schlechten Eltern.

Schneider: Kluge Eltern feiern mit ihrer fleißigen Familie.

Info:  Sichtbares Zeichen des Jubiläums ist der Bergmannsumzug durch Heilbronn am Sonntag ab 14 Uhr.