Salzbergwerk auf der sicheren Seite

Bad Friedrichshall / Heilbronn - Das Salzbergwerk in Bad Friedrichshall und Heilbronn ist sicher. Bergwerksdirektor Gerd Bohnenberger bekräftigt, dass ein Unglück ähnlich dem verheerenden Erdrutsch in Nachterstedt (Sachsen-Anhalt) im Unterland nicht passieren kann.

Von Helmut Buchholz

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„Es gibt keine Anzeichen für eine Rissbildung oder eine Bruchgefahr.“

Axel Brasse

Region - Margit Eidenschink hat der gewaltige Erdrutsch in Nachterstedt nicht überrascht. Die 70-Jährige arbeitete Ende der 50er zwei Jahre lang in dem Braunkohle-Tageabbaubetrieb in Sachsen-Anhalt, bevor sie 1960 aus der DDR flüchtete. Heute lebt sie in Heilbronn-Böckingen und erinnert sich mit Schrecken. „Damals ist ein ganzer Bagger ruckzuck in einem Loch verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt.“ Die Rentnerin fühlt sich sich aber auch in Heilbronn nicht sicher. „Wir leben hier ja auch in einem Bergbaugebiet. Ich habe ein mulmiges Gefühl.“

Standfest

Gerd Bohnenberger kann Margit Eidenschink beruhigen. „So etwas wie in Nachterstedt kann bei uns nicht passieren“, sagt der Bergbaubetriebsdirektor der Heilbronner Südwestdeutschen Salzwerke (SWS). Denn anders als in Sachsen-Anhalt „bauen wir Hohlräume in Festgestein im Untertagebau und nicht im lockeren Gestein im Übertagebau“. Das unterstreicht Landesbergbaudirektor Axel Brasse von der Aufsichtsbehörde, dem Regierungspräsidium Freiburg: SWS betreibe Bergbau „in einem standfesten Gebirge - eben in ,Steinsalz'“. Alle behördlich vorgegeben Abmessungen der Pfeiler und Kammern „werden eingehalten, sogar mit Sicherheitsreserven“. Zusätzlich werden Hohlräume in Kochendorf wieder verfüllt, was die Standfestigkeit weiter erhöhe.

Bodenbewegung

Die Ursache für die Katastrophe in Sachsen-Anhalt steht noch nicht fest. Offenbar gab es nicht kartierte Stollen und Schächte. Nicht so in Heilbronn oder Bad Friedrichshall, bekräftigen Bohnenberger und Brasse unisono. Hier seien Hohlräume unter der Erde „statistisch berechnet, wir kennen sie alle und fahren sie regelmäßig ab“.

„Bodenbewegungen“ im Salzbergbau seien aber nicht zu vermeiden, erklärt der Landesbergbaudirektor. „Sie verlaufen aber völlig unkritisch.“ Das beweisen die regelmäßigen Kontrollen über und unter Tage. Brasse: „Es gibt nach der Analyse keine Anzeichen für eine Rissbildung oder eine Bruchgefahr. Die Senkungen an der Tagesoberfläche verlaufen so wie es sein soll - langsam und harmonisch, so dass kein Grund zu Sorge besteht.“ Alle Gutachter, die die Messergebnisse im Bergwerk überprüfen und bewerten, würden dies bestätigen, sagt Gerd Bohnenberger.

Der Betrieb war nicht immer so vorsichtig. Im 19. Jahrhundert stürzte das erste Bergwerk ein, weil die Pfeiler, die man zwischen den Hohlräumen zur Stütze stehen ließ, viel zu dünn waren. Noch heute kündet der Schachtsee, der bei dem Einsturz in Jagstfeld entstand, von dem Fehler in der Statik. Landesbergdirektor Brasse: „Aus der Vergangenheit haben Salzbergleute und Bergbehörden gelernt.“

Allerdings sind manche Gegenden für den Abbau tabu. Zum Beispiel der Taschenwald zwischen Leingarten und Heilbronn-Kirchhausen. Hier kam es zu Absenkungen, nachdem ein Chemieunternehmen nach Sole gesucht hatte. Darum ist das Areal für die SWS kein Abbaurevier. Die Salzwerke verzichten auch nach Beschwerden aus Heilbronn-Biberach und -Kirchhausen auf unterirdische Sprengungen im Bereich dieser Orte. Laut Bohnenberger aus Rücksicht auf das „subjektive Empfinden“ der Einwohner, die über Erschütterungen an ihren Häusern geklagt hatten.



Hintergrund: Salzwerke AG

Das Heilbronner Unternehmen, die Südwestdeutsche Salzwerke AG, gilt als einer der bedeutendsten Salzproduzenten Europas. Gewonnen wird das Salz in den Bergwerken Heilbronn, beziehungsweise Bad Friedrichshall sowie Berchtesgaden und im Gebiet von Bad Reichenhall . Das Unternehmen fördert pro Jahr rund vier Millionen Tonnen Salz. Im Konzern wird sowohl Stein- als auch Siedesalz für Industrie, Gewerbe und Haushalte sowie für den Winterdienst hergestellt. Umsatz 2008: rund 237 Millionen Euro. In der SWS AG sind in Heilbronn und Bad Friedrichshall rund 600 Mitarbeiter beschäftigt. mut