Roms Grenze vor den Toren von Heilbronn

Bad Friedrichshall - Soldaten marschieren über die Steinstraße, Helme glänzen in der Sonne, ein Wachturm thront auf dem Hügel. Eine Szene wie aus dem Kinofilm - abgespielt hat sie sich aber vielleicht ganz in der Nähe. Denn der Odenwaldlimes, Vorgänger des größeren obergermanisch-raetischen Limes, schützte nicht nur bis Bad Wimpfen das römisch verwaltete Hinterland vor Germanenüberfällen.

Von Alexander Klug

Bad Friedrichshall - Soldaten marschieren über die Steinstraße, Helme glänzen in der Sonne, ein Wachturm thront auf dem Hügel. Eine Szene wie aus dem Kinofilm − abgespielt hat sie sich aber vielleicht ganz in der Nähe. Denn der Odenwaldlimes, Vorgänger des größeren obergermanisch-raetischen Limes, schützte nicht nur bis Bad Wimpfen das römisch verwaltete Hinterland vor Germanenüberfällen: Die Palisadenanlage hat wahrscheinlich bis vor die Tore Heilbronns gereicht, am Nordhang des Wartbergs vermuten die Archäologen ein Kastell. Im Bad Friedrichshaller Rathaus hat das Limesinformationszentrum (LIZ) gestern einen Überblick über die Neuentdeckungen präsentiert.

Luftaufnahmen

Vor allem Luftbilder geben Hinweise auf die römische Zeit zwischen Kocher, Jagst und Neckar: "Im Mai haben wir ein Kleinkastell für 20 bis 30 Soldaten bei Duttenberg ausgemacht", sagt Dr. Stephan Bender. Er leitet das Zentrum. Bei Kochendorf zeigen die Fotos aus dem Flugzeug deutlich die schnurgeraden Befestigungen, auch der Grundriss eines Wachturms ist zu erkennen.

Die neuen Funde widerlegen die bisherige Annahme, der Limes sei beim Wimpfener Kastell zu Ende gewesen. "Weil ein Zaun, um den man im Süden herumziehen kann, nicht sinnvoll ist, ist zu vermuten, dass der Limes bis Cannstatt reichte", meint Dr. Klaus Kortüm vom Landesdenkmalamt im Regierungspräsidium.

Die Archäologen vermuten seinen Verlauf auf den Anhöhen zwei Kilometer östlich des Neckarufers. Aus dem Odenwaldlimes würde somit ein Neckarlimes. Die Beweise sind neu, Hinweise gab es aber schon früher: Bereits in den 30er Jahren sind am Heilbronner Wartberg die Reste eines römischen Bades gefunden worden; zusammen mit weiteren Funden in der Umgebung wurden sie aber bisher als sogenannte Villa Rustica, ein römisches Landgut gehalten und nicht mit einer Befestigungsanlage in Verbindung gebracht.

Präsentation

Bad Friedrichshalls Bürgermeister Peter Dolderer will die antiken Funde für seine Stadt touristisch nutzbar machen: Drei Tafeln beim Wasserkraftwerk in Duttenberg, an der Landesstraße 1088 bei der Lindenberghalle und am Riedweg sollen über die römische Vergangenheit informieren − auch Radler und Fußgänger aus nah und fern sollen über entsprechende Wege diese Wegpunkte erreichen. "Zur Präsentation wird sicher auch eine Ausstellung gehören", meint Peter Dolderer. Auch Kooperationen zwischen Städten und Gemeinden seien im Gespräch − die Auswahl reicht vom Kleinkastell in Gundelsheim bis zur Grabungsstätte des Apollotempels in Neuenstadt.