Raubfische im Badewasser

Obersulm - Mit Fangkörben stellen die Angler einem unliebsamen Zuwanderer nach: dem galizischen Sumpfkrebs. Niemand weiß, warum diese Tiere im Weinsberger Tal gelandet sind. Der Krebs erreicht die Größe einer Hand. Und frisst Fischlaich.

Von Reto Bosch

Breitenauer See Angler holen viele galizische Sumpfkrebse aus dem Breitenauer See. Die Tiere können über 20 Zentimeter groß werden.Foto: Reto Bosch


Obersulm/Löwenstein - Tausende Menschen bevölkern den Breitenauer See, braten in der Sonne, schwimmen durch die Badebucht. Manchen Besuchern fallen die Schwäne oder Enten auf. Doch dass sich unter der Wasseroberfläche massenhaft interessantes Leben tummelt, bleibt den Blicken der meisten Menschen verborgen.

Wer Einblick in die Unterwasserwelt des größten Sees in Nordwürttemberg erhalten will, sollte sich zu Dieter Bopp (Löwenstein) und Paul Götz (Obersulm) ins Ruderboot setzen. Die beiden Vorsitzenden des Fischereivereins Breitenauer See kennen das Gewässer seit vielen Jahren. Götz bewegt das Boot mühelos Richtung Badebucht. Auf der Balkenkette sitzt eine Schildkröte, verschwindet aber, als ihr die Besucher zu nahe kommen. "Die wurde bestimmt ausgesetzt", sagt Bopp. Es gebe mehrere Wasserschildkröten im See.

Aber Reptilien sind nur Ausnahmen in der großen Wohngemeinschaft Breitenauer See. Die Vormacht haben die Fische. "Es leben zehn bis zwölf Tonnen hier", erklärt Götz. Die Angler wissen das so genau, weil sie registrieren, in welchen Mengen Karpfen und Co. gefangen werden, und weil sie jedes Jahr geschuppten Nachwuchs einsetzen. Rund 8000 Euro gibt der Verein nach eigenen Angaben dafür aus. "Natürlicher Zuwachs ist zwar da, ist aber sehr gering", sagt Dieter Bopp.

Karpfen

Ein großer Karpfen scheint dies ändern zu wollen. Er katapultiert sich etwa 15 Meter vom Boot entfernt aus dem Wasser, will Laich befruchten. Mit einem lauten Platschen landet das Tier im See. "Was es an heimischen Fischarten gibt, ist im Breitenauer See auch vertreten", meint Paul Götz: von der Brachse bis zur Karausche, vom Barsch bis zum Zander. Die beiden Angler sind sicher, dass die größten Welse im See über zwei Meter lang sind. Auch ein Meter lange Hechte ziehen durch das Gewässer auf der Jagd nach Beutefischen. Die schwersten Karpfen schätzt Götz auf 18 Kilogramm. Trotz dieser kapitalen Burschen: Dass sich einer von ihnen den Zeh eines Schwimmer schnappt, ist auszuschließen, meint Dieter Bopp.

Wenn der hungrige Hecht auf eine kleine Karausche trifft, dürfte das Schicksal des unterlegenen Flossentieres besiegelt sein. Dennoch gerät das Ökosystem nach Ansicht von Dieter Bopp nicht aus den Fugen. Zum Teil reguliert es sich selbst, zum Teil greifen die Angler ein. Die unterschiedlichen Fischarten bevorzugen unterschiedliche Stellen im rund 40 Hektar großen See. Barsche mögen Schilf, Hechte lauern zwischen Unterwasserpflanzen, der Wels schläft gerne an Steilufern.

Krebse

Paul Götz hat seine zwei Mitfahrer und die beiden ausgelegten Angelruten inzwischen einmal rund um den See gerudert. Fische haben nicht angebissen. Bei den Liegeplätzen der Segler kontrolliert Götz ein gutes Dutzend Reusen. Mit diesen Fangkörben stellen die Angler einem unliebsamen Zuwanderer nach: dem galizischen Sumpfkrebs.

Niemand weiß, warum diese Tiere im Weinsberger Tal gelandet sind. Der Krebs erreicht die Größe einer Hand. Und frisst Fischlaich. "Im vergangenen Jahr haben wir 2500 solcher Krebse gefangen", erzählt Dieter Bopp. Diese würden allerdings nicht weggeworfen, sondern gegessen.

Ein zweites Tier macht den Anglern ebenfalls zu schaffen und befeuert den Dauerkonflikt zwischen Vogelschützern und Fischern: der Kormoran. "Der frisst uns hier viele Fische weg", sagt Paul Götz.

Daten und Fakten

Der Breitenauer See wurde in den 70er Jahren als Hochwasserrückhaltebecken gebaut. Die Wasserfläche ist rund 40 Hektar groß, an der tiefsten Stelle misst das Lot knapp 20 Meter. Zehntausende Besucher strömen jedes Jahr in das Naherholungsgebiet, in dem es auch gesperrte Naturschutzzonen gibt. Um das Gewässer kümmert sich der Fischereiverein Breitenauer See. Derzeit verzeichnet der Verein, der noch drei andere Gewässer betreut, 440 Mitglieder.