Pflegekräfte, die es nicht gibt

Heilbronn - Anschaulicher könnte kaum illustriert werden, wie akut der Mangel an Pflegepersonal in der Region bereits ist: 500 Euro Belohnung schreibt der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Heilbronn-Franken an den Schwarzen Brettern seiner Pflegeheime in Heilbronn und im Landkreis aus. 500 Euro für jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter, der eine neue Pflegekraft für den ASB wirbt.

Von Franziska Feinäugle

Pflegekräfte, die es nicht gibt

"Wir konnten 20 Pflegebedürftige nicht aufnehmen."

Katharina Faude, ASB

Heilbronn - Anschaulicher könnte kaum illustriert werden, wie akut der Mangel an Pflegepersonal in der Region bereits ist: 500 Euro Belohnung schreibt der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Heilbronn-Franken an den Schwarzen Brettern seiner Pflegeheime in Heilbronn und im Landkreis aus. 500 Euro für jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter, der eine neue Pflegekraft für den ASB wirbt.

Wie oft die Belohnung bereits fällig geworden ist, "kann ich noch an zwei Händen abzählen", sagt Anina Homes, Personalleiterin beim ASB. Und das, obwohl die Prämie bereits seit mehr als einem Jahr ausgesetzt wird. Der Mangel an Pflegepersonal in Altenheimen ist so akut, dass Pflegebedürftige abgewiesen werden müssen, obwohl durchaus Betten für sie frei wären.

"Wir konnten 20 Menschen nicht aufnehmen, weil wir sie nicht mit Fachkräften versorgen konnten", sagt ASB-Sprecherin Katharina Faude. In den 13 ASB-Pflegeheimen im Stadt- und Landkreis Heilbronn "könnten wir sofort 15 examinierte Pflegekräfte einstellen". Pflegekräfte, die es momentan nicht gibt.

Demografie

Wo sie herkommen sollen, wie man um sie wirbt und was man dafür tun muss, dass man sie überhaupt findet, war gestern Thema eines Fachtags in Heilbronn, zu dem der ASB unter der Überschrift "Berufliche Zukunft in der Pflege" ins Insel-Hotel eingeladen hatte.

"Diese Probleme haben alle Träger", stellt Thomas Müller von der Personalberatung der Contec GmbH klar. Es sind die Probleme einer Gesellschaft, in der es immer mehr alte und immer weniger junge Menschen gibt. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat der Contec GmbH den Auftrag erteilt, eine konkrete Initiative zu entwerfen, mit der Schüler für Pflegeberufe begeistert werden sollen. "Lösungswege, nicht Patentrezepte" stellt Thomas Müller seinen Heilbronner Zuhörern vor.

Vernetzung

Entscheidend, so Müller, werde in Zukunft die Vernetzung von allgemeinbildenden Schulen und Pflegeschulen sein. Modellhaft hierfür steht das , was an der Michaelschule in Papenburg praktiziert wird: Die Schülerinnen und Schüler belegen ein Jahr verpflichtend "Pflege und Gesundheit", gehen in Pflegeheime und bekommen dort von Auszubildenden, die keine zwei Jahre älter sind als sie, erzählt, wie es ist.

Dieser Austausch unter Gleichaltrigen vermittelt den Pflegeschülern die befriedigende Erfahrung, bereits Expertenwissen zu besitzen, und ist für die Haupt- und Realschüler "etwas anderes, als wenn ein Lehrer von der Schule erzählt, wie toll Altenpflege ist", so Müller.

Dass man die "Generation Y" der nach 1980 Geborenen über die sozialen Netzwerke des Internets zu erreichen versuchen sollte, betont Prof. Dr. Margit Geiger von der Hochschule Bochum. "Ich habe beim Netzwerk ,Xing" die Stichworte ,Altenpflege" und ,Heilbronn" eingegeben. Suchergebnis: nichts." Unter www.jobturbo.de hingegen, der die Stellenanzeigen zahlreicher Internetsuchmaschinen auswertet, tauchten mehrfach Stellenangebote von Pro Seniore Heilbronn auf.