Noch immer fehlt die Schwerpunktpraxis

Landkreis - Mit der Einrichtung einer Schwerpunktpraxis zur medizinisch kontrollierten Substitution von Heroinabhängigen im Landkreis Heilbronn tut sich das Landratsamt weiter schwer. Das Thema werde auch 2012 "im Fokus stehen", heißt es im Sachstandsbericht der Koordinationsstelle Sucht, der jetzt dem Sozialausschuss des Kreistags vorgelegt wurde.

Von unserem Redakteur Herbert Kaletta

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Noch immer fehlt die Schwerpunktpraxis
Eine Schwerpunktaufgabe der Suchtprävention ist es, Jugendliche über die Konsequenzen massiven Alkoholmissbrauchs aufzuklären.Foto: dpa

Landkreis - Mit der Einrichtung einer Schwerpunktpraxis zur medizinisch kontrollierten Substitution von Heroinabhängigen im Landkreis Heilbronn tut sich das Landratsamt weiter schwer. Das Thema werde auch 2012 "im Fokus stehen", heißt es im Sachstandsbericht der Koordinationsstelle Sucht, der jetzt dem Sozialausschuss des Kreistags vorgelegt wurde. Das heißt: Man hat noch keinen Standort gefunden.

Abwehrreflex

"Trotz intensiver Suche und guter Marktlage war bisher kein Vermieter bereit, seine Räume für diese Leistung zur Verfügung zu stellen", bedauert Sozialdezernentin Susanne Hennig. Man habe professionell gesucht und schon mehrere Objekte gehabt, doch "als der Besitzer erfuhr, wer kommt, sprang er ab", erläutert sie einen bislang immer gleichen Abwehrreflex.

Sucht vorzubeugen ist die eine, Süchtigen oder Suchtgefährdeten zu helfen, die andere Aufgabe der Koordinationsstelle. Zur Vorbeugung gehören beispielsweise die Schulung von Multiplikatoren wie Lehrern und Schulsozialarbeitern, oder Projekte wie die "Red Box" oder das Planspiel "Voll die Party." Diese Dinge sollen 2012 weiterlaufen. Ebenfalls für das nächste Jahr soll gemeinsam mit der Kreisjugendpflege und dem Präventionsteam der Polizei das Projekt "PartyPass" zum Jugendschutz auf Festveranstaltungen aufgebaut werden. Ein Projekt an der Schnittstelle von Prävention und Hilfe ist "HaLT". Es setzt bei Jugendlichen an, die im Koma in der Klinik gelandet sind, weil sie sich völlig betrunken hatten. In Zusammenarbeit mit der Diakonie Heilbronn werden ihnen noch während des Klinikaufenthalts ein Gespräch und Hilfen angeboten.

"Das Projekt konnte weiter ausgebaut werden", sagte Bernhard Kocka, jetzt Jugendamtsleiter und bisher für die Koordination zuständig. So habe man die Verbindung zur offenen Jugendhilfe herstellen können. Das heißt, Teile des Programms würden nun auch in Jugendhäusern unter Einbeziehung der örtlichen Jugend angeboten. So der Baustein "Risiko-Check", den man in Jugendhäusern anbietet.

Messbarkeit

"Dass Jugendliche, die die Hilfe annahmen, nochmals in die Klinik kamen, geht gegen null", antwortete Kocka auf die Frage von Kreisrat Alfred Kulka nach Wirkung und Messbarkeit des Präventionsprojekts. 30 Fälle von komatös betrunkenen Jugendlichen aus dem Landkreis waren es 2011 bisher.

Generell aber sei der Trend des Alkoholmissbrauchs von Jugendlichen in Deutschland wie im Landkreis weiterhin steigend, erklärte Kocka den Kreisräten.

Diese wollen künftig einen ausführlicheren Bericht mit mehr Zahlen zu den Information und damit mehr Erkennbarkeit von Entwicklungstrends.