Neuer Mut, neuer Schwung (05.03.2010)

Heilbronn - Zwei Insolvenzen hat die Firma Heilbronn Pressen überstanden

Von Manfred Stockburger

Neuer Mut, neuer Schwung
Diese fahrbare Dampfmaschine zeigte die Firma Heilbronn im Jahr 1913 bei einer Ausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft.Foto: Archiv

Heilbronn - Zwei Insolvenzen hat Thomas Kern hinter sich. Der Konflikt mit seinem früheren Mitgeschäftsführer ist ausgestanden. Das Logo des 1854 gegründeten Traditionsunternehmens, das den Namen seiner Heimatstadt in die Welt trägt, gehört wieder der Heilbronn Pressen GmbH − ebenso die Konstruktionszeichnungen, die schon vor der ersten Insolvenz verkauft worden waren. In der Produktionshalle im Industriegebiet Böllinger Höfe arbeiten aktuell 56 Beschäftigte, dazu kommen neun weitere, die bei einer Partnerfirma angestellt sind.

Mähdrescher

Eine Maschine, die mit einem Partnerunternehmen für einen Kunden in Dubai gebaut wurde, steht kurz vor der Auslieferung − auf ihr werden Metallverpackungen gefertigt. Demnächst wird die Anlage verschifft. Ebenfalls vom Kunden abgenommen ist eine Presse, die Schneidewerkzeuge für Mähdrescher ausstanzt, in Polen wird eine Stanzanlage für Elektromotoren aufgebaut, und auch in Finnland sind seine Monteure unterwegs.

"Es ist alles gut gegangen", sagt der Geschäftsführer, der auf dem Weg zur Wiedergeburt der früheren Heilbronn Maschinenbau GmbH persönlich ins Risiko gegangen ist − finanziell und auch juristisch. Im firmenrotfarbenen Hemd steht er jetzt neben einer Maschine und strahlt. Trotz Wirtschaftskrise ist die Produktion nämlich auch in den nächsten Monaten ausgelastet, das Kernstück des Unternehmens, für dessen Erhalt er gekämpft hat. "Mein Ziel war immer, die Arbeitsplätze in Heilbronn zu erhalten." Inzwischen hat Thomas Kern sogar schon wieder einige Leiharbeiter an Bord geholt.

Neuer Mut, neuer Schwung
Das alte Firmenlogo lebt mit der neuen Firma wieder auf.Foto: Archiv/Stockburger

Neuer Eigentümer nach der zweiten Insolvenz ist die polnische Firma Makrum, die im Gegensatz zur ebenfalls polnischen Hydrapres offenbar über genügend Geld verfügt, um den Geschäftsbetrieb des Heilbronner Traditionsunternehmens zu finanzieren. Makrum, eine an der Warschauer Börse notierte Aktiengesellschaft, habe alle Zusagen eingehalten", freut sich Kern. Dazu zählt auch eine langfristige Garantie für den Produktionsstandort Heilbronn "Das sind keine Finanzinvestoren. Die haben ein langfristiges Interesse an Heilbronn", sagt er.

Schuldenfrei

Trotz zweier Insolvenzen, die üblicherweise Substanz kosten, steht das Unternehmen heute besser da denn je. Ohne Bankschulden. Mit Aufträgen. Und mit einem finanzstarken Eigentümer. Mit der Kreissparkasse hat Kern auch eine Hausbank gefunden, die am Fortbetrieb interessiert ist.

Auch das Firmenarchiv hat der neue Eigentümer aus Polen gekauft − der Mann an der Spitze ist selbst Ingenieur. Dort gibt es Blaupausen von Dampflokomotiven, die das Unternehmen vor mehr als 100 Jahren gebaut hat und unzählige Fotos und Dokumente, die die wechselvolle Geschichte der früheren Maschinenbau Heilbronn AG dokumentieren. Dieses Material soll dem Stadtarchiv als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt werden. Auch an eine Ausstellung wird bereits gedacht.