Neue Chancen für Realschüler?

Drei zusätzliche Klassen an beruflichen Gymnasien − Nächste Woche zwei große Infoabende im Haus der Wirtschaft

Von Gertrud Schubert

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Neue Chancen für Realschüler?
Das Abitur an der Wilhelm-Maybach-Schule ist immer eine Massenveranstaltung. Das Technische Gymnasium hat insgesamt fünf Züge.Archiv/Dirks

Heilbronn/neckarsulm - Drei Klassen zusätzlich an den beruflichen Gymnasien: Das hört sich nach Entspannung der Lage an. Werden im Herbst alle Interessenten aus den Realschulen und Umsteiger aus dem achtjährigen Gymnasium aufgenommen? Nächste Woche strömen hunderte Schüler mit ihren Eltern zu zwei Infoabenden ins Haus der Wirtschaft Heilbronn.

Beliebtes SG Alle wollen aufs Sozialwissenschaftliche Gymnasium (SG). In nur drei Jahren kletterte dieses Profil in ganz Baden-Württemberg an die Spitze der Beliebtheitsskala. In Heilbronn boten zuerst private Schulträger − der Internationale Bund und dann zweizügig im Klosterhof das Kolpingbildungszentrum − die gymnasiale Kursstufe mit sozialwissenschaftlichem Profil an. Im letzten Herbst durfte die Christiane-Herzog-Schule mit zwei SG-Klassen 11 nachziehen. Die Folge: 270 Bewerbungen und viele enttäuschte Schülerinnen und Schüler.

Zu gern hätte die Peter-Bruckmann-Schule Heilbronn (PBS) ein SG eröffnet. Doch sie ging bei der Zuweisung der drei von insgesamt 100 zusätzlichen elften Klassen an beruflichen Gymnasien leer aus.

Stattdessen bekommt (wir berichteten) die Andreas-Schneider-Schule eine weitere Klasse im Wirtschaftsgymnasium (WG) und wird damit dreizügig. Die Christiane-Herzog-Schule darf sich aussuchen, welches Profil sie für ihren sechsten Zug wählt: biotechnologisch, ernährungs- oder sozialwissenschaftlich?

Direktorin Marita Papenhagen wartet die Anmeldungen bis 1. März ab und will nach Schülerinteresse entscheiden. An der Christian-Schmidt-Schule in Neckarsulm freut sich unterdessen Direktor Karl-Heinz Schmidt über die rasche Aufwertung der Berufsschule durch ein Gymnasium. Einzügig wird Technik und Management angeboten.

Skepsis Darauf reagiert Werner Fröhlich, Abteilungsleiter am Technischen Gymnasium (TG) der Heilbronner Wilhelm-Maybach-Schule mit Skepsis. "Wir mussten nie Schüler abweisen." Im Gegenteil. Das TG füllte im vergangenen Jahr seine fünf Klassen noch mit Schülern auf, die in anderen beruflichen Gymnasien abgeblitzt waren. Es hätten sogar noch zehn Schüler mehr sein dürfen. Karl-Heinz Hahn geht trotz seiner Schulgründung in Neckarsulm davon aus, dass die Heilbronner ihre fünf Klassen bilden können.

PBS-Chef Karl-Heinz Volkmann hat die Hoffnung auf ein Gymnasium noch nicht aufgegeben. Inzwischen liebäugelt er mit einem Modellzug Gesundheit und Pflege.