Neue Brandschutz-Zigaretten sorgen für Verwirrung

Region - Unter Rauchern herrscht Verwirrung. Eine EU-Richtlinie gibt vor, dass Zigaretten spätestens bis Mitte November einheitlich mit verstärkten Papierringen an mindestens zwei Stellen ausgestattet sein müssen.

Von Carsten Friese

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Region - Unter Rauchern herrscht Verwirrung. Viele reagieren völlig ungläubig, wenn sie auf die neuen Brandschutzzigaretten angesprochen werden. Eine EU-Richtlinie gibt vor, dass Zigaretten spätestens bis Mitte November einheitlich mit verstärkten Papierringen an mindestens zwei Stellen ausgestattet sein müssen. Um die Zahl von Brandunfällen mit Sachschäden, Verletzten oder gar Toten zu reduzieren, die durch vergessene oder weggeworfene Zigaretten ausgelöst werden.

Veralbert

Einige Hersteller haben die Produktion bereits umgestellt. Doch viele Kunden sind nicht informiert, dass ihre Zigaretten nun eine "verminderte Zündneigung" haben − und an den verstärkten Papierringen ausgehen können, wenn man mal etwas längere Zeit nicht zieht.

"Das ist doch Mist. Warum gibt es keine Hinweise auf den Packungen oder Markierungen am Papier, wo sie ausgeht?", ärgert sich der Neudenauer Sebastian Berndt (26). Er sitzt im Heilbronner "Täglich" und dachte zuletzt immer, die Zigaretten seien schlecht gestopft. Dass Sicherheitszonen dahinterstecken, ist für ihn neu. "Man fühlt sich veralbert."

Auch die Neudenauerin Tashina Csapo (19) war in den letzten Wochen oft von ausgehenden Zigaretten genervt. "Ich wollte die Zigarettenfirma schon anrufen, was da los ist", zumal sie sich beim Wiederanzünden des Stummels fast die Haare ansengte. Das Prinzip Brandschutz findet sie ja "ganz gut". Aber: "Warum erfährt man da nichts?"

Völlig überrascht vom Brandschutz in Zigaretten ist FC-Heilbronn-Vorsitzender Gerd Kempf, ein bekennender Vielraucher. Dem SPD-Stadtrat ist noch keine Zigarette ausgegangen, doch allein die Nachricht von der EU-Zigarette der Zukunft nennt er "abenteuerlich". Er versteht nicht, "auf welche Ideen man kommt, um alles angeblich noch sicherer zu machen und noch mehr zu reglementieren".

Zigarettenhändler in Heilbronn verweisen auf bisher geringe Nachfragen oder Beschwerden von Kunden. Rund 40 Prozent seiner Sorten seien bereits auf den neuen Brandschutz umgestellt, berichtet Jürgen Barth vom Leingartener Automaten- und Tabakgroßhandel Dietz. Es hänge stark vom Rauchverhalten ab, "ob es einem auffällt".

Kein Vollschutz

Die Feuerwehr begrüßt das neue Zigarettenzeitalter. "Das ist was Vernünftiges", sagt Heilbronns Kommandant Eberhard Jochim. Er erlebt mehrmals im Jahr Brände, in denen eine Zigarette der Auslöser ist. Wenn es nur einen Toten weniger gäbe, "hätte es sich schon rentiert". Auch im Forstamt des Landkreises nennt Büroleiter Remo Fuchs die neuen Zigaretten mit Blick auf die Brandgefahr in trockenen Perioden "begrüßenswert".

Feuersicher sind die neuen Glimmstängel jedoch nicht. Ein Test im "Täglich" zeigt: Als die Nordheimerin Corinna (25) ein paar Mal zieht und über den ersten Schutzring hinwegkommt, glimmt die Zigarette danach minutenlang bis an die Schrift weiter. "Da kann sich trotzdem jemand abfackeln, falls er im Bett einschläft", ist sie überzeugt.

In USA schon Standard

Sicherheitszigaretten gibt es bereits in den USA, in Kanada oder Australien. Nach Schätzungen der EU könnten durch die neuen Glimmstängel zwischen 500 bis 700 Menschen jährlich vor dem Tod durch Zigarettenbrände bewahrt werden.
Warum die Zigarettenindustrie Kunden zurückhaltend informiert? Man habe sowohl die Händler als auch Medien wie Bild oder dpa informiert, sagt eine Sprecherin von Reemtsma. Einen Aufdruck auf der Packung habe man aus Marketinggründen abgelehnt. In Händlerkreisen wird laut, dass die Firmen „keine Verunsicherung“ der Kunden wollten. Nun ist sie da. cf

 

 


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