„Mehr Chancengleichheit durch die Vorschule“

6. Bildungskongress in der Harmonie: Junger Generation emotionale Stabilität geben

Von Joachim Friedl

„Schule kann nicht ersetzen, was das Elternhaus versäumt hat.“

Rolf Dubs

Heilbronn - „Alle Kinder maximal zu fördern, damit alle in die oberste Leistungsgruppe gelangen, ist vollendeter Unsinn“, stimmte Rolf Dubs Pädagogen und Eltern am Samstag auf einen spannenden 6. Heilbronner Bildungskongress, getragen von der Stadt und der Akademie für Information und Management (AIM), ein. Vor rund 600 Zuhörern im Maybach-Saal der Harmonie stellt der Professor an der Universität St. Gallen unter anderem folgende Thesen auf: Schule muss Leistungsschule bleiben. Schule braucht keine Einheitslösung, sondern Individualität. Differenzierung erst nach dem 6. Schuljahr. Lehrer stärker beurteilen; wer nicht mitzieht, an die Kandarre nehmen. Schulvorbereitendes Lernen in spielerischer Form ist Voraussetzung für bessere Schulleistungen. Bildung darf nicht zum Spielball der Politik werden.

Die innovative Unterrichtsmethode Lernen durch Lehren (LdL) stellte Joachim Grzega von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt vor. Bei dieser Methode lernen die Schüler den neuen Stoff, indem sie ihn lehren, ihren Mitschülern präsentieren und mit ihnen zusammen erarbeiten. „Die Schüler werden durch selbst aktiv und gewinnen ein hohes Maß an Autonomie“, sagte der Privatdozent. Der Lehrer fungiert bei diesem Modell nur noch als Lehr- und Lernberater, als Kommunikationsmanager und Ergebnisgarant. Als Unterrichtsform empfiehlt Joachim Grzega, „LdL relativ früh durchgängig einzusetzen“.

Orientiert an ihren Grundbedürfnissen nach Geborgenheit, nach neuen Erfahrungen, nach Verantwortung, nach Lob und Anerkennung bereitet die Grundschule Kleine Kielstraße in Dortmund die Schüler auf die Welt von morgen vor. Die Schule mit 385 Kindern aus 26 verschiedenen Nationen wurde 2006 als beste deutsche Schule ausgezeichnet. „Eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern ist eine Voraussetzung für die positive Entwicklung von Kindern“, etikettierte Gisela Schultebraucks-Burgkart eine Säule des Erfolgs. Als zentrales Ziel der Unterrichtsarbeit nannte die Rektorin, die Bereitschaft zu lebensbegleitendem Lernen unter Einbeziehung außerschulischer Institutionen aufzubauen.

„So wie Schule heute funktioniert, wird sie unseren Kindern nicht mehr gerecht“, betonte der Heilbronner Schulbürgermeister Harry Mergel. Die Ganztagesbetreuung sei deshalb zentrale Voraussetzung, Kindern besser gerecht zu werden.

Positiv bewertete AIM-Geschäftsführerin Tatjana Linke, dass „immer häufiger alte Bildungsmaßstäbe über Bord geworfen werden, der Schüler als Individuum gesehen wird und dadurch eine neue Wertschätzung erfährt“.