Leiharbeiter: Vorreiter Kaufland

Neckarsulm - Kaufland Fleischwaren GmbH setzt allein in der Region 500 Leiharbeiter ein. Für sie führt die Firma wie berichtet einen Mindestlohn ein: Alle Dienstleister werden angewiesen, ihren Mitarbeitern künftig mindestens 8,50 Euro pro Stunde zu bezahlen.

Von Manfred Stockburger

Vorreiter Kaufland
Die Herstellung von Fleischwaren ist personalintensiv. Diese Kaufland-Sparte hat in der Region knapp 700 Festangestellte und 500 Leiharbeiter.Fotos: Archiv/Sawatzki

Neckarsulm - Je nach Wetter und Saison gibt es sehr große Schwankungen im Geschäft mit Bratwürsten, Schnitzel und Steaks. Das ist ein Grund, warum die Kaufland Fleischwaren GmbH allein in der Region 500 Leiharbeiter einsetzt. Für sie führt die Firma wie berichtet einen Mindestlohn ein: Alle Dienstleister werden angewiesen, ihren Mitarbeitern künftig mindestens 8,50 Euro pro Stunde zu bezahlen.

Damit strebe man "weitestgehende Gerechtigkeit an", erklären die Neckarsulmer: "Das heißt gleiche Arbeit − gleicher Lohn." Für alle Festangestellten hat Kaufland firmenintern nämlich in diesem Sommer schon ein Mindestsalär eingeführt, nachdem Konzernchef Klaus Gehrig sich im Februar für einen gesetzlichen Mindestlohn für den gesamten Lebensmittelhandel stark gemacht hatte. Sein Vorstoß war allerdings ins Leere gelaufen.

Nicht allein aus Gründen der Flexibilität setzen die Neckarsulmer Leiharbeiter ein und Mitarbeiter, die über Werkverträge oft aus Osteuropa in die Region gelotst werden: Es gibt in der Region nicht genügend Metzger. Das bestätigt auch Bernd Rath vom Schwäbisch Haller Personaldienstleister Bera, der auch für Kaufland tätig ist. "Metzger bekommen wir nicht in der Region."

Hohe Quoten

In der Wurstfabrik im Heilbronner Industriegebiet Böllinger Höfe sind derzeit etwa ein Drittel der 500 Beschäftigten Leiharbeiter. Im Möckmühler Fleischwerk ist sogar nur jeder zweite der 700 Mitarbeiter direkt bei Kaufland angestellt. Im Vergleich zu anderen Branchen sind diese Leiharbeiterquoten exorbitant hoch. Viele Wettbewerber − auch in der Region − setzen aber noch stärker auf Zeitarbeit.
 

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Harte Arbeit bei Kühlschranktemperaturen ist Alltag.

 

Auf 200 Festangestellte kommen im Crailsheimer Schlachthof 500 Werkverträgler und Leiharbeiter, sagt Burkard Siebert, der regionale Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG. Außerhalb der Region gebe es sogar Betriebe, die nur noch 15 Prozent eigene Mitarbeiter haben. "In der Fleischbranche ist die Leiharbeit wie ein Krebsgeschwür."

Die Berichte der TV-Sendung "Report Mainz", auf die Kaufland mit der Einführung des Leiharbeiter-Mindestlohns reagierte, haben sich nicht auf die Neckarsulmer bezogen. Auf teilweise weit unter 900 Euro Monatslohn seien Vollzeitbeschäftigte bei Headway gekommen. Zu den Kunden der Leiharbeitsfirma Headway, die im Fokus des "Report"-Berichts gestanden hatte, gehört neben Rewe, Netto und Edeka aber auch Kaufland.

Erster Schritt

Für Siebert wie für die Verdi-Bundesvize Margret Mönig-Raane ist der Kaufland-Vorstoß für einen Mindestlohn "ein erster wichtiger Schritt", dem nun alle seriösen Wettbewerber folgen müssten. Der Satz von 8,50 Euro überrascht Siebert nicht "Das ist genau, was wir DGB-Gewerkschaften fordern." Ein gelernter Metzger im Fleischerhandwerk verdient laut Siebert etwa 13,50 Euro pro Stunde. Bei einem Schlachtereibetrieb im Hohenlohischen habe er gerade einen Haustarif von 10,80 abschließen können: "Das Problem ist, dass viele Betriebe nicht tarifgebunden sind."