Leben auf 4,5 Quadratmetern

Heilbronn - Auf rund 14 Quadratmetern stehen zwei Stockbetten eng beieinander. Drei Schränke, ein Schreibtisch, ein Kühlschrank und drei Stühle sind auf dem verbliebenen Raum gequetscht. Dazwischen leben drei Menschen. Emad Korkis hat das typische Zimmer im Heilbronner Asylbewerberheim aus Pappe und Styropor nachgebaut.

Von Sara Furtwängler

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Heilbronn - Auf rund 14 Quadratmetern stehen zwei Stockbetten eng beieinander. Drei Schränke, ein Schreibtisch, ein Kühlschrank und drei Stühle sind auf dem verbliebenen Raum gequetscht. Dazwischen leben drei Menschen. Emad Korkis hat das typische Zimmer im Heilbronner Asylbewerberheim aus Pappe und Styropor nachgebaut. In seinem Heimatland Syrien wird der studierte Architekt und Künstler politisch verfolgt, im staatlichen Übergangswohnheim Heilbronn wartet er auf das Recht zu bleiben. Beim Theaterprojekt Wohnzeit im Wollhaus hat er ein Projekt vorgestellt: Die Idee von einem gastfreundlicheren Wohnen im Asylbewerberheim.

Wenig Platz

4,5 Quadratmeter stehen einem Asylbewerber laut Gesetz zu. Seit mehr als drei Jahren lebt Emad Korkis im Asylbewerberheim im Heilbronner Industriegebiet. Viel Zeit für den Architekten, um innerhalb der vier engen Wände über Veränderung nachzudenken.

Die Zimmer im Übergangswohnheim gehen von langen kahlen Gängen ab. Auf jedem Stock gibt es ein Gemeinschaftsbad und einen Raum, der als Küche genutzt wird. Hier reihen sich links und rechts an der Wand entlang zwei Aluminiumtische. An der einen Seite sind Waschbecken eingelassen, auf der anderen gibt es fünf Mal zwei Herdplatten. Auf den Gängen begegnen sich Menschen aller Nationen. Sie tragen Töpfe und Geschirr in ihre Zimmer oder ziehen mit Zahnbürste und Handtuch in der Hand in Richtung Bad. Aus den kleinen Dreierzimmern dringen die unterschiedlichsten Sprachen. In den Essensgeruch mischt sich Uringestank aus den abgenutzten Sanitäranlagen.

In Emad Korkis" Modell teilen sich vier Bewohner einen etwa 35 Quadratmeter großen Raum, der in Schlaf- und Wohnstätte aufgeteilt ist. Das Entscheidende aber sind Grünflächen, die sich an das Gebäude anschließen. "Die könnten die Bewohner bewirtschaften", schlägt Korkis vor. Viele Asylsuchende kämen mit einer qualifizierten Ausbildung nach Deutschland. Der junge Mann versteht nicht, dass die Stadt dies nicht besser nutzt. "Viele hier könnten Dinge herstellen oder produzieren, sie verkaufen und davon sogar Steuern zahlen." Die Asylbewerber würden der Gesellschaft so sogar etwas zurückgeben.

Residenzpflicht

Gabriele Schneider kennt die Situation der Asylbewerber in Heilbronn gut. Seit Jahren gibt sie ihnen ehrenamtlich Deutschunterricht. "Die Bewohner bekommen zweimal die Woche ein Essenspaket", erklärt sie. Darin seien immer dieselben Produkte. "Es gibt wenig Frisches. Für Vegetarier ist nicht viel dabei." Auch das ein Punkt, weshalb die Bewirtschaftung eigener Nutzflächen sinnvoll wäre, findet Schneider. Mit 40 Euro Taschengeld im Monat kaufen die Asylbewerber das, was sie ihnen im Paket fehlt. Eigentlich dürfen sie dazu aber nicht in das gleich nebenan liegende Kaufland. "Die Asylsuchenden haben eine Residenzpflicht. Sie dürfen Heilbronn nicht verlassen", so Schneider. Das Kaufland liegt auf Neckarsulmer Gemarkung, erklärt sie. "Geld für den Bus, um in den nächsten Supermarkt in der Stadt zu gelangen, haben sie aber auch nicht."

Der Künstler Emad Korkis weiß, dass sein Projekt viel Geld kosten würde und es nicht wahrscheinlich ist, dass es irgendwann umgesetzt wird. Doch als reine Kunst oder Utopie sieht er es nicht: "Sobald es fertig ist, werde ich es der Stadt vorstellen", sagt er bestimmt.

Modell eines typischen Zimmers für drei Personen im Wohnheim.