Kranke Kinder trainieren Doppelpass

Multifunktionsanlage "Sport und Therapie" wird am Wochenende eingeweiht

Von Friedhelm Römer

Kranke Kinder trainieren Doppelpass
Schon in wenigen Wochen werden hier die ersten krebskranken Kinder eine Sporttherapie machen: TSV-Chef Günter Zielke freut sich.Foto: Dennis Mugler

Schwaigern - Günter Zielke strahlt. Die Multifunktionsanlage "Sport und Therapie" ist nahezu fertig. An diesem Samstag wird der Sportpark des TSV Stetten im Rahmen eines Galaabends eingeweiht, Ende Juni sollen die ersten an Krebs erkrankten Kinder mit der Sporttherapie beginnen. "Das ist ein deutschlandweit einzigartiges Projekt", schwärmt Zielke, der sich über Glückwunschschreiben des früheren Bundespräsidenten Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel freut.

Ideengeber Zielke ist der Ideengeber und Motor des ambitionierten Projekts. Kranke Kinder und Jugendliche im Alter zwischen fünf und 19 Jahren sollen hier eine Langzeittherapie erhalten. Und zwar kostenlos. Die Idee ist, dass sie nach Abschluss der Chemotherapie über den Sport wieder eingegliedert werden in die Schule, den Verein, in ihre gewohnte Umgebung. "Wir haben hier ein Zusammenwirken von geballter Kompetenz", sagt Zielke. Der TSV Stetten arbeitet im wesentlichen mit den SLK-Kliniken zusammen, aber auch mit Krankenhäusern in Tübingen, Stuttgart und Heidelberg. Der Radius beträgt rund 70 Kilometer. Ehrenamtliche Therapeuten des TSV Stetten betreuen die Kinder und Jugendlichen.

Finanziert wird das Projekt durch Sponsoren und eine Stiftung. Hauptgeldgeber ist der Esslinger Apotheker Andreas Scheuerle, mit dem Zielke seit zehn Jahren berufliche Kontakte pflegt. 300 000 Euro der 380 000 Euro teuren Anlage hat der Apotheker finanziert. "Wir hätten uns schwerer getan, wenn wir das berufliche Umfeld nicht gehabt hätten", gibt der TSV-Chef zu. Günter Zielke ist Geschäftsführer der procedo GmbH aus Brackenheim, einem Dienstleister für Apotheken und die Pharmaindustrie.

Entstanden ist die Idee im Herbst 2008. "Damals haben wir uns bei einer Ausschusssitzung die Frage gestellt, was wir im TSV Stetten noch verwirklichen können." Man sei dann schnell auf den sozialen Aspekt gestoßen: Eine Therapie für Gruppierungen, die in Deutschland kaum berücksichtigt werden.

Eine Menge Überzeugungsarbeit bei den Mitgliedern war gefordert. Auch der TC Stetten wurde mit eingebunden. Zielke: "Wir wollten das Profil des Vereins verändern." Im Jahr 2009 war dann "viel Sohlenarbeit", wie es der 47-Jährige nennt, nötig. Es galt, Fachärzte, Kliniken und potenzielle Geldgeber für die Sache zu gewinnen. Es gab zwei wesentliche Maßgaben: "Wir wollten das Projekt schnell umsetzen und keine öffentlichen Mittel dafür in Anspruch nehmen."

Der TSV Stetten kann auf einen großen Stamm an ehrenamtlichen Mitarbeitern zurückgreifen. Im Gegensatz zu vielen anderen Sportvereinen wächst die Mitgliederzahl beim TSV: Von 2007 bis heute stieg die Zahl von 490 auf 770, also um rund 50 Prozent. Zielke: "Die Gemeinschaft zeichnet uns aus."

Bedürfnisse Die Multifunktionsanlage besteht aus einem Kleinspielfeld, auf dem Fußball, Volleyball, Tennis, Handball, Basketball oder auch Badminton gespielt werden kann. Außerdem gibt es ein Beachvolleyballfeld, eine Boulebahn und eine Tischtennisplatte. Die Materialien sind speziell auf die Bedürfnisse der Krebspatienten ausgerichtet.

Wichtig ist den Machern, dass die kranken Kinder nicht ausgegrenzt werden. Die Anlage steht daher auch Schülern und Kindergartenkindern aus Stetten und der Gesamtstadt Schwaigern offen. Zielke hofft, dass das Projekt Schule macht. "Unser Knowhow würden wir gerne anderen Vereinen weitergeben. Denn das, was wir hier machen, ist eine riesige Pionierarbeit."