Klimawandel verstärkt die Bedrohung

Heilbronn - Das Klima verändert sich, die Winter werden milder, der Sommer verregneter. Die Folge: mehr Niederschläge und Hochwasser. Um darauf vorbereitet zu sein, wurden in den vergangenen 15 Jahren im Landkreis rund 76,4 Millionen Euro in lokale Schutzmaßnahmen investiert

Von Renée Ricarda Billau

Klimawandel verstärkt die Bedrohung
Kampf mit Sandsäcken gegen das Hochwasser im Audi-Werk 1978. Dessen Überflutungen waren ein wesentlicher Impuls für große Hochwasserschutzmaßnahmen im Unterland.Foto: Archiv/Eisenmenger

Mehr Als - Häufig ist Hochwasser so schnell verschwunden, wie es gekommen ist. Wie vor einigen Wochen in Ilsfeld, als starke Regenfälle innerhalb kurzer Zeit ganze Straßen unter Wasser setzten. Glaubt man den Prognosen von Experten, werden Hochwasser häufiger auftreten, auch in der Region Heilbronn. Die Gemeinden und Städte im Unterland rüsten sich deshalb seit Jahren für kommende Überflutungen. "Es wird kontinuierlich am Hochwasserschutz gearbeitet", sagt Rolf Kremsler vom Amt für Bau, Umwelt und Planung des Landratsamts in Heilbronn.

Investitionen

Das Klima verändert sich, die Winter werden milder, der Sommer verregneter. Die Folge: mehr Niederschläge und Hochwasser. "Klimaszenarien bis 2050 zeigen, dass Hochwasser künftig zunehmen werden", sagt Vassilis Kolokotronis, Klimaexperte der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz in Karlsruhe.

Um darauf vorbereitet zu sein, wurden in den vergangenen 15 Jahren im Landkreis rund 76,4 Millionen Euro in lokale Schutzmaßnahmen, vor allem in Rückehaltebecken an kleineren Gewässern investiert. Davon waren rund 50 Millionen Euro Zuschüsse vom Land. An der Jagst und am Kocher sind außerdem Deiche und Mauern für weitere 6,7 Millionen Euro errichtet worden. "Inzwischen ist man dazu übergegangen, in die Fläche zu gehen", erklärt Kremsler. Das heißt: Vorhandene große Rückhaltebecken wurden durch viele kleine ergänzt. Aktuell seien weitere geplant, erzählt Kremsler. Im Bereich Ilsfeld an der Schozach, in Eppingen sowie in Fürfeld sollen Becken entstehen.



Zudem prüft der Wasserverband Sulm derzeit, ob Rückhaltebecken in Amorbach und am Hängelbach notwendig seien, sagt der bisherige Geschäftsführer Klaus Zenth, jetzt Bürgermeister in Abstatt. Seit seiner Gründung 1973 hat der Verband, in dem zwölf Kommunen und der Landkreis Heilbronn zusammengeschlossen sind, im Rahmen eines Hochwasserschutzkonzepts bislang 15 Rückhaltebecken gebaut, zuletzt das Becken Sülzbach in der Gemeinde Obersulm. Das hat sich der Verband seit Mitte der 90er Jahre 15 Millionen Euro kosten lassen, die aber zu 70 Prozent vom Land getragen wurden.

Auch die Stadt Heilbronn plant im Hochwasserschutz Ausgaben in Höhe von 36 Millionen Euro. Bis 2016 soll durch größere und kleinere Anlagen Überschwemmungen vorgebeugt werden. Im Süden in Horkheim und Klingenberg soll mit kleineren Erdwällen und Mauern begonnen und die Schutzvorrichtungen dann Schritt für Schritt nach Norden hin ausgebaut werden.

Karten

Vorgaben für den Hochwasserschutz kommen auch von der EU. Die fordert von den Mitgliedstaaten ein umfassendes Hochwasserrisikomanagement. Zu diesem zählen Gefahrenkarten, die detailliert über mögliche Überflutungsflächen informieren. Bis 2013 müssen sie vorliegen, für die Region sind weite Teile bereits fertiggestellt. "Wir sind da ganz vorn mit dabei", sagt Kremsler. Die interaktiven Karten kann jeder auf der Internetseite des baden-württembergischen Umweltministeriums abrufen. Vor allem für die Vorsorge ist die Abbildung möglicher Hochwassergebiete hilfreich. Wenn bekannt sei, wo Hochwasser auftreten kann, könnten Beschädigungen relativ gering gehalten werden, sagt Klaus Zenth.

Auch Kremsler sieht darin einen klaren Vorteil. Durch die Bereitstellung von Sandsäcken, Pumpen oder das Einrichten von Kellerräumen sei schlimmerer Schaden zu verhindern. Insgesamt sei man in der Region beim Hochwasserschutz auf einem guten Weg, sagt Kremsler. "Wir sind aber noch nicht am Ziel." Kommentar "Sicherheit kostet"

Hintergrund Wasserverbände

Nach starken Hochwassern in den 70er und 90er Jahren haben sich in der Region die Kommunen in Zweckverbände zusammengeschlossen, um den Hochwasserschutz zu koordinieren. Der Wasserverband Sulm zum Beispiel wurde 1973 gegründet, nachdem 1970 ein starkes Hochwasser das Sulmtal überflutete, bei dem auch das Audi-Werk in Neckarsulm komplett unter Wasser stand. Das Werk stand kurz vor der Schließung. Um wirtschaftlichen Schaden abzuwenden, verpflichtete sich der Wasserverband zu einem umfassenden Hochwasserschutz. Seitdem hat der Wasserverband 15 Rückhaltebecken bauen lassen, das bekannteste von ihnen ist der Breitenauer See, dessen Bau 1975 begonnen wurde.