Kleine Gemeinde mit einem großen Stein des Anstoßes

Erlenbach - Die kleine Gemeinde Erlenbach ist vielen Menschen bekannt durch das große Weinfest. Wenn die Gäste im kommenden August aus Richtung Neckarsulm anfahren, werden sie mit einem weiteren Grund konfrontiert, der den Ort zum Gesprächsstoff gemacht hat: die missglückte Gestaltung eines Kreisverkehrs in Binswangen. So sehen es die meisten Betrachter.

Von Reto Bosch

Kleine Gemeinde mit einem großen Stein des Anstoßes
Rund 60 000 Euro hat die Gemeinde Erlenbach für die Gestaltung eines Kreisverkehrs im Ortsteil Binswangen ausgegeben.Foto: Wolfgang Müller

Erlenbach - Die kleine Gemeinde Erlenbach ist vielen Menschen bekannt durch das große Weinfest. Wenn die Gäste im kommenden August aus Richtung Neckarsulm anfahren, werden sie mit einem weiteren Grund konfrontiert, der den Ort zum Gesprächsstoff gemacht hat: die missglückte Gestaltung eines Kreisverkehrs in Binswangen. So sehen es die meisten Betrachter. Ihre Kommentare zur betont naiven Darstellung von Wein, Vereinen und Fachwerk sind eindeutig. Inzwischen gibt es sogar eine Internet-Aktion gegen die Darstellung.

Falsche Entscheidung

Der Erlenbacher Kreisverkehr ist das Beispiel einer falschen Entscheidung. Das kann passieren. Spannend ist in solchen Fällen immer, wie die Beteiligten mit der Kritik umgehen. Bürgermeister Karl Alber reagiert genervt. „Auch van Gogh wurde zu Lebzeiten verkannt und ist arm gestorben“, ist eines seiner griffigen Zitate. Ein anderes lässt darauf schließen, dass er die Haltung seiner Bürger nicht allzu wichtig nimmt. „Wegen der Meinung der Leute schmeiß' ich doch kein Geld zum Fenster raus.“ Viele meinen, dass genau das schon geschehen ist. Ein Ideenwettbewerb hat nach Auskunft Albers nur zwei Vorschläge gebracht. In Gemmingen etwa waren die Bürger kreativer: Der Gemeinderat konnte dort aus 53 Ideen auswählen. Verärgert ist Alber über das Erlenbacher Gremium. Sein Vorwurf: Von den Gemeinderäten wolle es jetzt keiner gewesen sein, obwohl der Beschluss einstimmig gefallen sei. Die Bürgervertreter selbst sind unglücklich über den Kreisel, verweisen - kurz vor der Kommunalwahl - auf „skizzenhafte“ Pläne als Entscheidungsgrundlage.

Darstellung

Nicht äußern konnte sich bislang der Urheber der Kreisel-Kunst. Rolf Ingelfinger, Architekt und selbst Gemeinderat, war im Urlaub. Er stellt der Stimme gegenüber klar, dass er eben kein Künstler ist. „Das Konzept hatte ich schon länger vor Augen. Vor allem auch, weil mir die Kreisel in näherer Umgebung langweilig erscheinen.“ Er habe seinen Vorschlag der Verwaltung vorgelegt, der Gemeinderat habe dann darüber entschieden. Die Darstellungsform habe er gewählt, weil die Motive plakativ wirken müssten. „Ich habe nie den Anspruch erhoben, ein Kunstwerk zu errichten, sondern einen Kreisel zu gestalten mit bunten, leicht verständlichen Bildern.“

Rolf Ingelfinger ist überrascht vom Echo auf die Kreisel-Kunst. „Eines habe ich auf jeden Fall erreicht, man beachtet ihn.“ Damit trifft Ingelfinger den Nagel auf den Kopf. Bei den Bürgern aus der Region dürfte der Kreisel irgendwann kein Thema mehr sein. Sie werden sich an ihn gewöhnen. Aber was denken nur die Weinfest-Gäste? Sie können Bürgermeister Alber ja ihre Meinung sagen.


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