Kinder riskieren ihr Leben

Heilbronn - Ein 13- und ein 14-jähriges Mädchen haben sich am Mittwochabend in Heilbronn aus Mutwillen in Lebensgefahr gebracht: Sie nutzten die Stadtbahn zwischen der Haltestelle Pfühlpark und Weinsberg-West zum sogenannten „S-Bahn-Surfen“. Ermittlungen des Bundespolizeireviers Heilbronn ergaben, dass die beiden nach Halt der Stadtbahn am Pfühlpark heimlich auf das schmale Abdeckblech der Anhängerkupplung am Zugende stiegen.

Von Andreas Tschürtz und Siegfried Lambert


Heilbronn - Ein 13- und ein 14-jähriges Mädchen haben sich am Mittwochabend in Heilbronn aus Mutwillen in Lebensgefahr gebracht: Sie nutzten die Stadtbahn zwischen der Haltestelle Pfühlpark und Weinsberg-West zum sogenannten „S-Bahn-Surfen“.

Ermittlungen des Bundespolizeireviers Heilbronn ergaben, dass die beiden nach Halt der Stadtbahn am Pfühlpark heimlich auf das schmale Abdeckblech der Anhängerkupplung am Zugende stiegen. Sie wollten auf der kleinen Plattform, die 75 mal 30 Zentimeter misst, eine Station weit bis zum Trappensee fahren.

Lange Fahrt

Pech für sie: Dort hatte die Bahn keinen Bedarfshalt. Sie fuhr bis Weinsberg weiter - und raste mit den beiden leichtsinnigen Mädchen mit 90 Stundenkilometern durch den 891 Meter langen Weinsberger Tunnel.

Der Stadtbahnfahrer bemerkte erst kurz darauf im Rückspiegel eine Bewegung am Ende seines Zuges. Er übergab die beiden Mädchen an der nächsten Haltestelle in Weinsberg-West wohlbehalten der Polizei. Die brachte sie dann zu ihren Eltern.

Lebensgefährlicher Leichtsinn geht glimpflich aus
Auf so einer schmalen Plattform standen die beiden Mädchen.Foto: Lambert
Der Leichtsinn wird nicht ohne Folgen bleiben. Die Polizei hat gestern Ermittlungen aufgenommen. Die Strafen reichen im Einzelfall von einem Bußgeld bis zu einer Freiheitsstrafe. Die wird allerdings nur in schweren Fällen für den Straftatbestand des „Gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr“ verhängt. Dieter Natterer vom Bundespolizeirevier Heilbronn warnt: „Kinder und Jugendliche begeben sich beim Stadtbahn-Surfen in Lebensgefahr.“ Risiken im Zugverkehr würden generell unterschätzt. „Der Bremsweg eines Zuges ist viel länger als viele denken, die Geschwindigkeit höher als man glaubt. Auch wenn man nur über Gleise springt - das Risiko ist ziemlich schnell nicht mehr kalkulierbar.“ Und Unfälle mit Zügen endeten oft tödlich.

Falscher Mut

„Es sind gottlob nur Einzelfälle, aber wir nehmen jeden einzelnen sehr ernst“, sagt Steffen Zaiser von der Bundespolizeidirektion Stuttgart. Im vergangenen Jahr gab es weniger als ein halbes Dutzend solcher Vorkommnisse. „Es ist eine hochgefährliche Sache, in erster Linie eine Art Mutprobe - oder eben schlicht blanke Dummheit.“

Dass Warnungen nicht oft genug ausgesprochen werden können, zeigt der fast tödliche Ausgang einer Kletteraktion auf dem Böckinger Rangierbahnhof in der Nacht auf Mittwoch. Drei Jugendliche waren auf einen Kohlenzug gestiegen. Ein 16-Jähriger kam dabei der 15.000-Volt-Oberleitung zu nahe und erlitt durch einen Stromschlag schwerste Verbrennungen. „Er ist noch in der Klinik. Sein Gesundheitszustand ist stabil“, sagt Natterer.


Hintergrund: Kein Einzelfall

Der letzte Fall von S-Bahn-Surfen liegt erst ein dreiviertel Jahr zurück. Im September 2008 wurden zwei Jugendliche ermittelt, die zwischen Weinsberg und Sülzbach die Stadtbahn zum „Surfen“ benutzten. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Im Mai 2007 erlitt ein Hobbyfotograf bei Lauda lebensgefährliche Verletzungen, als er in den Bereich der 15.000 Volt führenden Oberleitung kam. Er wollte von einem Oberleitungsmasten einen historischen Zug fotografieren. red