Innenstadt vor großen Herausforderungen

Heilbronn - Die Herausforderungen, vor denen Innenstädte stehen, sind gewaltig. Entsprechend ungemütlich klingt das Vokabular, in dem Experten und Akteure die Bedrohungen beschreiben, denen sich die Heilbronner Innenstadt gegenübersieht.

Von Franziska Feinäugle

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Heilbronn - Die Herausforderungen, vor denen Innenstädte stehen, sind gewaltig. Entsprechend ungemütlich klingt das Vokabular, in dem Experten und Akteure die Bedrohungen beschreiben, denen sich die Heilbronner Innenstadt gegenübersieht. "Kampf und Konkurrenz nehmen drastisch zu", analysiert der Freiburger Stadtplaner und Innenstadtexperte Bernd Fahle am Mittwochabend beim Stimme-Forum in der Heilbronner Experimenta. Der rasante Wandel, dem der Handel unterliegt, "hat an Radikalität und Tempo zugenommen".

Was diese allgemeine Entwicklung konkret für die Heilbronner Innenstadt bedeutet, skizziert Thomas Gauß, Vorsitzender der Händlervereinigung Stadtinitiative: "Die Situation ist nicht mehr vergleichbar wie vor einigen Jahren." Spielte sich früher der Wettbewerb noch zwischen Kollegen und einzelnen Händlern einer Stadt ab, so "konkurrieren wir heute in völlig anderen Dimensionen": Nicht mehr innerhalb einer Stadt wird um Kundschaft gekämpft, ganze Regionen versuchen einander Kaufkraft abzuwerben.

"Wenn wir kleiner werden, werden die anderen immer größer."

Thomas Gauß, Stadtinitiative

Bedrohung aus dem Umland

"Die Region rüstet auf", warnt Gauß und listet auf, was für Einzelhandelszuwächse die nähere und weitere Umgebung Heilbronns verzeichnet: In Mannheim und Karlsruhe, in Schwäbisch Hall und Stuttgart entstanden jüngst oder entstehen in Kürze neue Handelsflächen, das Breuningerland Ludwigsburg will um 9800 Quadratmeter erweitern, das Fabrikverkaufscenter Wertheim Village "wirbt ganz gezielt in Heilbronn", und das umstrittene Factory-Outlet-Center Sinsheim, von dem heute niemand weiß, ob es kommen wird, "hängt wie ein Damoklesschwert über uns".

Nicht nur aus dem Umland drohen Gefahren, so Gauß: "Wir haben die Probleme schon in der Stadt." Er zeigt einen Innenstadtplan, übersät von roten Punkten: 28 Leerstände. Leerstände im Wollhaus, drohende Leerstände wie das 800 Quadratmeter große Textilhaus Buck, Leerstände wie Haushalt-Kachel. Hinzu kommen Frequenzrückgänge in der nördlichen Innenstadt, wie etwa jener, unter dem die Hafenmarktpassage seit der Schließung von Drogeriemarkt Müller leidet: Von 40 Prozent ist hier die Rede.

Antworten

Was tun? Die Antworten stehen im Masterplan Innenstadt, der Ende 2008 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. "Wir haben diesen Masterplan nicht aufgestellt und dann in die Schublade gelegt", betont Heilbronns Erste Bürgermeisterin Margarete Krug. Was aus dem umfassenden Papier bislang verwirklicht wurde, beschränkt sich allerdings auf eher kleine Erfolge wie Fahrradständer und Papierkörbe.

"Wenn man einmal eine Arbeit gemacht hat wie Ihren Masterplan, muss man daran anknüpfen − zeitnah", legt Innenstadtexperte Bernd Fahle den Heilbronnern ans Herz. Im Ansatz, analysiert er, "haben Sie alles sehr gut hinbekommen. Das muss jetzt aber in einer hohen Schlagzahl abgearbeitet werden." Zu tun gibt es genug.

Heilbronns Marktgebiet

Der Heilbronner Handel ist auf Kundschaft aus der Region angewiesen: Rein rechnerisch muss ein Drittel der Umsätze mit Menschen von außerhalb gemacht werden. Gemäß dem Märkte- und Zentrenkonzept Heilbronn von 2004 reicht das erweiterte Einzugsgebiet des Heilbronner Einzelhandels im Süden bis Ludwigsburg, im Westen bis Sinsheim, im Nordwesten bis Bad Mergentheim und im Osten bis Schwäbisch Hall. In diesem Marktgebiet leben 1,1 Millionen Menschen.


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