In Schildwirtschaft wurde gegessen, getrunken und übernachtet

Dorfführung zu ehemaligen Gaststätten am Tag des offenen Denkmals

Von Sabine Friedrich

In Schildwirtschaft wurde gegessen, getrunken und übernachtet
Schlusseinkehr im einstigen Adlerwirtshausgarten, wo auch die Betreiber von "Hirsch" und "Ritter" früher im Freien bewirteten.Fotos: Sabine Friedrich

Brackenheim - Der Abschluss könnte nicht besser gewählt sein. Im einstigen Adlerwirtshausgarten nehmen die rund 50 Leute Platz unter den schattenspendenden Bäumen vor dem schnuckeligen Fachwerk-Wirtssommerhaus. Hier war 100 Jahre lang, etwa ab den 1880ern, der Hausener Festplatz. Hier wurden patriotische Lieder zum Sedanstag in Gedenken an den Sieg 1870 über die Franzosen in der Normandie gesungen. Nicht nur die Sommerhitze hat durstig gemacht, auch das Thema der Dorfführung: "Wirtschaften im ausgehenden 19. Jahrhundert." Ein Aspekt beim Tag des offenen Denkmals, der in Stadt und Landkreis Heilbronn geschichtsträchtige Stationen des 19. Jahrhunderts geboten hat unter dem Motto: "Romantik, Realismus, Revolution."

Früher gab es im Brackenheimer Teilort fast einen ganzen Straßenzug voller Wirtschaften, der gen Lauffen. Und wie viele dieser traditionsreichen Gaststätten sind noch vorhanden? "Keine", sagt Günter Keller, Vorsitzender des örtlichen Kulturkreises, der die Schar Einheimischer und Auswärtiger durch den Brackenheimer Teilort führt.

Schmiedeeisern "Für eine Schildwirtschaft war es zwingend erforderlich, dass sie an einer Hauptstraße lag", weiß der Heimatforscher und zeigt auf das Gebäude gegenüber der Georgskirche. Ein schmiedeeisernes Emblem verrät: Hier war der "Ritter", 1751 erstmals erwähnt.

Eine Schildwirtschaft hatte das Recht und die Pflicht, Gäste zu bewirten und zu beherbergen. Im Gegensatz zur Speisewirtschaft − kalte Speisen und Getränke − und zur Schank- oder Gassenwirtschaft mit meist nur einem Getränk, in Hausen war"s Wein.

Unten die Metzgerei, im ersten Stock die Gaststube, darüber die Übernachtungszimmer, dazu Pferdeställe, zwei Scheunen und drei Gewölbekeller − der "Ritter" war ein typisches Beispiel dieses Erwerbszweigs. Der Name symbolisierte auch: es war eine amtliche Station. "Der Metzger war verpflichtet, die Post mit den Pferden zu transportieren", erzählt Keller, ehe er mit den Besuchern an einen angenehm kühlen Ort hinab steigt: in den Gewölbekeller, der Platz bot für etwa 50 000 Liter Wein in Fässern.

Der Hausener hat auch Allerlei zum Schmunzeln im Gepäck: So konnte nur Wirt werden, wer weder Völlerei noch verbotenes Spiel, Hehlerei und Unsittlichkeit förderte.