Im selbstgebauten Flieger nach Kamerun

Region - Heute startet ein Untergriesheimer in seinem selbstgebauten Sportflugzeug vom Mosbacher Flugplatz in Richtung Kamerun. Der 46-Jährige ist Konsul in der Deutschen Botschaft in Kameruns Hauptstadt Jaunde.

Von unserer Redakteurin Sara Furtwängler

 

 

>>Hier kann der Flug von Thomas Scherer verfolgt werden

 

Region - Thomas Scherer öffnet den Tankdeckel seiner Europa und gießt Benzin in den 80 PS-starken 4-Zylinder-Boxer-Motor. Es ist kalt am Donnerstagmorgen. Der Wind pfeift auf dem Flugplatz in Mosbach. "Kurz vor dem Start herrscht bei mir eine Stimmung der Anspannung", sagt der Hobby-Pilot, als er sein selbstgebautes Sportflugzeug aus dem Verschlag zieht. Gerade hat er bemerkt, dass sein Flugobjekt eine neue Batterie braucht. Viel Zeit hat er nicht mehr, um den nur sieben Meter langen Winzling unter den Flugzeugen startklar zu machen. Am heutigen Freitag, um 11 Uhr, will er losfliegen. Das Ziel: Kamerun, wo der 46-Jährige als Konsul in der Deutschen Botschaft arbeitet.

Flugsüchtig

6300 Kilometer Flugstrecke liegen vor dem Untergriesheimer. Sechs Stopps hat er eingeplant. Am 21. Januar möchte er in Kameruns Hauptstadt Jaunde landen. Kritische Punkte seiner Route über Korsika, Algerien, Niger und Nigeria sind "die Alpen und das Mittelmeer", berichtet Scherer, der sich selbst als flugsüchtig bezeichnet. Über den Bergen lauere die Gefahr von unwegsamem Wetter, Wolken, Nebel, schlechter Sicht.

"Und über Wasser fühlt man sich generell nicht so wohl." Aber eigentlich ist die vor ihm liegende Strecke für den Hobby-Piloten ein Klacks, schließlich hat er in seiner Europa die Welt umrundet. Denn als Angestellter im Auswärtigen Dienst hat er schon in vielen Ländern gearbeitet. Und irgendwann beschloss er, selbst zu seinen Arbeitsorten zu fliegen.
 

Im selbstgebauten Flieger nach Kamerun

Der erste lange Flug ging zu seinem Posten in der Mongolei. Der direkte Weg über Russland war nicht möglich, weil die Behörden nach der illegalen Landung eines Privatpiloten auf dem Roten Platz "sehr streng" sind. Also flog Scherer über den Atlantik nach Alaska und schließlich über Japan und China in die Mongolei. Sein nächster Einsatzort war Los Angeles. Scherer flog aus der Mongolei zurück nach Deutschland − womit die Umrundung abgeschlossen war − und sogar noch ein zweites Mal über den Atlantik und die USA.

Gebaut hat er die Europa vor rund zehn Jahren, als er in Detroit eingesetzt war. "Ich wollte schon als Kind fliegen", erzählt der ehemalige Schüler des Neckarsulmer Albert-Schweizer-Gymnasiums. "Ein Flugzeug zu kaufen, wäre zu teuer gewesen, also dachte ich: Ich baue mir ein’s", erklärt der 46-Jährige. Fünf Jahre war der Bausatz des britischen Modells seine Beschäftigung in der heimischen Garage. Die Familie − drei Kinder und seine Frau − akzeptieren das Hobby des Vaters. Ideal für den Bastler: In den USA gibt es keinen Tüv, nur eine Endabnahme. "Der Prüfer hat den Motor angelassen und ist einmal drumherum gelaufen", berichtet Scherer. Er musste 40 Teststunden absolvieren, dann war das Modell Marke Eigenbau frei für den internationalen Luftraum.

Lebensgefahr

Angst, dass ihm in seiner fliegenden Nussschale etwas passiert, hat er nicht: "Ich warte sie selbst, kenne jede Schraube." Trotzdem hat der Konsul auf seinen 35 756 Kilometern rund um den Globus auch lebensbedrohliche Situationen erlebt. "Ich bin über Japan in ein schreckliches Gewitter geraten", erinnert sich Scherer. "Blitze sind neben mir eingeschlagen, alles in der Kabine war elektrisch aufgeladen. Die Kunststoffhülle bietet keinen Schutz." Mit einer Sturzflug-Landung rettet er sich auf einen kleinen Flugplatz. Eine andere Gefahr, auch wenn Scherer heute darüber schmunzelt, waren die Falken in der Mongolei. "Sie wollten mir einfach nicht ausweichen."

Neben Platznot − Zusatztanks, Gepäck und Pilot drängen sich in der Kabine − ist die Bürokratie die größte Herausforderung für den fliegenden Weltenbummler. Dafür hat Scherer einen Helfer am Boden, der seine Flüge über das Satellitentelefon begleitet, Routen plant und mit Behörden verhandelt, wenn die Strecke zum Beispiel durch ein Militärgebiet führt. Der Rentner Dietmar Mondon ist es auch, der auf dem heute startenden Flug den Kontakt hält und die Etappen auf einer Internetseite dokumentiert.