„Im Extremfall müssen wir die Salinen schließen“

Heilbronn - In der Hauptversammlung der Südwestdeutschen Salzwerke (SWS) hat Vorstandssprecher Ekkehard Schneider vor einem Abschalten des Gemeinschafkraftwerks Neckarwestheim I gewarnt. Der SWS-Vorstand befürchtet einen Strompreis-Anstieg durch den Atomausstieg. Heiko Fritze sprach mit ihm über mögliche Folgen steigender Energiepreise.

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Warnt vor Energieknappheit: SWS-Vorstand Ekkehard Schneider.Foto: Archiv
In der Hauptversammlung der Südwestdeutschen Salzwerke hat Vorstandssprecher Ekkehard Schneider vor einem Abschalten des Gemeinschafkraftwerks Neckarwestheim I gewarnt. Heiko Fritze sprach mit ihm über mögliche Folgen steigender Energiepreise.

Herr Schneider, Die Preise für Energie, Öl und Gas steigen offenbar unaufhörlich. In welchen Bereichen sind die Salzwerke besonders betroffen?

Ekkehard Schneider: Insbesondere betroffen sind neben unserem Heilbronner Bergwerk mit seinen elektrobetriebenen Fahrzeugen die Salinen. In Bad Friedrichshall arbeiten wir auf Gasbasis, in Bad Reichenhall mit Strom. Außerdem spürt unser Bereich Logistik/Reederei Preiserhöhungen bei Öl und Diesel. Wenn Diesel und Maut weiter steigen, ist die Frage, ob unsere Konditionen nachverhandelbar sind.

Wie fangen Sie die Steigerungen auf?

Schneider: Neben ständiger Prozessoptimierung versuchen wir weiter unsere Frachten zu optimieren. Wir haben ansonsten kurzfristig keine Alternativen.

Ende kommenden Jahres soll der Atommeiler GKN I stillgelegt werden. Wie beurteilen Sie diese Maßnahme?

Schneider: Die Strommenge wird verknappt und damit ist ein weiterer Preisschub absehbar. Wir brauchen einen Energiemix. Alleine mit den Regenerativen ist es nicht zu schaffen. Es wird ja nicht genug Stromerzeugung hinzugebaut. Das ist auch daran zu sehen, dass zurzeit die Stromversorger zwei Angebote machen, bei Fortbestand und bei Auslaufen von GKN – und bei letzterem steigt der Preis um über ein Drittel.

Welche Alternativen hat die SWS bei der Stromversorgung?

Schneider: Wir haben kurzfristig keine Alternativen. Wir könnten mittel- bis langfristig an eine eigene Energieversorgung denken, aber da stellt sich die Frage des Brennstoffs und auch die Frage der Akzeptanz und der Genehmigungsfähigkeit.

Welche Folgen hätte dies im Extremfall für die Salzwerke?

Schneider: Es könnte bis zur Einschränkung oder gar Einstellung der Salzproduktion in unseren beiden Salinen führen. Salinen, etwa in Frankreich, werden günstiger unter hohem Atomstromanteil betrieben, auch in den Niederlanden und in Dänemark gibt es deutlich günstigere Rahmenbedingungen. Da können wir nicht konkurrieren.

Und welche Konsequenzen erwarten Sie für die Wirtschaft der Region?

Schneider: Zunächst hoffe ich, dass es zeitnah politische Initiativen gibt, die Stromversorgung in der Region mengen- und preismäßig nicht Not leidend werden zu lassen. Andernfalls wird es sicher Unternehmen geben, die an den Rand der Wettbewerbsfähigkeit und der Existenz gedrängt werden. Bei Stromzukäufen in anderen Regionen wirken leider die Netzkosten ebenfalls preistreibend.

Stichwort Ölpreis – profitiert da nicht gerade Ihre Reederei Schwaben von der Entwicklung?

Schneider: Nein, wir haben ja auch höhere Dieselkosten für unsere Schiffe. Dieser Transportweg ist zwar billiger, es bleibt aber die Frage, ob wir den gestiegenen Dieselpreis an unsere Kunden weitergeben können. Insgesamt gibt es allerdings einen stärkeren Trend zum Binnenschiff.

Wenn die Preisentwicklung so anhält – wie wird die SWS in zehn Jahren ihr Salz transportieren?

Schneider: Nach wie vor auf Straße, Schiene und mit dem Schiff – allerdings deutlich geringere Mengen, wenn Deutschland als einziges Land die Atomkraft aus dem Energiemix nimmt, was Arbeitsplätze kosten wird, auch bei uns. Diese Konsequenzen können nicht früh genug publik gemacht werden.