IG Metall fürchtet Spaltung der Belegschaften durch Leiharbeit

Neckarsulm - Die IG Metall verschärft ihren Kampf gegen die Leiharbeit. Bei der Funktionärskonferenz am Donnerstagnachmittag kündigte die Gewerkschaftsspitze Widerstand gegen die Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse an.

Von Jürgen Paul

Email

Neckarsulm - Die IG Metall verschärft ihren Kampf gegen die Leiharbeit. Bei der Funktionärskonferenz am Donnerstagnachmittag kündigte die Gewerkschaftsspitze Widerstand gegen die Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse an. Mit einem Aktionstag am 24. Februar soll der Druck auf den Gesetzgeber erhöht werden, faire Arbeitsbedingungen herzustellen.

Schwächung

"Prekäre Beschäftigung findet statt − und zwar bei uns im Unterland und in Betrieben der Metall- und Elektroindustrie", stellt Rudolf Luz vor knapp 200 Betriebsräten und Gewerkschaftern in der Neckarsulmer Ballei fest. Aktuell gebe es im Unterland sogar mehr Leiharbeiter als im Vorkrisenjahr 2008. Den Ersten Bevollmächtigten der IG Metall Heilbronn-Neckarsulm treibt die Sorge um, dass der Boom der Leiharbeit die Belegschaften in den Betrieben spaltet und die Durchsetzungskraft der Gewerkschaft nachhaltig schwächt.

Luz untermauert seine Befürchtungen mit Zahlen. Während ein regulär Beschäftigter in der Metall- und Elektroindustrie auf ein Jahresgehalt von 34 747 Euro kommt, muss sich ein nach dem Zeitarbeitstarifvertrag bezahlter Beschäftigter mit 16 008 Euro begnügen − also mit 54 Prozent weniger. "Davon kann man keine Familie ernähren", schimpfte Luz und zeigte anhand aktueller Beispiele, dass sich Lohndumping auch im Unterland immer mehr ausbreitet.

Parallel zur Zunahme der Zeitarbeit hat die IG Metall einen zweiten unheilvollen Trend ausgemacht: Die Befristung von Arbeitsverträgen. "Mittlerweile ist die befristete Übernahme von Auszubildenden die Regel und die unbefristete Anstellung die Ausnahme. Das muss sich umkehren", forderte Luz. Ein Dorn im Auge ist ihm auch die verstärkte Auslagerung von Ingenieursarbeiten in Form von projektbezogenen Werkverträgen, etwa bei Bosch in Abstatt. Ein Bosch-Betriebsrat sprach von der "Auslagerung von Kerngeschäft", die zu einem erheblichen Know-how-Abfluss führen könne.

Der baden-württembergische IG Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann ließ in seiner Rede kein gutes Haar an der Zeitarbeit. "Leiharbeit dient dazu, dass Arbeitnehmer von regulärer unregulierte Arbeit abrutschen", sagte Hofmann. Das Argument der Befürworter, Zeitarbeit diene Geringqualifizierten als Brücke in den ersten Arbeitsmarkt, ließ er nicht gelten. "Zwei Drittel der Leiharbeiter haben eine abgeschlossene Berufsausbildung, und 80 Prozent kommen aus fester Beschäftigung", sagte der Bezirksleiter.

Mitbestimmung

Die IG Metall, die das Thema bundesweit auf die politische Agenda gesetzt hat, müsse dafür Sorge tragen, dass Arbeit nicht zur Ramschware verkomme und keine tariffreie Zonen in den Betrieben entstünden. "Es geht hier nicht nur um Geld sondern auch um Mitbestimmung", betonte Hofmann. Arbeit müsse sicher und fair bleiben. Die von den Arbeitgebern geforderte Flexibilität gebe es nur gegen sichere, verlässliche Arbeitsplätze.