Horch, so klingt die Geige

Region - Blasmusik kennt jeder. Aber wie klingt eigentlich eine Geige? Das Radio dudelt jeden Tag Streichmusik, sogar im Supermarkt ist sie elektronisch verschmalzt hören. Aber welches Kind weiß das schon? Deshalb kommt Nanna Koch, die stellvertretende Konzertmeisterin des Württembergischen Kammerorchesters, in die Schulen und bringt den Mädchen und Jungen die Geigentöne bei.

Von Gertrud Schubert

Region - Blasmusik kennt jeder. Aber wie klingt eigentlich eine Geige? Das Radio dudelt jeden Tag Streichmusik, sogar im Supermarkt ist sie elektronisch verschmalzt hören. Aber welches Kind weiß das schon? Deshalb kommt Nanna Koch, die stellvertretende Konzertmeisterin des Württembergischen Kammerorchesters, in die Schulen und bringt den Mädchen und Jungen die Geigentöne bei. Pur und solo, ganz ohne Verstärker und weitere Instrumente.

Niemals stumm

Der Spielmann kommt. Die Dritt- bis Sechstklässler, aber auch Schulanfänger ahnen schon, dass sich da nicht der Chef vom Spielemobil mit Pedalo und Jonglierbällen ankündigt. Aber so richtig vorstellen kann sich doch keiner, dass das früher mal ein Beruf war: Ein Mann, der bei Festen den lieben langen Tag Musik machte und seine Geige niemals verstummen ließ. Unvorstellbar ist das im Zeitalter von DJ und I-Pod.

Umso zauberhafter wirkt Selma Lagerlöfs Märchen. Mit offenem Mund sitzen Zweit- und Drittklässler der Ludwig-Pfau-Schule Heilbronn in ihren Stuhlreihen, sie lauschen, staunen. Nanna Koch, klare Sache, ist der Spielmann. Man erkennt ihn an Hut und schwarzer Weste. Und an seiner Geige. Mit einem lustigen Ländler auf den Saiten umrundet die Musikerin die Kinder, geht in die Knie. Leiseste Töne umschmeicheln die Kinderohren. Die Verwunderung ist grenzenlos.

Die Bewunderung wächst. Schauspieler und Klinikclown Udo Grunwald übernimmt den Part des Erzählers, bringt die jungen Zuhörer zum Lachen, das nimmt der bisweilen unheimlichen Geschichte das Bedrohliche. Zum Glück geht sie gut aus. Der Spielmann entkommt dem gemeinen Wassermann, doch bis sich alles in Wohlgefallen auflöst, malt die Geige sämtliche Gefühle aus: Angst, Zwang, Unmut, das Grollen des Wassermanns im Fluss. Was alles in dem Instrument steckt.

Das Schönste aber ist selber spielen. Musik zum Anfassen. Nanna Koch hat eine Minigeige mitgebracht. Und wer nur immer will, darf sie an seinen Hals ansetzen und mit dem Bogen möglichst zart − o das quietscht − über die Saiten streichen. Bei Laura (9) knarzt und tut es, obwohl sie sich solche Mühe gibt. Prompt findet sie geigen "gut", aber "schwierig".

Spiellust

Begeisterte Fanpost erreichen die Musikerin und den Clown nach den Klassenbesuchen: "Dankeschön für das Theater. Es war schön, wie du mit der Geige gespielt hast (...) Jetzt möchte ich auch gerne Geige spielen."